
Anne Gatzen: Danke, liebe Anwesende, liebe Freunde von SAMT e.V. „Tue den Mund auf für die Stummen und führe die Sache derer, die verlassen sind.“ Ja, dieser Satz stammt aus der Bibel (Sprüche 31,8) und erinnert uns daran, was Gerechtigkeit, Zivilcourage und Verantwortung wirklich bedeuten. Oft wird er Franz von Assisi zugesprochen – seit Gründung ist er das Leitmotiv von SAMT e.V. geworden.
Kerstin Martensen: Manchmal beginnt etwas Großes mit einer kleinen Geschichte. Vor 20 Jahren gab es in einer Jülicher Nachbarschaft einen unkastrierten Kater. Sein Besitzer konnte sich den notwendigen tierärztlichen Eingriff nicht leisten. Kurz darauf zeigte sich bei dessen Bruder das gleiche Problem.
Zwei Menschen wollten dann helfen.
Anne Gatzen: Zwei SPD-Frauen haben damals die Köpfe zusammengesteckt und überlegt, wie man ehrenamtlich ein solides Fundament für eine entsprechende Hilfe bauen kann. So entstand der Gedanke: Hilfe für Menschen und ihre Tiere – gemeinsam, ehrenamtlich, nachhaltig. Das solide Fundament sollten ein Verein sein und viele tatkräftige Unterstützer. In diesem Verein sollte sich soziales Engagement für Mensch und Tier in jeglicher Form wiederfinden.
Kerstin Martensen: Im Jahr 2006 wurde SAMT e.V. – Soziale Arbeit für Mensch und Tier – von sieben Menschen gegründet. Sieben Menschen mit einer Idee, mit Herz und mit dem festen Willen, etwas zu verändern. Heute, 20 Jahre später, kann man mit Fug und Recht sagen: Aus dieser kleinen Idee ist etwas ganz Großes geworden.
Anne Gatzen: Zur Zeit hat SAMT e.V. 220 Mitglieder und unterstützt Menschen und Tiere aus Jülich, Linnich, Inden, Aldenhoven, Niederzier und Titz. SAMT e.V. wird getragen durch ein unglaublich hohes Engagement der aktiven Mitglieder, Pflegestellen und dem Vorstand.
Kerstin Martensen: Was SAMT so besonders macht, ist der ganzheitliche Blick auf Mensch und Tier. Denn ein Tier ist für viele Menschen nicht einfach ein Haustier. Es ist Familienmitglied, Freund, Seelentröster und manchmal der wichtigste Begleiter im Leben.
Wenn Menschen in schwierige Situationen geraten, trifft das deshalb häufig auch ihre Tiere. SAMT schaut hin. SAMT hilft. Und SAMT findet Lösungen. Hilfe, die ankommt. Ein besonders schönes Beispiel dafür ist die medizinische Versorgung der Tiere bedürftiger Tierhalter.
Anne Gatzen: Im letzten Jahr betrug der Kostenaufwand für den Verein über 70.000 Euro. Dies, meine Damen und Herren, ist ein unglaublich hoher Kostenpunkt für einen ehrenamtlichen Verein, der sich über Mitgliedsbeiträge, Patenschaften, Sach- und Geldspenden, Aktionen und Schutzgebühren finanzieren muss.
Wie schaffen sie das? Jährlich werden Infostände mit Tombola, Haussammlungen und Weihnachtsstände organisiert. Ich möchte sagen – hier ist viel Herzblut im Spiel. Wenn ich mich für etwas leidenschaftlich einsetze, dann „brenne“ ich für die Sache.
Sie ist mein Herzblut, früher auch „feu sacre“ genannt. Das ist Engagement mit purem Herzblut. Und das erklärt für mich den vielfältigen Einsatz der Mitglieder von SAMT, die für ihr Engagement für die soziale Arbeit für Mensch und Tier förmlich „brennen“.
Kerstin Martensen: Ein wichtiges Standbein von SAMT ist auch das Kastrationsprojekt. Der Verein beteiligt sich regelmäßig an den kreisweiten Aktionen zur Kastrations- und Kennzeichnungspflicht und unterstützt darüber hinaus einkommensschwache Tierhalter finanziell bei notwendigen Eingriffen.
