Es müssen gar nicht immer elf sein. Manchmal reichen auch sechs Freunde fürs jecke Vergnügen. Jedenfalls am Anfang. Vor 100 Jahren setzten sich in der Koslarer Gaststätte Hennes Hubert Thelen, Heinrich Oellers, Heinrich, Mathias und Wilhelm Sauer und Heinrich Hennen zusammen – dank ihnen feiert die Große Karnevalsgesellschaft (GKG) Fidele Brüder in dieser Session ihren 9 x 11. Geburtstag.
99 Jahre später ist aus dem Sextett eine beeindruckend große Gesellschaft mit sage und schreibe 341 Mitgliedern geworden; rund 100 unter ihnen sind Kinder und Jugendliche. Kein Wunder, dass anlässlich von Festkommers oder Sessionseröffnung selbst die große Bühne der Bürgerhalle aus allen violett-gelben Nähten platzt. Die auffälligen Farben wurden übrigens erst 1957 festgelegt. Ob es vorher schon ähnlich bunt zuging, ist nicht verbrieft.
Ein Blick zurück zeigt, dass der Karneval in Koslar nicht erst mit Gründung der KG gefeiert wurde. Straßenkarneval und erste „Kappensitzungen“ im damaligen „Jünglingsverein“ gab es schon zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Offiziell wurde es dann 1926. Bereits zwei Jahre später gab es die erste Fahne für die Fidelen Brüder, gestickt von „Fräulein“ Briefs. Eingeweiht wurde sie auf der Damensitzung, was beweist, dass Frauen immer schon bei den Brüdern an Bord waren. Inzwischen gibt es mit den „Fidelen Herzchen“ eine eigene, rein weibliche Abteilung in der KG, auch Senatorinnen sind mittlerweile dabei. Andere Traditionen haben sich nicht halten können. So versuchten sich die Koslarer in den 1920er Jahren zeitweilig mit dem Strohmanus-Precken nach Jülicher Vorbild.
Spätestens im Jahr 1933 änderte sich auch für Koslars Jecken einiges. Präsident Franz Heidmann musste nach dem Willen der Nazimachthaber sein Amt räumen. 1947 schließlich trommelte Heidmann die verbliebenen Mitglieder zusammen und versuchte einen – offenbar gelungenen – Neuanfang. Zum silbernen Vereinsjubiläum 1951 zogen die Fidelen Brüder am Rosenmontag in einem großen Zug durchs Dorf.
Ein erstes Tanzcorps und sogar ein Fanfarencorps folgten in den nächsten Jahren. Den „Ehrentitel“ Große KG gab es 1956. Vier Jahre später luden die Fidelen Brüder zur ersten Kindersitzung, bis heute fester Bestandteil im Sitzungskarneval der GKG. Das Fanfarencorps ist Geschichte; auch das Herrenballett der 1970er Jahre löste sich zwischenzeitlich wieder auf – erst mit der aktuellen Session haben die Koslarer eine neue männliche Tanztruppe bekommen, die ihr viel beklatschtes Debüt auf dem Festkommers gab.
Zeitweilig nannte die KG sogar eine Majorettenabteilung ihr Eigen – daraus entstand 1985 der Tanz- und Twirlingclub Koslar. Schützenhilfe für eine weitere Gründung gaben die Fidelen Brüder 1971 mit den Merzbachtaler Musikanten. Ursprünglich als Blaskapelle für den Karneval gedacht, so Josef Prömpers, damals Vorsitzender der KG, sind die Musikanten mittlerweile etablierter und selbstständiger Verein im Dorf.
Holprig wurde es noch einmal während der Corona-Pandemie, als sämtliches Vereinsleben qua Verordnung zum Erliegen kam. Auch für die Fidelen Brüder eine Belastungsprobe, die mit viel Kreativität bewältigt wurde. „Da gab es unseren Autokorso“, schmunzelt Sitzungspräsident Andy Steinbusch noch heute über den gelungenen, bis zuletzt geheim gebliebenen Coup. Auch die „jecken Tüten“ mit Süßkram und kleinen Überraschungen, die an die Mitglieder verteilt wurden, sorgten für ein Gefühl der Zusammengehörigkeit trotz räumlicher Trennung.
Je älter, desto umfangreicher, ließe sich die Geschichte der Karnevalsgesellschaft resümieren. Die Showtanzgruppe „Magic Diamonds“ fand sich in der Session 1998/99 zusammen. Mittlerweile tanzen fünf eigene Gruppen, angefangen bei den Kleinsten ab fünf Jahren, und ein Mariechen für Koslars Jecken. Von Elferrat und Senat über Prinzengarde und Fidele Herzchen hin zu den Fidelen Pänz und dem Kinderelferrat sieht sich die GKG Fidele Brüder im Jubiläumsjahr breit aufgestellt und für die Zukunft gewappnet. Der 100. Geburtstag kann kommen.
Der Beitrag zum Festkommers Orden, Reden und ein „Alter Bäcker“






















