Neu ist nicht immer besser – emotionaler Wert kann schwer ersetzt werden: Die meisten Kirchturmuhren besitzen mittlerweile automatische Uhrwerke. Die Uhr der Kirche Hl. Maurische Märtyrer (St. Mauri) in Bourheim hingegen führt eine alte Tradition fort. Sie wird auch heute noch von Hand aufgezogen.
Fast hätte auch sie das Zeitliche gesegnet: Sie sollte, wie so viele andere vor ihr, ebenfalls durch eine automatische Uhr ersetzt werden. Zu ihrem Glück haben sich drei Freiwillige aus dem Förderverein der Kirche gefunden, die sich abwechseln und die Uhr, meist samstags oder sonntags, wöchentlich aufziehen.
Norbert Freudenberg, Architekt und ehemaliger Vorsitzender des Bourheimer Gemeindeausschusses, empfindet es als „Schande, so ein Werk stillzulegen, nur weil man zu faul ist, die Uhr aufzuziehen“. Zudem sei die alte Uhr ein Teil der Kirche und seiner Meinung nach auch viel interessanter als eine automatische Uhr. Er wirkt fest entschlossen, dieses „schöne Schmuckstück“ zu erhalten, weshalb er einer der drei Freiwilligen ist, die die Uhr mit vollem Körpereinsatz jede Woche aufs Neue aufziehen. Freudenberg sagt von sich, er habe Spaß an alten Schätzen und Mechanik – da ist er bei der Uhr der St. Mauri perfekt aufgehoben.
Offenbar lohnt sich der Aufwand, denn die Uhr fungiert nicht nur als historische Deko, sondern spielt auch heute noch eine aktive Rolle im Alltag: Die Bewohner Bourheims schauen anscheinend nicht nur nach unten auf ihr Handy, um die Uhrzeit zu erfahren, sondern auch nach oben zur Kirchturmuhr der St. Mauri, denn ihnen fällt auf, wenn etwas mit der Uhr nicht stimmt. Freudenberg schildert, dass sie hin und wieder darauf hingewiesen würden, wenn die Uhr beispielsweise die falsche Uhrzeit anzeige. Das macht deutlich, dass die Uhr nicht nur den drei Freiwilligen am Herzen liegt, sondern auch den Bourheimern.
Norbert Freudenberg denkt, dass es ein schönes Zeichen sei, dass sie es bisher zusammen als Gemeinde schaffen, die Uhr, wie sie sie kennen, am Leben zu erhalten. Er hofft, dass sich auch in Zukunft weitere Uhrliebhaber und Uhrliebhaberinnen finden, die sich dazu bereit erklären, die Uhr aufzuziehen, damit sie noch viele weitere schöne Stunden erleben kann.

Die linke Seite des Uhrwerks ist mit der Glocke im Kirchturm verbunden und für den Glockenschlag verantwortlich. Durch das Drehen des vorderen Zahnrads wird der Hebel darüber aktiviert, wodurch der Glockenschlag zu jeder halben und ganzen Stunde ausgelöst wird. Das Räderwerk auf der rechten Seite übersetzt die Zeit und steuert die Uhr an der Außenseite des Kirchturms.
Das Pendel im Hintergrund bestimmt durch sein Hin- und Herschwingen die Geschwindigkeit und gibt den Takt vor. Ein längeres Pendel führt dazu, dass die Uhr langsamer läuft, ein kürzeres führt dazu, dass sie schneller läuft. Geht die Uhr also nach, wird das Pendel durch eine Schraube an seiner Spitze verkürzt; geht sie vor, wird es verlängert.
Um das Uhrwerk aufzuziehen, müssen zwei Spulen, auf denen Drahtseile aufgewickelt sind, gedreht werden. An den Drahtseilen sind Gewichte befestigt. Um die Spulen zu rotieren, wird eine Kurbel auf die Eisenstifte der Spulen gesteckt, an der gedreht werden kann. Das Drehen der Spulen führt dazu, dass die Gewichte in die Höhe gezogen werden. Hört man auf zu kurbeln, fahren die Gewichte langsam wieder herunter, was das Uhrwerk in Gang setzt.





















