„Wenn es doch diese Möglichkeiten gibt, sollte man sich derer auch bedienen“, ist Mark Flatten überzeugt. Der Landwirt spricht von Drohnen, ausgestattet mit Wärmebildkameras, mit deren Hilfe Rehkitze aufgespürt werden können. Rehkitze, kaum größer als eine Katze, werden von ihren Müttern bevorzugt im hohen Gras abgelegt und vermeintlich sicher versteckt. Zu erkennen sind die niedlichen Tierchen, die sich obendrein bei Gefahr auch noch ganz fest an den Boden pressen und mucksmäuschenstill verharren, mit bloßem Auge nicht.
Und genau hier liegt das Problem: Steht die Heumahd an und die großen Mähmaschinen rollen an, bedeutete das lange den sicheren Tod für die Kitze. Und „Das“, macht der Landwirt unmissverständlich klar, „will natürlich niemand.“ Also rückt beim ersten Morgengrauen ein Drohnenpilot an und sucht mit technischem Scharfblick nach versteckten Rehbabys in der Wiese. Bei einer zehn Hektar großen Fläche dauert so ein Drohnenflug rund eine halbe Stunde, schätzt Flatten. Wird kein Tier entdeckt, fällt der Startschuss für die Mahd und der Landwirt „sitzt mit ruhigerem Gewissen auf dem Trecker“, beschreibt er die Erleichterung, die mit dem Drohneneinsatz einhergeht.
Wird ein Kitz entdeckt, wird das Tierchen vorsichtig mit behandschuhten Händen – um ja keinen menschlichen Geruchs“abdruck“ zu hinterlassen – in einen mit Gras gepolsterten Karton verfrachtet. Solange die Maschinen im Einsatz sind, bleibt das Kitz dort. Kaum darf es den schützenden Karton verlassen, ruft es nach seiner Mutter, die zuverlässig ihr Kitz abholen kommt. „Schaut man während der Folgearbeiten auf der Fläche nach, sind die Kitze alle verschwunden“, weiß der Landwirt aus Erfahrung. Je nachdem, wie lange so ein Rettungseinsatz dauert, ziehen sich die Mäharbeiten natürlich in die Länge. Für Flatten gut investierte Zeit, die auch zu einem gelingenden Miteinander von Landwirten und Jägern beiträgt. Genau jenes Miteinander sei aber auch Voraussetzung, um überhaupt gemeinsam Kitze retten zu können. Zum einen bräuchte es die Fachleute mit der Drohne, zum anderen ist das Zeitfenster kurz. Bei „bestem Heuwetter“ heißt es also: schnell handeln, einen Termin finden und morgens früh an der Wiese treffen. Früh muss es sein, weil sich die Landschaft im Tagesverlauf schlicht zu sehr aufheizt und die Wärmebildkamera dann keinen Unterschied mehr zwischen verstecktem Rehkitz und Gras mehr ausmachen kann. Da helfen gegenseitiges Verständnis und eine gute Absprache.
Rund 100 Hektar Fläche in verschiedenen Ortschaften sind jetzt gemäht, für dieses Jahr sind die Drohneneinsätze vorbei. Dabei hat das Team von Mark Flatten mit unterschiedlichen Jagdpächtern zusammengearbeitet. Die Barmener Jägerschaft ist ebenso wie der Kollege aus Schophoven im Besitz einer eigenen Drohne, im weiteren Indener Raum gibt es ein eigenes Drohnenteam – lauter ehrenamtlich engagierte Menschen, betont Flatten, die sich gemeinsam der Rettung der Kitze verschrieben haben. Dann berichtet der Landwirt noch von einem weiteren Aspekt, der für jeden Viehhalter, der sein Futter selbst gewinnt, selbstredend von Bedeutung sei: Einmal abgesehen davon, dass niemand ein Reh schwer oder tödlich verletzen wolle, sei ein Kadaver im Futter zudem eine große Gefahr für die Kühe. Der sogenannte Botulismus, eine lebensgefährliche Vergiftung, wird durch Bakterien in verdorbenem Fleisch und Tierkadavern hervorgerufen und kann schlimmstenfalls zum Verenden erkrankter Milchkühe führen. Gleich zwei gute Gründe also, um auf den Einsatz moderner Technik im Morgengrauen zu setzen – nächstes Jahr wird auf den Flatten’schen Wiesen wieder nach Rehkitzen gesucht werden.





























