Das Konjunkturbarometer Rheinland zum Jahresbeginn 2026 zeichnet ein klares Bild: Die Mehrheit der rund 2200 befragten Unternehmerinnen und Unternehmer in den Bezirken der IHK-Initiative Rheinland, zu der auch die Industrie- und Handelskammer (IHK) Aachen gehört, ist unzufrieden mit ihrer wirtschaftlichen Lage. Nicht nur die aktuelle Situation, sondern auch die Aussichten für die kommenden Monate sind überwiegend negativ. 29,1 Prozent der Befragten sind unzufrieden, 22,2 Prozent stufen ihre aktuelle Lage positiv ein. Angesichts dieser Entwicklung macht IHK-Hauptgeschäftsführer Michael F. Bayer deutlich: „Der dringend erforderliche konjunkturelle Aufschwung lässt weiter auf sich warten.“
Der Geschäftslageindikator bleibt nahezu unverändert bei -6,9 Punkten und liegt damit weit unter dem langjährigen Durchschnitt von +14,6 Punkten. Für die kommenden Monate rechnen die Unternehmerinnen und Unternehmer mit einer leichten Verschlechterung der Lage: 23,7 Prozent erwarten einen Rückgang der Geschäfte, 19,7 Prozent rechnen mit einer
Besserung. Der Erwartungssaldo stieg damit gegenüber der Herbstbefragung (-8,9 Punkte) auf -4,0 Punkte, liegt jedoch weiterhin unter dem Zehn-Jahresschnitt von -1,8 Punkten. „Die längste Negativ-Phase bei den Erwartungen der vergangenen 20 Jahre setzt sich damit fort. Die Wirtschaft bleibt weiter in einer strukturellen Krise“, ordnet Bayer die Ergebnisse ein.
Der Konjunkturklimaindex bewegt sich mit 94,5 Punkten nur leicht aufwärts und bleibt zum achten Mal in Folge unter der 100-Punkte-Marke. Erst oberhalb dieser Schwelle ist mit Wachstum zu rechnen. Der Index bleibt auch klar unter dem langjährigen Durchschnitt von 105,8 Punkten. Allerdings: Es ist immerhin der höchste Wert seit drei Jahren. „Die wirtschaftliche Talfahrt hält inzwischen vier Jahre an. Viele Unternehmen sind an ihren Belastungsgrenzen. Die Bundesregierung hat es bisher versäumt, substanzielle wirtschaftspolitische Impulse zu setzen“, resümiert Bayer. „Weniger Bürokratie, schnellere Abläufe und Genehmigungen in den Verwaltungen sowie verlässliche Entscheidungen in der Energie-, Arbeitsmarkt- und Steuerpolitik sind wesentliche Voraussetzungen dafür, dass der Standort Deutschland international wieder wettbewerbsfähig wird. Ein einfaches Weiter-so können wir uns nicht mehr leisten.“
Auch das Auslandsgeschäft wird in den kommenden Monaten keine Wachstumsschübe für die rheinische Wirtschaft bringen. Zwar rechnen 18,8 Prozent der Befragten mit einem Anstieg der Exportnachfrage, gleichzeitig prognostizieren aber 26,4 Prozent einen Nachfragerückgang aus dem Ausland. Der Index von -7,6 Punkten liegt deutlich unter dem langjährigen Schnitt von -1,1 Punkten. Die schwache Konjunktur zeigt sich auch an den Auftragsbüchern. Der Indikator liegt mit -15,1 Punkten weit im negativen Bereich. 21,2 Prozent der Unternehmerinnen und Unternehmer berichten von einer guten Auftragslage, rund ein Drittel der Befragten (36,3 Prozent) melden rückläufige Auftragseingänge. Damit ist der Indikator zum neunten Mal in Folge im negativen Bereich. Der langjährige Durchschnitt liegt inzwischen mit -3,5 Punkten ebenfalls unterhalb der Nulllinie.
Die Kapazitätsauslastung der produzierenden Unternehmen bleibt weiterhin gering und liegt aktuell bei nur 72,1 Prozent. Das ist der niedrigste Wert im Rheinland seit der Krise infolge der Lehman-Brothers-Pleite im Jahr 2009 und weit unter dem Zehn-Jahres-Schnitt von 77,3 Prozent. Die Beschäftigungspläne bleiben überwiegend negativ. Es drohen Entlassungen und Vakanzen, die nicht mehr nachbesetzt werden. Nur 13,4 Prozent rechnen mit einem Anstieg der Beschäftigtenzahlen, 21,7 Prozent gehen von einem Rückgang aus. Die andauernde Krise bremst auch die Investitionsbereitschaft der Betriebe. 29,6 Prozent der Unternehmen wollen künftig bei den Investitionen sparen, 21,7 Prozent wollen mehr investieren. So entsteht kein Wachstum.
Nur noch rund jedes dritte Unternehmen (36 Prozent) sieht im Fach- und Arbeitskräftemangel ein wesentliches Risiko für die weitere wirtschaftliche Entwicklung. Das ist der niedrigste Wert seit fünf Jahren. Nahezu unverändert groß sind die Sorgen aufgrund der schwachen Binnennachfrage (59 Prozent) sowie der wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen (62 Prozent). Durch den Anstieg des Mindestlohns und der Sozialabgaben zum Jahresbeginn haben die Arbeitskosten (54 Prozent) an Bedeutung für die Unternehmen gewonnen. Hohe Energie- und Rohstoffkosten (48 Prozent) erschweren den heimischen Betrieben zusätzlich das Geschäft. Das gilt insbesondere für die energieintensiven Industrien, deren Lagesaldo mit – 24,0 Punkten deutlich geringer ausfällt als der Schnitt aller Branchen (-6,9 Punkte).



















