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Tänzerisch und jeck

Eigentlich seien sie gar kein Karnevalsverein. Eigentlich ginge es in erster Linie um den Tanzsport. Naja, irgendwie scheint es aber doch so, als sei die Stadtgarde Jülich zumindest ein wenig zum Karnevalsverein mutiert. So zumindest wirkt es auf Außenstehende, denn in der fünften Jahreszeit ist sie wohl am sichtbarsten.

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4 x 11 Stadtgarde Jülich präsentiert von (v.r.) Michael Schröder, Klaus Schröder und Edwina Pelzer. Foto: Björn Honings
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Entstanden ist die Jülicher Stadtgarde 1981 als Tanzsportgruppe, die zunächst nur als ein Zusammenschluss von Eltern mit tanzenden Kindern gegründet wurde. Erst 1988 wurde daraus ein eingetragener Verein. Eine wirkliche Struktur, so die heutige Trainerin Edwina Pelzer, sei erst in den Neunzigern in den Verein gekommen. Zur Dekadenwende kam 1990 ebenso ein gewisser Klaus Schröder in den Verein. Ein Jahr nach seinem Vereinsbeitritt bot er sich als Übergangslösung für den Vorsitz an, den er nun seit 35 Jahren nicht mehr losgeworden sei, schmunzelt er hinter seinem mittlerweile weißen Schnauzer.

Noch länger dabei ist nur noch Edwina Pelzer. Kurz nachdem sie laufen gelernt hatte, begann sie sofort, zwischen den Beinen der Tanzenden auf der Bühne herumzuwuseln. Vor mittlerweile 40 Jahren wurden die Kostüme der Stadtgarde dann zu einer Art zweiten Haut für sie. Seitdem ist viel Wasser die Rur heruntergegangen, aber die Stadtgarde tanzt weiter. Und das erfolgreich. Innerhalb und außerhalb der Karnevalssession schwingt man das Tanzbein unter anderem auf prestigeträchtigen Bühnen. Mehrfach haben sie schon die Deutsche Meisterschaft in der professionellen Klasse gewonnen und in den Jahren ’93, ’94 und ’95 habe man es sogar zum Europameistertitel gebracht, erzählt der Vorsitzende Klaus Schröder stolz.

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Wie es so bei Menschen ist, die gefühlt ihr halbes Leben miteinander verbracht haben, werden Jahreszahlen immer wieder diskutiert – „Wann war das noch…?“ – und anhand von Annekdoten eingeordnet. Dabei stellt sich aber heraus, dass die Jülicher schon viel herumgekommen sind. Bei der Eröffnung der Landesgartenschau 1998 haben sie schon getanzt und auch vollkostümiert in der Aachener Karolus Therme. In München sind sie einmal Horst Tappert bei einen Derrick Dreh in die Arme gelaufen und sie wurden auch schon von Krätzchensänger Ludwig Sebus anmoderiert. Auf die Geilenkirchener Basis durften sie zwar nicht aber auch die NATO haben sie schon unterhalten.

Foto: Björn Honings

Seit 2000 trainiert Edwina Pelzer alle Gruppen mit Co-Trainerin Sabrina Cikes und freut sich immer über Neuzugänge und Interessierte. Die Showtanzgruppe der Frauen bestehe seit mittlerweile 21 Jahren und begeistern ganzjährig auf Turnieren in und um Jülich und bis nach Köln. Seit mehreren Jahren gibt es auch die City Kids, bei denen alle Kinder und Jugendlichen zwischen fünf und siebzehn Jahren tanzen. Sie betont besonders, dass auch Jungen und junge Männer überaus willkommen seien. Aktuell habe man einen Jungen im Team, so das junge Urgestein der Tanzgarde, aber meistens ende die Tanzbereitschaft leider in der Pubertät. Äußerliche Umstände spielten da leider teilweise eine entscheidende Rolle, aber in der Stadtgarde schreibe man Zusammenarbeit und besonders Zusammenhalt groß. Stolz zählt die Trainerin die erfolge ihrer Schützlinge auf. Nicht nur als Gruppe, sondern auch im Bereich Solotänze nehme die Jülicher Stadtgarde bis heute erfolgreich an NRW-Meisterschaften teil und gewann bis zuletzt in verschiedenen Kategorien die deutsche Meisterschaft.

Auch in der Pandemie wurde weitergetanzt, nur halt per Videoanruf. Es sei für alle Beteiligten natürlich frustrierend gewesen, das gelernte nicht präsentieren zu können, so die Trainerin, aber man habe die Tänze an die Möglichkeiten angepasst und den Betrieb zumindest aufrechterhalten können. Für zwei lange Sessionen habe sie dafür aber gelernt, was Freizeit sei. Trotzdem geht es weiter und die City Kids und City Girls wollen trainiert werden. In dieser Session gebe es nach vierjähriger Vakanz beim Festausschuss Jülicher Kengerzoch noch einmal ein Prinzenpaar. Das stellt passend zum Jubiläum die Stadtgarde mit Prinzessin Anastasia, Prinz Philipp und den Pagen – Felix und Ben Schröder (fun fact: Enkel des Vorsitzenden). Sie werden, erzählt der Vorsitzende, am Tulpensonntag den Jülichern von dem Wagen der Stadtgarde aus Kammelle zuwerfen. So ganz spurlos sind 4 x 11 Jahre Karneval dann doch nicht an dem Tanzsportverein vorbeigegangen.

Eine Jubiläumsfeier habe man nicht geplant, erklärt Michael Schröder, Geschäftsführer der Stadtgarde. Man habe zwar die Pandemie sehr gut und Dank des Distanz-Trainings sogar mit einem Mitgliederzuwachs überstanden. Doch sei so eine Veranstaltung eben sehr kostspielig und da man sich weigere, die Jahresbeiträge zu erhöhen, konzentriere man sich lieber auf den Sport. Am 25. April sei das nächste Turnier geplant, dass die Funktion einer „Jubiläumsfeier“ so in etwa erfülle, auch wenn man sich hauptsächlich auf die Qualifikation für die nächste deutsche Meisterschaft konzentriere.


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