Der erste Eindruck beim Betreten der Backstube: Es ist angenehm warm, und vor allem duftet es umwerfend gut. Eigenschaften, mit denen nicht jeder Arbeitsplatz punkten kann. Das reicht aber sicher nicht als Kriterium für die Berufswahl.
Also, warum sollte man Bäcker werden wollen? Für Bäckermeister Patrick Weitz eine ganz klare Sache: „Wir schaffen hier jeden Tag tolle Produkte aus Wasser, Mehl und Salz. Es ist immer etwas anderes. Das macht einfach jeden Tag Freude!“ Die Begeisterung über das tägliche Tun ist dem Chef auch nach Jahren in der Backstube förmlich anzusehen. Und das ist etwas, das er potentiellen Azubis auch gleich mit auf den Weg gibt: „Man sollte mit Freude an die Arbeit gehen.“
Diese Freude strahlt auch Lena Poque aus, die im ersten Jahr ihrer Ausbildung zur Konditorin ist. Denn in der „Bäckerei-Konditorei Mainz-Weitz“ werden nicht nur Brot, Brötchen und sogenanntes „Feingebäck“ produziert, sondern auch Torten, Pralinen und – „ganz hohe Kunst“, wie Patrick Weitz formuliert – Baumkuchen gezaubert. Gerade hat Lena an genau diesem kunstvollen Backwerk gearbeitet. Mit glänzender Kruste dreht sich die fertige Baumkuchen-Hülle jetzt am Spieß. Am nächsten Tag wartet eine Herausforderung auf Lena: Das Ganze muss fein säuberlich zerteilt und mit der viele feine Schichten zählenden Füllung ausgestattet werden. Da brauche es schon etwas mehr Fingerspitzengefühl und Geduld als beim Brötchenbacken, lacht der Bäckermeister und weiß die künftige Konditorin bei seiner Ehefrau in guten Händen, die als Meisterin für die Ausbildung zuständig ist. Er selbst ist noch auf der Suche nach einem Azubi für die Bäckerei.
„Es macht einfach Spaß, und ich dekoriere gerne“, fasst Lena knapp zusammen. Für sie war nach einem Praktikum schnell klar, dass Konditorin zu werden genau das Richtige für sie ist. Das frühe Aufstehen sei zwar hart, muss sie zugeben, aber man gewöhne sich doch recht schnell dran. Und: Wer früh anfängt, hat auch früh Feierabend, stellen der Chef und seine Auszubildende unisono fest.
Ein Praktikum ist aus Sicht von Patrick Weitz die beste Entscheidungshilfe bei der Berufswahl. Auch für den Betrieb sieht er große Vorteile: „Es ist immer gut, sich vorher kennenzulernen. Dann wissen beide Seiten, was auf sie zukommt.“ Wer in Praktikum oder Ausbildung das Backen lernen möchte, muss auch mal zu Besen, Lappen und Co. greifen, denn, so Weitz, Sauberkeit und Ordnung seien in der Backstube das A und O.
Abgesehen vom penibel gesäuberten Backblech haben eine ganze Reihe weiterer Faktoren Einfluss auf Geschmack, Aussehen und Qualität der Backwaren. Da wären zum einen natürlich die Zutaten. „Man muss sich immer exakt ans Rezept halten“, hebt Weitz im übertragenen Sinne den Zeigefinger. Schließlich soll das Lieblingsbrot der Kunden immer gleich gut schmecken. Dann gibt es aber noch Dinge zu beachten, an die Hobby-Backkünstler wohl kaum denken. So beeinflusst die Umgebungstemperatur etwa, wie gut oder schlecht ein Teig aufgeht, und auch die verwendeten Maschinen haben ihren Anteil am Gelingen. „Alleine die Umgebung macht eine Menge aus“, weiß der erfahrene Bäcker und weist noch schnell darauf hin, dass Physik-, Chemie- und Bio-Begeisterung für künftige Bäckerinnen und Konditoren ganz gute Voraussetzungen seien. Und „gut rechnen können hilft“, schmunzelt der Meister, aber „alles andere kann man mit Spaß an der Sache lernen“.
Die Ausbildung zum Bäcker / Konditor dauert drei Jahre in Vollzeit. Einmal in der Woche ist Unterricht, die Berufsschule für Jülicher Azubis ist in Aachen. Pro Lehrjahr gibt es zwei Wochen „überbetrieblichen Unterricht“. Die Ausbildung schließt mit der Gesellenprüfung ab, die aus einem praktischen Teil und einem Fachgespräch besteht.





















