
Im Lich-Steinstraßer Andreashaus herrschte Partystimmung. Das Buffet war aufgebaut und duftete verlockend. Auch an der Theke war schon einiges los an diesem Freitagnachmittag.
Kein Wunder, hatte der Ort doch allen Grund zu feiern. In dem rund 1200 Einwohner zählenden Dorf sind zwei AEDs, automatisierte externe Defibrillatoren, installiert worden. Kostenpunkt je Stück rund 2500 Euro.
Hinzu kamen noch die Installationskosten. Diese übernahm die Stadt. Auch um die künftige Wartung wird sich die Stadtverwaltung kümmern. Finanziert wurden die Geräte aus Spenden, allesamt aufgebracht von Einwohnern, Geschäftsleuten, den Stadtverordneten und Vereinen aus Lich-Steinstraß.
„Hier sieht man, was Dorf bedeutet“, fasste es Bürgermeister Axel Fuchs folglich so treffend wie lobend zusammen. Auf Anregung von Elmar Schumacher, der nach einer wenig schönen persönlichen Erfahrung genau wusste, wie sinnvoll und hilfreich ein AED sein kann, machte Willibald Pahsen mobil. „Ich habe Willibald angesprochen, und dann hat es keine Woche gedauert“, berichtete ein sichtlich gerührter Elmar Schumacher.
Doch von vorn: Nachdem Schumacher ihn darauf brachte, fackelte Pahsen nicht lange, nahm das Thema mit an den Runden Tisch der Ortsvereine und kontaktierte zügig auch Richard Schumacher.
„Das war für mich die Initialzündung“, berichtete der Dezernent. Er habe den Gedanken dann mit in die Ortsvorsteher-Runde genommen. Von dort sei das „eine richtige Welle“ geworden, begeisterte sich Schumacher.
„Elmar ist der wahre Grund dafür, dass das Projekt in Jülich Fahrt aufgenommen hat“, schickte auch er ein dickes Dankeschön in Richtung des Ideengebers. Inzwischen gebe es bereits in einigen anderen Ortsteilen ebenfalls AEDs.

Der Angesprochene verteilte seinerseits ebenfalls lobende Worte, zum einen für die „grandiose Spendenbereitschaft“ der Lich-Steinstraßer, zum anderen für das große Engagement Pahsens: „Du hast die eigentliche Arbeit gemacht.“
Willibald Pahsen nutzte bei aller Feierfreude und Dankbarkeit die Gelegenheit, ein paar mahnende Worte anzubringen, und merkte an, dass „heutzutage alles, was mit A anfängt und mit D aufhört, kritisch zu betrachten ist“. Käme allerdings ein E in die Mitte, könne das Leben retten. Worte, die der Bürgermeister aufgriff und feststellte, dass ein Akkord aus A, D und F ausgesprochen misstönend klinge.
Da klingt es deutlich besser, was Willibald Pahsen noch erzählen konnte. So habe, nachdem er schon Vereine und ortsansässige Firmen angefragt hätte, plötzlich das Telefon geklingelt. „Birke Camburg vom Lions Club Gavadiae hat mir die Unterstützung der Lions-Damen zugesagt“, freute sich Pahsen noch rückblickend.
Doch nachdem „fast täglich neue Zusagen kamen“, habe man die angebotene Lions-Spende gar nicht mehr benötigt, so Pahsen. Zwar sei es ihm unangenehm gewesen, das freundliche Angebot zurückweisen zu müssen, aber offenbar waren ihm die Löwinnen nicht böse und kamen trotzdem gerne zur Einweihung.
Ein neues gemeinsames Projekt würde sich schon finden lassen, so der Tenor. Birke Camburg ließ zudem durchblicken, dass ihr Club die Anschaffung eines AEDs für die Innenstadt unterstützen würde.
Rund 40 Punkte in Jülich und seinen Ortsteilen seien für die Installation der lebensrettenden Geräte bereits lokalisiert. Vielfach sind bereits Geräte vorhanden.
„Es gibt viele Beispiele, auch aus anderen Orten, die zeigen, was Engagement bewirken kann“, fügte Pahsen hinzu und schloss mit einem eindringlichen Appell: „Ist das nicht unser Jülich? Sollten wir uns nicht alle engagieren?“
Die Standorte der AEDs können auf einer kreisweiten Karte eingesehen werden. Das Besondere an den Geräten ist, dass sie auch von Laien bedient werden können.
Zusätzlich gibt es ein Netz sogenannter Corhelper, ausgebildeter Ersthelfer, die über eine App alarmiert werden und bis zum Eintreffen des Rettungswagens mit notwendigen Erste-Hilfe-Maßnahmen überbrücken können. Viele der Corhelper in und um Jülich kämen übrigens aus den Reihen der freiwilligen Feuerwehren, hob Richard Schumacher abschließend hervor.


















