Start Magazin Musik Lost in Music: Nile Rodgers & Chic brachten den Groove nach Bonn

Lost in Music: Nile Rodgers & Chic brachten den Groove nach Bonn

Es gibt Musiker, die selbst im Rampenlicht stehen. Und es gibt diejenigen, die den Soundtrack mehrerer Generationen geprägt haben, ohne dass jeder ihren Namen kennt. Nile Rodgers gehört zweifellos zur zweiten Kategorie. Als Gründer von Chic, Produzent unzähliger Welthits und einer der einflussreichsten Musiker des 20. Jahrhunderts machte er mit seiner Band am KUNST!RASEN Bonn Station – und lieferte eine musikalische Zeitreise ab, die eindrucksvoll zeigte, warum sein Einfluss bis heute ungebrochen ist.

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Foto: Oliver Garitz
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Bereits in den 1970er-Jahren legte Rodgers mit Chic den Grundstein für eine der erfolgreichsten Karrieren der Popmusik. Klassiker wie „Everybody Dance“, „Good Times“, „Le Freak“ oder „I Want Your Love“ machten die Band zu Ikonen der Disco-Ära. Doch damit begann seine Geschichte eigentlich erst. Schon bald wurde Rodgers zu einem der gefragtesten Produzenten der Musikgeschichte und arbeitete mit Künstlern, die unterschiedlicher kaum sein könnten.

Bevor Nile Rodgers & Chic schließlich die Bühne betraten, sorgten bereits zwei Vorbands für beste Stimmung auf dem KUNST!RASEN-Gelände. Den Auftakt machte die Bonner Funk-Bigband Boogie Wonderstars, die mit bekannten Funk- und Disco-Klassikern das Publikum früh auf Betriebstemperatur brachte. Anschließend übernahm Kid Creole & The Coconuts. Mit seiner markanten Stimme und einem energiegeladenen Mix aus Swing, Latin, karibischen Rhythmen, Soul und Disco heizte Kid Creole den Besuchern weiter ein und erwies sich als idealer Anheizer für den Hauptact des Abends.

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Der eigentliche Reiz des Abends lag jedoch darin, dass es weit mehr als eine Chic-Show war – vielmehr ein Rundumschlag durch das gesamte musikalische Schaffen von Nile Rodgers. Dabei wurde schnell klar: Es sind eigentlich keine Coverversionen, sondern Songs, an denen Rodgers maßgeblich beteiligt war – sei es als Songwriter, Produzent, Gitarrist oder weil sie auf einem Chic-Sample basieren. Natürlich durften die Madonna-Klassiker nicht fehlen. Rodgers produzierte das legendäre Album Like a Virgin, weshalb neben dem Titelsong auch „Material Girl“ und „Dress You Up“ ihren Platz in der Setlist fanden. Ebenso eindrucksvoll war der Block mit Songs von David Bowie. Rodgers produzierte dessen Erfolgsalbum Let’s Dance, weshalb „Let’s Dance“, „Modern Love“ und „China Girl“ selbstverständlich nicht fehlen durften. Gerade „China Girl“ entwickelte sich zu einem der emotionalsten Momente des Abends. Während Rodgers den markanten Gitarrenpart spielte, erinnerte dieser unweigerlich an den 1990 verstorben Stevie Ray Vaughan, der das ikonische Solo auf der Studioaufnahme eingespielt hatte. Es war einer dieser Augenblicke, in denen die Show nicht nur eine Hommage an Rodgers selbst war, sondern an die Musik und ihre großen Persönlichkeiten insgesamt. Passend dazu erschien nach „Let’s Dance“ ein riesiger roter Blitz auf den Videoleinwänden – eine offensichtliche Hommage an David Bowie.

