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Mit Jörch zweimal op dem Maat

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Viele Jülicherinnen und Jülicher kommen am Veilchendienstag, um das große Aufwerfen auf dem Marktplatz mitzuerleben. Foto: Dorothée Schenk
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Eine Tradition, die zur Jülicher DNA gehört, nannte Bürgermeister Axel Fuchs bei der traditionellen Schlüsselübergabe an den Lazarus-Präsidenten David Ningelgen das Brauchtum der historischen Gesellschaft. Seit 326 Jahren wird es in der Stadt gepflegt und ist damit sicher auch ein Alleinstellungsmerkmal.

22 Stationen und acht Kilometer Fußweg später fiel der Lazarus Jörch in sein feuchtes Grab an der Rur.

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Dazwischen liegen viele Tanzrunden mit reichlich „Kleinen“, „Ganzen“ und „Bewegung“, wie die Kommandos der neuen Besengruppenführer Frank Ritzal und Marcel Berwix-Maas lauten. Und natürlich die Reimchen von Willi Romes. Sie sind das Salz in der Suppe des Lazarus-Brauchtums, weil sie auf die Spitze treiben, was das Leben in der Stadt ausmacht – mal charmant, mal frech pointiert.

Angefangen beim kritisierten „Wegezoll“ des Kreises Düren oder geschlossene Sparkassen-Filiale und „Jülicher Kneipen, die moss me he söke“, über den Dank für Speis und Trank etwa bei der Metzgerei im Nordviertel, Ehrenkappenträgern, die Versicherung von Unterstützung beim Krankenhaus „halde me üch die Stange“ und der Polizei, weil sie „och wischtisch – für jede Jeck“ sind, und den Kulturbahnhot, den „als Strühmann es der KuBa Jold wert“.

Ganz besonders sind stets drei Stationen: Das Abholen das Pattühm, der dann erstmals mit ans Tuch tritt, um „dä Mann ze precke“. Das hat Jörg Bücher großartig bewältigt und wurde gepriesen als „ene echte Muttkrat met e Hätz für Jecke“, den man in einem Atemzug mit dem karnevalistischen Urgestein Matthias Hellmann nennen würde. Das große Aufwerfen auf dem Markt ist immer ein großer Anziehungspunkt, bei dem die Gäste anschließend schunkelnd gemeinsam ihre Hymne von Edmund Giesen „Jülich an de Rur“ singen. Ein zweites Mal verliert der Bürgermeister dann den Stadtschlüssel – donnerstags an die närrischen Majestäten und dienstags dann an den Lazarus.

Und natürlich die gemeinsame „Beerdigung“ an der Rur, wenn Lazarus Tod besungen, er ein letztes Mal (dann schon entkleidet) jepreck wed und der Leichenschmaus alljährlich mit einem Augenschmaus gefeiert wird: Die Historische Gesellschaft lässt es zum Finale der Karnevalstage im wahrsten Sinne krachen – bei einem großartigen Feuerwerk. Um es mit den Worten der Lazarus-Brüder zu sagen: „Wir könnte kriesche wie all die Johre, doch nächs Johr witte widder jeboore“.

Fotos: Volker Goebels

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