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Geschichten, die sonst niemand erzählt

Das ganz persönliche Highlight. Am 7. Januar 2022 erschien das lang erwartete zweite Album „Mann beisst Hund“ von OG Keemo. Zum vierjährigen Jubiläum ist es die LP des Monats.

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Foto: Oliver Garitz
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Der Titel des Albums hat eine besondere Bedeutung: „Mann beißt Hund“ stammt aus der journalistischen Sprache und gilt als ein zentraler Grundsatz in der journalistischen Ausbildung. Er beschreibt, was eine echte Nachricht ausmacht. Kurz gesagt: Das Ungewöhnliche ist interessant – nicht das Alltägliche. In diesem Album dreht OG Keemo die Machtverhältnisse um und erzählt Geschichten, die sonst niemand erzählt.

Keemo erzählt in dem Album die Geschichte von drei fiktiven Charakteren: Karim als Keemo selbst, Malik und Yasha. Sie tauchen in verschiedenen Tracks immer wieder auf und bilden den erzählerischen Kern des Albums. Auch wenn es eine fiktive Geschichte ist, lässt Keemo immer wieder durchblicken, dass auch eigene Erfahrungen in die Handlung einfließen. Inhaltlich handelt das Album von Freundschaften, Konflikten, innerer Zerrissenheit, Moral, Straßenleben, Respekt und Loyalität.

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Für viele Hip-Hop-Fans gilt das Album schon jetzt – vier Jahre nach Release – als Deutschrap-Klassiker. Doch kann man wirklich schon von einem Klassiker sprechen? Und haben OG Keemo und Funkvater Frank mit diesem Album das Rad neu erfunden?

Nein: Das Rap-Genre wurde dadurch nicht neu erfunden, und ob es ein Klassiker ist, wird uns am Ende die Zeit zeigen. Was man jedoch mit Sicherheit sagen kann: Das Album ist zeitlos. Die Geschichten, die OG Keemo erzählt, wirken vielleicht fiktiv, spiegeln aber Realitäten wider, die viele Menschen tatsächlich erleben. So bekommen diese Geschichten im Album eine Stimme – und das in einer Zeit, in der viele Künstler vor allem darauf setzen, Songs möglichst glatt, kurz und playlistentauglich zu halten. Keemo hingegen nimmt sich die Freiheit, auch mal sechs Minuten lang eine Geschichte ausführlich zu erzählen. Und das ist nur einer von vielen Punkten, die dieses Album so besonders machen. Fest steht: Vier Jahre nach Erscheinen gehört „Mann beisst Hund“ bereits zu den wichtigsten deutschsprachigen Musikalben dieses Jahrzehnts.

Die komplette Produktion des Albums – außer beim Song „Ziller“ – übernahm Funkvater Frank, der ohnehin für Keemos Sound verantwortlich ist und sich mittlerweile zu einem der prägendsten Produzenten Deutschlands entwickelt hat. Die Gastbeiträge auf dem Album stammen von den Rappern Gianni Suave, der die Hook beim Song „Ziller“ übernimmt, und Kwam.E, der Keemo einen Part zum Song „Blanko“ beisteuert. Außerdem steuerte der Sänger Sumpa die Hook von „Petrichor“ bei, und Produzent Minthendo war für den Song „Ziller“ verantwortlich.

Für mich zählen zu den musikalischen Highlights des Albums unter anderem der zweite Part von „Big Boy“, in dem es um das Vermächtnis geht, das Malik von seinem Vater erhalten hat, der Song „Vögel“, dessen Storytelling in einem echten Gänsehautmoment endet, sowie „Töle“, den Keemo aus Maliks Perspektive rappt. Das größte Highlight des Albums ist für mich jedoch „Vertigo“, das mit einem starken Text und einer präzisen Produktion von Franky überzeugt.

Wer jetzt Lust hat, mehr von Keemo und Franky zu hören, kann sich schon einmal das erste Album von OG Keemo und Funkvater Frank anhören: „Geist“. Mein Lieblingsalbum der beiden und ebenfalls ein Kandidat für eine zukünftige LP des Monats.


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