
Es war ein Abend voller Aha-Momente, medizinischer Expertise und einer guten Portion Humor: Unter dem motivierenden Titel „Bitte bewegen! Der Einfluss von Sport und gesunder Ernährung auf unseren Körper“ hatten das Krankenhaus Jülich und die AOK zur Gesundheitsstunde eingeladen. Dass Gesundheit und Prävention den Nerv der Zeit treffen, zeigte die lebhafte Atmosphäre im Saal. Dr. Michael Lörken, Chefarzt der Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie, Orthopädie und Unfallchirurgie, und Uwe Domogalski, Leitender Oberarzt der Inneren Medizin und Gastroenterologie, räumten mit verstaubten Mythen auf, übersetzten komplexes Wissen in verständliche Alltagstipps und lieferten ein klares Plädoyer: Die beste Medizin für ein langes Leben ist kostenlos, hat keine Nebenwirkungen – und es ist nie zu spät, um mit ihr anzufangen.
Den Auftakt machte Dr. Michael Lörken, der eindrucksvoll aufzeigte, wie Bewegung als natürliches „Anti-Aging-Instrument“ auf nahezu jedes Organ wirkt. Besonders das Herz profitiert, erklärte der Sportmediziner: „Ein trainiertes Herz arbeitet deutlich effizienter. Weil es pro Schlag mehr Blut pumpt, muss es weniger oft schlagen, um den Körper optimal zu versorgen. Wer seinen Ruhepuls durch Sport um nur zehn Schläge pro Minute senkt, spart seinem Herzen über fünf Millionen Herzschläge im Jahr – eine lebensverlängernde Entlastung.“
Auch dem biologischen Muskelabbau, der bereits ab dem 30. Lebensjahr einsetzt und sich ab 60 rasant beschleunigt, könne man gezielt entgegenwirken, betonte Dr. Lörken. Muskeln seien wie ein „Protektor“ für die Gelenke und der beste Schutz vor Stürzen und dem Verlust der Selbstständigkeit im Alter. Dr. Lörken empfiehlt das offizielle WHO-Pensum: 150 Minuten moderate Bewegung pro Woche (wie zügiges Gehen, Nordic Walking oder Tanzen) kombiniert mit zweimal Kraft- und dreimal Koordinationstraining.
Den Ball nahm Uwe Domogalski auf und schlug die Brücke von der Bewegung direkt auf den Teller. „Ernährung und Bewegung sind zwei Seiten derselben Medaille. Sie müssen im Gleichgewicht stehen“, sagte der Gastroenterologe. Wer sich zu wenig bewegt und zu viel verarbeitete Lebensmittel konsumiert, riskiert das „metabolische Syndrom“ – eine gefährliche Kombination aus Übergewicht, Bluthochdruck und Diabe-tes. Im Alter verändere sich der Bedarf drastisch: Während der Körper weniger Energie (Kalorien) benötigt, bleibt der Bedarf an Vitaminen und Mineralstoffen gleich hoch. Die sogenannte „Nährstoffdichte“ beim Es-sen muss also steigen. Domogalski brach eine Lanze für die Ernährungspyramide der Deutschen Gesell-schaft für Ernährung (DGE): reichlich Wasser, fünf Portionen Gemüse und Obst am Tag, echte Vollkornprodukte und pflanzliche Eiweiße wie Hülsenfrüchte sollten die Basis bilden. Fleisch, Zucker und Alkohol sollten hingegen eine Ausnahme auf dem Speiseplan sein.
Einig waren sich beide Referenten in einem entscheidenden Punkt: Sport und Essen erfüllen auch einen wichtigen sozialen Zweck. Wer in der Gemeinschaft aktiv ist oder gemeinsam kocht, baut effektiv Stress ab und schützt sich vor Einsamkeit und Depressionen.
Wie nah die Experten am echten Leben der Menschen argumentierten, zeigte sich am Ende der Veranstaltung bei der offenen Fragerunde. Ein Gast schilderte unter dem Gelächter des Saals das typische Alltagsproblem: Was tun, wenn einen um 22.30 Uhr der Heißhunger an den Kühlschrank treibt und das Stück Gouda so verlockend ruft? Die Mediziner reagierten mit einem Schmunzeln und entließen die Besucher mit einer beruhigenden Prise Gelassenheit in den Abend: „Es gibt keine Perfektion. Das Wichtigste ist, einfach dranzubleiben und Schritt für Schritt kleine, gesunde Gewohnheiten in den Alltag einzubauen.“


