Damit leistet SAMT einen wichtigen Beitrag zum Tierschutz – und verhindert gleichzeitig, dass ungewollte Tierpopulationen entstehen und Tiere später unter schlechten Bedingungen leben müssen.
Auch hier zeigt sich die besondere Philosophie von SAMT: Nicht erst handeln, wenn das Problem da ist – sondern Verantwortung übernehmen, bevor Leid entsteht. Die Veggiegruppe setzt sich für Ökologie, Tierschutz, Nachhaltigkeit und Klimaschutz ein. Sie macht deutlich, dass Tierschutz nicht isoliert betrachtet werden kann, sondern mit vielen anderen Fragen unserer Zukunft verbunden ist.
Damit zeigt SAMT auch gesellschaftspolitischen Weitblick.
Anne Gatzen: Was macht SAMT so besonders? Ehrlich gesagt: Die Mischung macht’s. Da trifft man Menschen, die Ideen haben, und Menschen, die sie umsetzen können. Da gibt’s Pragmatismus statt Perfektionismus, Support statt Konkurrenzkampf, Schnelligkeit statt Bürokratie.
Und immer wieder diese Bereitschaft, Neues zu wagen: neue Formate, neue Kooperationen, neue Wege, um Tieren und Menschen in Not zu helfen. Man spürt, wie soziale Verantwortung hier nicht nur ein Wort ist, sondern ein Alltagssatz.
Kerstin Martensen: Zum Alltag gehören auch Projekte wie Haustierhilfe für Senioren und die Futterausgabe an bedürftige Tierhalter zweimal im Jahr. Die Pflegestellen kümmern sich um Tiere, die abgegeben oder aufgefunden werden, misshandelte Tiere, beschlagnahmte Tiere oder um Tiere, um die sich erst mal keiner kümmern kann.
Sprich – alle Tiere in Not finden Unterstützung und ein vorübergehendes Zuhause. Und diese Tiere werden in ein neues Zuhause vermittelt; ebenfalls mit entsprechender Beratung und Überprüfung.
SAMT unterstützt mit einer Beratung auch die Tierhalter – bei Sorgen, Fragen und rund um die richtige Haltung von Haustieren. Bei den großen Sorgen um vermisste Tiere unterstützt SAMT mit dem Projekt Zu- und Entlaufen.
Anne Gatzen: Bei SAMT zählt das Miteinander; hier zählt dranbleiben, auch wenn’s mal schwer wird.
Und schwer wird es auch immer sein – die vielen wiederkehrenden Belastungen, die mit der Tierschutzarbeit verbunden sind. Die finanziellen Sorgen und die Frage, ob notwendige tierärztliche Behandlungen jederzeit finanziert werden können. Diese Situationen führen nicht selten zu schlaflosen Nächten und einer dauerhaften mentalen Belastung.
Die Verantwortung für die Tiere endet nicht mit der Vermittlung oder der medizinischen Versorgung, sondern begleitet die Helfenden häufig auch darüber hinaus. Eure Vorsitzende, Irene, kann stolz auf 20 Jahre Vorsitz im Verein zurückblicken.
Kerstin Martensen: Eine Frau, die vor 20 Jahren diese Idee hatte und den Mut besaß, aus einem kleinen Problem eine große Aufgabe zu machen. Irene, die seit zwei Jahrzehnten mit Liebe, Ausdauer, Energie und – wenn es notwendig war – auch mit dem entsprechenden Nachdruck für ihre Überzeugungen einsteht.
Sie hat SAMT geprägt, getragen und immer wieder vorangebracht.
Anne Gatzen: Man kann es nicht oft genug wiederholen: Hinter dem Erfolg des Vereins stehen keine großen Konzerne, sondern Menschen. Es sind die vielen Ehrenamtlichen, Pflegestellen und Vorstandsmitglieder. Sie opfern ihre Freizeit, ihre Wochenenden und oft auch ihre Nerven. Sie fangen auf, was unsere Gesellschaft an Verantwortung oft zu leichtfertig abgibt.
