clAudyo legen direkt mit viel Energie los. Vor der Bühne wird direkt getanzt. Musikalisch bewegt sich das Projekt zwischen rockigeren und punkigen Stücken, ruhigeren Momenten und deutlichen New-Wave-Einflüssen.
Ein kurzer Ausfall beziehungsweise ein Problem am Bass sorgt zwar für einen kleinen technischen Moment, interessiert das Publikum aber herzlich wenig: Es wird einfach weitergetanzt.
Dass der Auftritt für einige der Musiker etwas Besonderes ist, liegt nicht zuletzt am Ort. Teile der Band haben ihre musikalischen Wurzeln in Jülich und kennen sich teilweise seit ihrer Jugend.
Mit etwa 15 oder 16 Jahren gründeten einige von ihnen ihre erste gemeinsame Punkband. Später trennten sich die musikalischen Wege, die Freundschaften blieben jedoch bestehen. Nun stehen sie wieder gemeinsam auf der Bühne – und ausgerechnet im KuBa.
„Es ist so beides: nach Hause kommen auf der einen Seite, aber auch irgendwie etwas Neues“, beschreibt es Frontmann und Namensgeber der Band clAudyo Claudio D‘Orsaneo. Denn auch wenn der Ort vertraut ist, haben sich die Menschen und ihre Leben in den vergangenen Jahrzehnten verändert. Für manche ist es gleichzeitig ein Wiedersehen mit alten Bekannten aus der Jülicher Musikszene.
Auch musikalisch wollen sich clAudyo nicht in eine Schublade stecken lassen. Punk, Rock, New Wave und verträumte Momente stehen nebeneinander. „Wir wollen uns da nicht so festlegen“, heißt es.
Genau diese Offenheit macht den Auftritt abwechslungsreich. Zum Programm gehören neben den rockigeren Songs auch ruhigere Stücke und neue Musik. Mit „Wohin und warum?“ steht außerdem der aktuelle Song auf der Setlist, den clAudyo gemeinsam mit 1.Mai-87-Frontsänger Stefan aufgenommen haben.
Aus dieser Zusammenarbeit entstand schließlich die Idee für den gemeinsamen Konzertabend. In der Zugabe kommt auch Lia Dolfus, die als Bassistin Claudio seit Anfangstagen bei dessen Projekt „Psycho Luna“ zur Seite steht und viele darüber hinaus als Frontfrau der David-Bowie-Tribute-Band L.D Stardust and The Ziggys from Mars kennen, auf die Bühne und übernimmt den Bass von Mizi.
Danach gehört die Bühne ganz 1.Mai 87. Die Band bringt eine Geschichte mit, die bis ins Jahr 1987 zurückreicht. Ihr Name geht tatsächlich auf den 1. Mai jenes Jahres zurück, als es zu schweren Straßenschlachten zwischen der linksradikalen Protestszene und der Polizei am 1. Mai 1987 in Berlin-Kreuzberg kam. Dieser Tag gilt als Geburtsstunde des „Revolutionären 1. Mai“ und steht als Symbol für Widerstand und Rebellion.
Die Musiker waren damals zufällig über das verlängerte Wochenende in Berlin und landeten mitten in Kreuzberg – und damit mitten in den damaligen Auseinandersetzungen. „Es war halt Zufall“, erinnern sie sich. Die Erlebnisse dieses Tages wurden schließlich zur Namensgebung der Band.
Ende 1987 gegründet, spielten 1.Mai bis zur Jahrtausendwende zahlreiche Konzerte, bevor das Projekt zunächst auf Eis gelegt wurde. Die Musiker machten in anderen Bands und Projekten weiter.
2023 kam es schließlich zur Wiedervereinigung. Zunächst war gar nicht klar, ob sich überhaupt noch jemand für die alten Songs interessieren würde. Ein Konzert im Kölner Sonic Ballroom war innerhalb kürzester Zeit ausverkauft, ein zusätzlicher Abend ebenfalls. Seitdem steht 1.Mai wieder regelmäßig auf der Bühne.
Dabei klingt die Band keineswegs wie ein Relikt aus einer vergangenen Zeit. Im Gegenteil: Viele ihrer alten Texte wirken heute wieder erschreckend aktuell. „Das Erschreckende ist, dass die Sachen, die irgendwie vor 20, 25, 30, fast 40 Jahren entstanden sind, eigentlich gerade wieder das widerspiegeln, was politisch passiert“, erzählen die Musiker.
Die alten Songs werden dabei nicht neu erfunden. Nach 26 Jahren veröffentlichte die Band zuletzt die Single „Vorspeise“, ein komplettes Album soll in Zukunft noch folgen. Nostalgie allein ist also nicht das Ziel.
Das zeigt sich auch auf der Bühne. 1.Mai starten mit viel Energie, und vor der Bühne wird kräftig gepogt. Der Sound ist deutlich punkiger und rockiger mit ordentlich Schub. Was vor fast vier Jahrzehnten musikalisch und politisch begann, funktioniert auch im KuBa des Jahres 2026 noch erstaunlich gut.
So unterschiedlich die beiden Auftritte musikalisch auch sind, verbindet sie am Ende doch mehr als nur der gemeinsame Konzertabend. Bei clAudyo treffen Erinnerungen an die Jülicher Musikszene auf neue Musik, bei 1.Mai 87 werden alte Songs plötzlich wieder zu einem Kommentar auf die Gegenwart.
Dazwischen liegen fast vier Jahrzehnte, in denen sich vieles verändert hat – die Lust an lauter Musik und die Energie vor der Bühne gehören offenbar nicht dazu. Im KuBa wird an diesem Abend jedenfalls deutlich, dass man Punk nicht unbedingt hinter sich lassen muss, nur weil ein paar Jahrzehnte vergangen sind.
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