
Von den 19 Interessierten trafen sich noch im gleichen Jahr neun Männer im Merscher Pfarr- und Jugendheim, um alle nötigen Fragen zu klären. Für Tütüs wurde sich (leider?) nicht entschieden, sondern für Showtanz, und die Zügel überreichten sie prompt Denise Macheray. Die erfolgreiche Tänzerin von Schwarz-Gelb Jülich und Trainerin der kleinen Tanzgarde der Bretzeblbäckere, nahm diese auch bereitwillig in die Hand, um dem wilden Haufen etwas Grazie beizubringen. Das geschah von da an alle zwei Wochen. Im Pfarrheim, in der Tischtennishalle oder „bei Manfred in der Scheune“.
Am 21. April 2004 war der mittlerweile historische erste Trainingstermin der „Wild Boys“, bei dem sich dann auch final die Namensfrage klärte. Duran Durans Kultsong traf direkt auf so viel Begeisterung, dass nicht nur die Musikauswahl für den ersten Auftritt sofort geklärt war. Der sorgte dann für das ein oder andere nervöse Magenziepen, aber auch für ein tobendes Publikum. Bei ihrer ersten Turnierteilnahme belegten sie in Güsten sofort den zweiten Platz und in der folgenden Session schon den Ersten. In den Auftritten stecke jedes Mal ein ganzes Jahr Training und Vorbereitung erklären Ralf Clusmann und Achim Docter im Gespräch. Die zwei Gründungsmitglieder gehören mittlerweile zur alten Garde und erinnern sich gerne an die verschiedenen Themen und Kostüme der vergangenen 2 x 11 Jahre.
Wilde Auftritte haben die Mersch-Patterner schon über die Region hinaus in den Niederlanden und Rheinland-Pfalz hingelegt und waren bisher neun Mal bei der deutschen Meisterschaft. Die würde aber zuletzt in Ostdeutschland ausgetragen und das sei leider eine zu aufwendige Reise, bedauert der mittlerweile 65-jährige Alterspräsident Achim Docter. „Dabei sein ist alles“ sei ihr Motto und so tanze man auch mit Freude verkatert auf den gleichen Bühnen wie die professionellen Mannschaften, die mitunter ihre eigenen Massageteams mitbrächten. 2015 habe man aber einen stolzen zehnten Platz mit dem Thema „England“ belegt. Bei den NRW-Meisterschaften belegte man auch schon jeweils zwei zweite und dritte Plätze.
Aktuell gibt es auf der Bühne eine harmonische Altersspanne von vierzig Jahren. Der bisher älteste Tänzer war der heutige Ehren-Wild Boy Arno Pelzer, der seit der zweiten Session dabei war und erst 2020 mit stolzen 70 Jahren seinen Bühnenabgang tanzte. Für Ralf Clusmann sei das auch ein Traum. So könne er dann pünktlich zum 3×11 Jährigen Jubiläum der Wild Boys dem Altersrekord gleichziehen. Gesundheit ginge allerdings vor, denn der körperliche Einsatz sei nicht zu unterschätzen. Von Prellungen und Zerrungen bis zu Platzwunden und sogar zwei verlorenen Schneidezähnen sei beinahe alles bereits auf der Bühne passiert.
Die verschiedenen Kostüme haben mitunter schon den Herrn der Ringe im Jülicher Karneval aufleben und orientalische Teppiche über die Bühnen fliegen lassen, aber echtes Ballett würde es von den Wild Boys nie geben, erklärt Clusmann. Ebenso wenig würde man sich auf das Thema Spanien einlassen, betont das wilde Urgestein. Man würde zwar zum Trainingsauftakt der neuen Session von den Trainerinnen oftmals vor vollendete Tatsachen gestellt, aber bei Kastagnetten sehe man eine Grenze des Machbaren. Zu den Highlights zählen für die wilde Truppe aber nicht nur die tänzerischen Erfolge. Man sei sehr glücklich über die harmonische Gruppe und so wird jedes Jahr zu Gründonnerstag gemeinsam angegrillt und alte Videos geguckt. Außerdem sei auch ein Sommerfest mit den Familien für jedes Jahr eingeplant und für alle mit genügend Zeit veranstalte man auch gerne regelmäßig Wochenendausflüge. Schelmisch grinsend erzählen die zwei außerdem, dass sie bei einer Veranstaltung schon einmal der Band Kasalla das Bier im Back-Stage weggetrunken hätten.
Jubiläumstanz
Ein besonderes Highlight wird das 2 x 11 jährige Jubiläumsturnier am 7. Februar. Die Wild Boys werden die Night of the Dancers im Festzelt Mersch-Pattern feierlich um 20 Uhr eröffnen und ihre bisher insgesamt fünf Trainerinnen die neun teilnehmenden Gruppen als Jury bewerten. Nicht nur zum Zusehen laden die Wild Boys ein. Die aktuell 19 Mann starke Truppe freut sich immer über Interessierte, denn man möchte gerne schon länger die 20 knacken.
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