SAMT kann stolz auf das Geleistete sein und auch mutig nach vorne schauen. Die vielen engagierten Mitglieder haben einfach die Bereitschaft, gemeinsam mehr zu bewegen. Und es gibt eine greifbare Wirkung: Menschen und Tiere profitieren von Beratung, Selbsthilfe, Hilfen vor Ort.
Das ist die Kernbotschaft, die den Verein ausmacht: Hilfe dort, wo Not ist, mit Würde und mit Respekt vor allen Beteiligten. Heute ehrt der SPD-Ortsverein den Verein SAMT mit der Jülicher Klippe. Eine Notwährung aus Silber.
Als Symbol, dass euer Engagement eine stabile Währung ist, die Not wenden kann. Mit der Klippe wird Euer Engagement für Menschen und Tiere mit Herz und Verantwortung ausgezeichnet. Damit wird zwei Jahrzehnte höchste engagierte Vereinsarbeit ausgezeichnet.
Liebe Irene, lieber Vorstand, liebe Mitglieder: Euch allen gilt unser aufrichtiger Dank. Denn ohne dieses ehrenamtliche Engagement, ohne dieses tägliche Anpacken und ohne diese große Verbundenheit mit den Tieren wäre die Arbeit von SAMT nicht möglich.
Unser Dank gilt aber auch den vielen Menschen und Institutionen, die SAMT seit Jahren treu zur Seite stehen: der Inneken-Prüß-Stiftung, der Lamers-Stiftung, der Firma ETC und all den weiteren Sponsorinnen und Sponsoren, die helfen, diese wichtige Arbeit möglich zu machen. Und wie heißt es so schön: „Tue Gutes und rede darüber.“
Deshalb möchten wir heute auch der Presse Danke sagen – insbesondere dem HERZOG, dem Super Sonntag und der Jülicher Zeitung. Sie berichten regelmäßig über die Arbeit von SAMT, geben den Tieren und ihren Geschichten Öffentlichkeit und tragen damit dazu bei, dass ihre Not gesehen wird und Hilfe ankommen kann.
Kerstin Martensen: Ein ganz besonderer Dank gilt darüber hinaus den vielen tierlieben Jülicherinnen und Jülichern, die SAMT mit ihren Spenden immer wieder unterstützen. Jede einzelne Spende hilft. Und manchmal entscheidet genau diese Hilfe darüber, ob ein Tier behandelt, versorgt, gerettet oder in ein neues Zuhause vermittelt werden kann.
Anne Gatzen: All diesen Menschen möchten wir heute sagen: Danke. Von Herzen. Sie tragen dazu bei, dass aus Not wieder Hoffnung wird. Dass aus Angst wieder Vertrauen entstehen kann. Und dass aus einem Tier, das vielleicht einen schweren Weg hinter sich hat, wieder ein glückliches Tierleben werden darf.
Dafür gebührt Ihnen unser aufrichtiger Dank und unsere große Wertschätzung.
Denn Sie tun etwas ganz Besonderes: Sie geben den Tieren eine Stimme, die selbst keine haben. Und damit schließt sich der Kreis zu den Worten aus dem Leitmotiv: „Tue deinen Mund auf für die Stummen und führe die Sache derer, die verlassen sind.“
Liebe Irene, lieber Vorstand, liebe Mitglieder von SAMT, heute dürfen wir sagen: Ihr habt euch die Jülicher Klippe mehr als verdient! Diese Jülicher Klippe ist deshalb nicht nur eine Auszeichnung. Sie ist ein Zeichen unserer Anerkennung, unserer Wertschätzung und unseres tiefen Dankes.
Kerstin Martensen: SAMT ist heute nicht nur ein Tierschutzverein.
SAMT ist soziales Engagement, gelebte Verantwortung und praktischer Tierschutz.
SAMT steht für eine Stadtgesellschaft, in der Menschen nicht allein gelassen werden – und Tiere ebenfalls nicht.
Anne Gatzen und Kerstin Martensen: SAMT ist ein Stück Jülich.
Zur Preisverleihung




















