Eigentlich ist es eine Tragödie. Ein verzweifelter Vater, der auf die Allmacht eines Lehrerkollegiums trifft, das sich in weiten Teilen als wenig (oder zuweilen zu viel?) der jungen Schülerschaft zugetan erweist. Wer selbst Kinder in einer Schule hat oder hatte und sich mit ähnlichen Umständen konfrontiert sah, dem blieb so manches Lachen im Halse stecken. Da werden die Jugendlichen als „chancenloses genetisches Gemüse“ bezeichnet, unterstellt, dass sie ungebildet, unwillig und eher flittchenhaft sind – wenn es sich denn um Mädchen handelt. „Best of Klischee“ bedient das Stück „Eingeschlossene Gesellschaft“ von Jan Weiler. Das gilt natürlich auch für die Lehrerschaft: der gestrenge Notenbesessene, die verurteilende Altjungfer, die joviale Versteherin, der trainingsanzugtragende Sportlehrer, der nicht so ganz für voll genommen wird, der Chemielehrer als Professorentyp, die Referendarin mit modernen Ansichten. Man fühlt sich an die Commedia dell’Arte erinnert, in der es ja auch vor allem Typen sind, die in Szene gesetzt werden.
Die besetzt das Ensemble unter der Regie von Christoph Fischer übrigens glänzend. Der verzweifelte Vater vierer Kinder wird überzeugend und einfühlsam in Szene gesetzt von Henning Achenbach. Ausgerechnet dem Mimen, der im Hauptberuf Lehrer ist – oder gerade deswegen? Herrlich in der Rolle des verkannten Professors: Jens Range. Souverän wie stets bringt Bert Voiss seine langjährige Erfahrung mit großer Präsenz auf die Bühne. Philipp Hardt verkörpert den junggebliebenen und leicht erregbaren Sportlichen, herrlich gelassen die Referendarin Lisa Kloschinski und „Ute“ alias Brigit Bergk, eine Vertrauenslehrerin, der man vertrauen würde. Bei der Premiere stieg Melanie Zehnpfennig in die Schuhe der zynischen Jugendverachterin, die sie mit großartiger Mimik glaubhaft machte; in der Sonntagsaufführung übernahm Claudia Cormann-Wiersch, die für die Einlage von Schuberts Frühlingslied jubelnden Szenenapplaus erhielt. Dieser Figur ist der persönlich gekürte Lieblingswortwechsel zu verdanken: „Sie sind so arrogant!“ sagt der Sportlehrer, die Antwort: „Das sieht nur von unten so aus.“ Herrlich!
Dazwischen geht es um die wichtigen Fragen des Lebens wie Glaubwürdigkeit, ob man ohne Abitur glücklich werden kann; es geht um Menschlichkeit und das Leistungsprinzip. Kein wirklich leichter Stoff, den sich die Bühne 80 in dieser Spielzeit gewählt hat. Zwischenapplaus gab es überraschenderweise diesmal nicht so sehr für schauspielerische Leistungen, denn für Aussagen, die das Gerechtigkeitsempfinden des Publikums trafen. Praktisch ein „Like“ aus dem Zuschauerraum.
Jedenfalls ein Stück der anderen Art, das Christoph Fischer als Regisseur zu verantworten hat. Gut besetzt, sparsam in der Ausstattung, ohne Schenkelklopfer aber im Nachklang bedenkenswert. Außerdem darf man sich auf ein Überraschungsmoment am Ende freuen, das wegen der folgenden Aufführungen am heutigen Mittwoch (pay-what-you-want) und am Wochenende ungelüftet bleiben soll.
Fotos Volker Goebels
Link zur Galerie für alle App-Nutzer






















































