Start Ausbildung Von Milchvieh bis Zuckerrübe

Von Milchvieh bis Zuckerrübe

"Lehrstelle statt Leerstelle" titelt der HERZOG bereits seit fünf Jahren seine Sonderausgaben. Das aktuelle Heft ist bereits in den Jülicher Haushalten, die Schulen erhalten ihre Ausgaben nach den Osterferien. Zweimal im Jahr werden Ausbildungsstellen beworben und Berufsbilder vorgestellt. Diesmal: Landwirtschaft.

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ein Kalb auf Stroh stehend
Foto: Britta Sylvester
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Der Fahrersitz ist weich gepolstert, die Aussicht von hoch oben eindrucksvoll, und kalt oder laut ist es im Führerhäuschen auch nicht. Ein vorsichtiger Druck am Joystick, und die tonnenschwere Zugmaschine rollt los – Treckerfahren anno 2026 erinnert schon fast ans Spiel mit der Computerkonsole. Nicht die einzige Überraschung beim Besuch auf dem Bauernhof.

Sollte man heutzutage noch Landwirt werden wollen? „Wenn man das mit Leidenschaft und Überzeugung macht, auf jeden Fall!“ Die Antwort kommt prompt und überzeugt. Wenn dann auch noch ein Faible für Technik, Interesse an digitalen Technologien und ein Talent fürs Kopfrechnen sowie die Bereitschaft, sich auch mal dreckige Finger zu holen, dabei sind, stehen die Chancen auf einen Ausbildungsplatz nicht schlecht. Eine Ausbildung zum Bauern, zur Bäuerin? Eine überraschende Frage, die nicht wenige stellen. „Bauer kann man lernen? Da wird man doch reingeboren…“ Landwirt Mark Flatten muss schon ein wenig grinsen, wenn er von den erstaunten Reaktionen so mancher Menschen erzählt.

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Dann wird der Milchviehhalter jedoch schnell ernst: „Man sollte auf jeden Fall erst mal ein Praktikum machen und realistische Eindrücke gewinnen.“ Eigenständigkeit, Verantwortungsbewusstsein, Flexibilität und eine gute Portion Selbstvertrauen sollten angehende landwirtschaftliche Gesellen außerdem mitbringen, ist Flatten überzeugt. Auf seinem Hof im Jülicher Ortsteil Koslar sind in den vergangenen 20 Jahren rund 18 Landwirte ausgebildet worden, viele von ihnen ohne familiären landwirtschaftlichen Hintergrund. Das habe sich in den letzten 30 Jahren sicherlich deutlich verändert, meint der Viehhalter, der selbst auf dem elterlichen Hof groß geworden ist. Ein Kriterium für eine besonders erfolgreiche Ausbildung ist das seiner Erfahrung nach jedoch nicht.

Technik bestimmt den Alltag auf dem Bauernhof an vielen Stellen: Die Kühe werden automatisch und nach ihrem individuellen Bedarf gemolken. Ist mal die falsche Tür geschlossen, meldet sich der Computer per Mobiltelefon. Auch die Futtermengen oder die notwendigen Düngemittel werden computergesteuert berechnet – üblicherweise.

Fällt mal etwas aus, müssen der Landwirt und seine Auszubildende auch schon mal improvisieren. „Wir arbeiten mit Lebewesen, da lässt sich sowieso nicht alles vorhersehen“, weiß Mark Flatten aus langjähriger Erfahrung. Eine gewisse Spontaneität sei also auch hilfreich.

Die duale Ausbildung dauert drei Jahre. Die Berufsschulen für Azubis aus dem Kreis Düren liegen – je nach Standort des Hofs – in Aachen, Bonn oder Willich. Im ersten Jahr gehen die angehenden Gesellinnen und Gesellen zweimal pro Woche zur Schule, im zweiten Jahr noch anderthalb Tage, und im dritten Jahr steht noch ein Schultag auf dem Programm. Die Ausbildung schließt mit einer schriftlichen und einer zweigeteilten sogenannten betrieblichen Prüfung ab. Während der Ausbildung ist ein einjähriges „Viehpraktikum“ für alle Azubis verpflichtend. Nach Ansicht von Flatten eine sinnvolle Vorschrift, erhöht es doch die späteren Chancen auf eine Stelle, wenn die jungen Landwirte ein breites Fachwissen mitbringen. Wer seine Ausbildung im Ackerbau macht, also Kartoffeln, Zuckerrüben und Zwiebeln pflanzt, darf die zwölf Monate in der „Tierproduktion“ auch dritteln. So gibt es auch auf dem Koslarer Hof regelmäßig Praktikanten aus anderen landwirtschaftlichen Betrieben.

Und noch ein Tipp: Wer von Anfang an in allen Bereichen mitarbeiten möchte, bringt am besten einen Führerschein mit. Die Fahrerlaubnis für Traktoren kann bereits mit 16 Jahren erworben werden. „Ohne Führerschein ist man auf den Hof beschränkt“, meint Mark Flatten nur und schmunzelt angesichts der Begeisterung am Lenkrad neben ihm.

Die Adressen passender Ausbildungsbetriebe finden Interessierte – wenn sie nicht den Bauern von nebenan kennen – zum Beispiel über die Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen (www.landwirtschaftskammer.de). Und wer nach den drei Jahren weitermachen möchte, kann die zweijährige Qualifikation zum Agrarbetriebswirt, unter anderem an der Fachschule für Agrarwirtschaft Köln-Auweiler, dranhängen. Der „Meisterbrief“ ist eine gute Idee, findet der Fachmann, vor allem weil das vermittelte betriebs- und marktwirtschaftliche Wissen gerade für selbstständige Landwirtinnen und Landwirte unabdingbar sei.


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