Frauen werden keine Komponistinnen – und Virtuosinnen wohl auch nicht. Das jedenfalls muss Maria Anna Walburga Ignatia Mozart schon als Elfjährige lernen.
Zwar spielt die hochbegabte Mariann, genannt „Nannerl“, gemeinsam mit ihrem kleinen Bruder Wolfgang am kaiserlichen Hof, doch die ganz große Karriere muss ausbleiben. Der ehrgeizige Vater lässt sie plötzlich fallen.
Es ist kein neues Unterfangen, die Geschichte der Wunderkinder Mozart zu erzählen. Aber der von Stefan Cordes gewählte Ansatz macht die häufig gehörte Mär vom kleinen Wolfgang, der schon mit vier Jahren den Adel Europas begeistert, sehr lesenswert. Er wirft einen intimen Blick in den Alltag der Familie, besonders auf den Vater, beleuchtet Leopold Mozarts Beweggründe und dessen eigene, eher traurige Geschichte.
Ob Mariann mit den Töchtern von Maria Theresia durch das kaiserliche Schloss flaniert ist? War Wolfgang ein seltsamer kleiner Junge, der sich miauend in Schränken versteckt hat? Hat ihre Mutter Anna-Maria wirklich in der Salzburger Mietswohnung köstlich duftendes Gebäck gezaubert?
Viele der kleinen Details, von denen Cordes schreibt, lassen sich sicherlich nicht nachprüfen, aber genau sie sind es, die diese Geschichte so lesenswert machen. Zweifel und Tränen, der Kampf um Geld und Ruhm, Freude und Erfolg liegen bei den Mozarts laut Cordes‘ Erzählung nahe beieinander wie bei so vielen anderen Familien auch.
Gleichwohl ist ihr Weg, den Vater Leopold eigensinnig und wenig rücksichtsvoll verfolgt, ein anderer. Und Mariann die einzige, die sich ihm – zumindest zeitweilig – widersetzt.
BUCHINFORMATION
Stefan Cordes: Wir waren Wunder | Penguin Verlag | 395 Seiten | ISBN 978-3-328-60525-6 | 24 Euro



