Überhaupt lebt ein Nile-Rodgers-Konzert von solchen Momenten. Rodgers, mittlerweile 73 Jahre alt, präsentiert sich dabei nie als unnahbarer Superstar. Vielmehr wirkt er wie jemand, der einfach glücklich darüber ist, sein Leben der Musik widmen zu dürfen. Seine Dankbarkeit für seine Karriere und die Menschen, die ihn begleitet haben, ist jederzeit spürbar. Besonders bewegend wurde es bei „Thinking of You“ von Sister Sledge, einer Gruppe, mit der Rodgers Ende der 1970er-Jahre eng zusammenarbeitete und deren Erfolgsalbum „We Are Family“ er produzierte. Bevor der Song begann, sprach Rodgers über seinen langjährigen Weggefährten Bernard Edwards, den legendären Bassisten und Mitgründer von Chic, der 1996 überraschend verstarb. Während auf den Leinwänden Fotos der beiden aus gemeinsamen Zeiten eingeblendet wurden, erzählte Rodgers davon, wie sehr er Edwards bis heute vermisst. Es war ein stiller, persönlicher Moment inmitten eines ansonsten ausgelassenen Konzerts. Bernard Edwards gilt bis heute als einer der prägendsten Bassisten der Popgeschichte – sein unverwechselbarer Groove beeinflusst Generationen von Musikern noch immer.

Die enorme Bandbreite von Rodgers‘ Karriere zeigte sich im weiteren Verlauf eindrucksvoll. Auch Songs aus seiner Zusammenarbeit mit Diana Ross wie „Upside Down“ und „I’m Coming Out“ sorgten für Begeisterung. Gleichzeitig spannte die Setlist den Bogen bis in die Gegenwart. Mit „Get Lucky“ und „Lose Yourself to Dance“ von Daft Punk standen zwei moderne Klassiker auf dem Programm, bei denen Rodgers sowohl als Produzent als auch als Gitarrist entscheidend beteiligt war. Auch Beyoncés „Cuff It“, dessen markante Gitarrenarbeit ebenfalls von Rodgers stammt, durfte natürlich nicht fehlen.

Bemerkenswert ist dabei, wie viele Welthits letztlich auf Chic zurückgehen – selbst wenn der Name zunächst gar nicht auftaucht. Zahlreiche Songs leben von Samples seiner Musik. So basiert „Lady (Hear Me Tonight)“ von Modjo auf Chic’s „Soup for One“, das auch Teil der Setlist war. Ein weiteres bekanntes Beispiel ist „Crying at the Discoteque“ von Alcazar, das den Groove von „Spacer“ von Sheila & B. Devotion nutzt – einem Song, den Rodgers ebenfalls produzierte. Solche Verbindungen verdeutlichen eindrucksvoll, wie weit Rodgers‘ musikalischer Einfluss reicht.

Für viele jüngere Musikfans lässt sich Nile Rodgers vielleicht am ehesten mit Pharrell Williams vergleichen. Beide stehen nicht nur als Musiker auf der Bühne, sondern prägen als Produzenten und kreative Köpfe den Sound ganzer Generationen. Der Unterschied ist allerdings, dass Rodgers diese Rolle bereits seit einem halben Jahrhundert ausfüllt. Showtechnisch setzte das Konzert bewusst keine spektakulären Effekte. Große Pyrotechnik oder aufwendige Inszenierungen sucht man hier vergebens. Doch genau das braucht eine Show wie diese auch nicht. Die Musik steht im Mittelpunkt – und die spricht für sich. Kaum ein Künstler kann auf ein derart vielseitiges Werk zurückblicken, das Disco, Funk, Pop, Rock, R&B und sogar Hip-Hop miteinander verbindet.

Den krönenden Abschluss bildete selbstverständlich „Good Times“. Ein passenderes Finale hätte es kaum geben können. Der Chic-Klassiker ging schließlich in ein Medley über, in das auch „Rapper’s Delight“ eingebaut wurde – jener Hip-Hop-Meilenstein, dessen Basslinie direkt auf „Good Times“ basiert. Rodgers selbst übernahm dabei sogar den ersten Rap-Part und bewies einmal mehr, wie lebendig und zeitlos seine Musik geblieben ist.

Am Ende bleibt die Erkenntnis: Kaum ein anderer Musiker hat die Popgeschichte so nachhaltig geprägt wie Nile Rodgers. Ob Funk, Disco, Pop, R&B oder Hip-Hop – irgendwo führt fast immer eine musikalische Verbindung zu ihm. Und genau deshalb ist ein Konzert von Nile Rodgers & Chic weit mehr als ein Nostalgieabend. Es ist eine Reise durch die Geschichte der modernen Popmusik – mit einem Mann, der sie entscheidend mitgeschrieben hat. Wer die Gelegenheit hat, Nile Rodgers einmal live zu erleben, sollte sie nutzen. Denn was Rodgers und seine Band auf die Bühne bringen, ist ein musikalisches Spektakel, das noch lange in Erinnerung bleibt.


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