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Das Thema Demenz bewegt

Die Jülicher Gesundheitsstunde zum Thema Demenz fand große Resonanz.

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Dr. Christian Isensee sprach in der Jülicher Gesundheitsstunde über die medizinischen, gesellschaftlichen und menschlichen Aspekte der Demenz. Foto: Christoph Lammertz / ZieL.media
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1,8 Millionen Menschen leiden in Deutschland unter Demenz. Und mit ihnen viele Millionen Partner, Kinder und andere Bezugspersonen. Demenz ist nicht nur eine Krankheit, sondern eine der großen Herausforderungen unserer Gesellschaft. Wie sehr das Thema die Menschen bewegt, zeigte sich auch in der jüngsten Jülicher Gesundheitsstunde. „Demenz verstehen“ war der Titel des Patientenforums von Jülicher Krankenhaus und AOK, das den Veranstaltungsraum bis zum letzten Platz und darüber hinaus füllte.

Dr. Christian Isensee, Chefarzt der Geriatrie und interdisziplinären Altersmedizin im Krankenhaus Jülich, gelang es in seinem Vortrag, die medizinischen, die gesellschaftlichen und vor allem die menschlichen Aspekte dieser Erkrankung zu berücksichtigen und sehr gut verständlich darzulegen.

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Was ist überhaupt Demenz? „Es ist eine Störung vieler höherer Gehirnfunktionen – einschließlich Gedächtnis, Denken, Orientierung, Auffassung, Rechnen, Lernfähigkeit, Sprache, Sprechen und Urteilsvermögen, aber auch von Affekt, Antrieb und Sozialverhalten”, zitierte Dr. Isensee die medizinische Definition. Der Geriater ging kurz auf die unterschiedlichen Formen der Demenz ein, zu denen Alzheimer-Demenz, vaskuläre Demenz, frontotemporale Demenz und weitere gehören. Er benannte die Ablagerung von Amyloiden Plaques und Tau-Fibrillen im Gehirn als Schlüsselfaktoren, sprach über diagnostische Optionen durch Untersuchung des Liquors genannten Nervenwassers, um gleich wieder „fassbarer“ zu werden.

Denn interessanter und wichtiger für die Besucherinnen und Besucher war die Frage danach, wie sich der Beginn der Krankheit erkennen lässt. „Bei Patienten, die an der Alzheimer-Demenz leiden, ist die Gedächtnisstörung führend, oft haben sie aber auch bereits schwere visuell-räumliche Probleme“, erklärte Dr. Isensee. „Sie selbst haben bei schon erheblichen Defiziten ein geringes Störungsbewusstsein und werden fast immer von Angehörigen zum Arzt gebracht, die merken, dass etwas nicht stimmt. Typisch ist eine zunehmende freundlich-ratlose Hilfslosigkeit. Sie antworten schnell und falsch auf konkrete Fragen oder wenden sich ratlos an die Begleitung“, berichtete er von seinen langjährigen Erfahrungen in der Demenz-Diagnose.

Wie sich der Verlauf der Krankheit über die Zeit auf den Patienten auswirkt, demonstrierte der Geriater sehr anschaulich und eindrücklich anhand von Bildern des erfolgreichen deutschen Werbegrafikers Carolus Horn. Zu dessen Lieblingsmotiven gehörte die Rialto-Brücke in Venedig, die er auch während seiner Alzheimer-Erkrankung weiter malte. Daran lässt sich der Verlauf fast wie in einer medizinischen Fallstudie nachvollziehen: Aus detailgetreuen, perspektivisch korrekten und dreidimensionalen Zeichnungen geht mit der Zeit die räumliche Tiefe verloren, die Architektur wird flacher, die Farben verändern sich. Im Spätstadium lösen sich die Motive dann in einfache geometrische Formen und Ornamente auf.

Gibt es Möglichkeiten der Therapie? Und kann ich etwas dafür tun, das Risiko einer Erkrankung zu senken? Diese Fragen beschäftigen wohl jeden, der sich mit dem Thema Demenz auseinandersetzt. Dr. Isensee berichtete über medikamentöse Optionen, die etwa Donepezil oder Leqembi beinhalten, die zu einer Verlangsamung der Krankheitsentwicklung führen können. Darum gehe es auch beim kognitiven Training, bei Biographiearbeit, Realitätsorientierung, Musik- oder Kunsttherapie: „Es gibt viele wertvolle Therapiemöglichkeiten, die uns Zeit verschaffen. Aber heilen können wir die Krankheit auch damit leider nicht.“

Und wie können wir vorbeugen? Wie bei so vielen Erkrankungen steht auch hier die regelmäßige Bewegung und gesunde Ernährung weit oben. „Das Risiko, an Alzheimer zu erkranken, lässt sich damit um über 25 Prozent senken“, berichtete der Chefarzt und ergänzte: „Schlafen Sie ausreichend, rauchen Sie nicht, trinken Sie am Abend, wenn überhaupt, nur ein Glas Rotwein, pflegen Sie soziale und familiäre Kontakte und betätigen Sie sich rege geistig!“ Einen Geheimtipp hatte er dann vor der lebhaften Fragerunde auch noch. Laut einer britischen Studie gehört Tanzen zu den Aktivitäten, die das Risiko einer Demenzerkrankung am stärksten reduzieren können. „Also“, riet Dr. Isensee: „Belegen Sie unbedingt einen Tango-Kurs!“


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