Start Hintergrund Laudation zur Verleihung des Stadtmarketing-Preises 2026

Laudation zur Verleihung des Stadtmarketing-Preises 2026

Laudatio auf das Pasqualini Zeitsprung Festival von Guido von Büren (in der Rolle als Herzog Wilhelm V. von Jülich-Kleve-Berg) anlässlich der Verleihung des Stadtmarketing-Preises beim Neujahrsempfang 2026.

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Herzog Wilhelm V., alias Guido von Büren. Foto: Gisa Stein
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Meine lieben Untertanen,

man hat uns zum wiederholten Male nach Jülich zurückgeholt und wir staunen nicht schlecht, was sich seit unserem letzten Besuch alles getan hat! Die zahlreichen Baustellen erinnern uns an die Zeit, als wir die Stadt in der Mitte des 16. Jahrhunderts neu geschaffen haben. Enttäuscht mussten wir jedoch feststellen, dass am Schwanenteich jetzt ein Gasthaus „Schwan“ steht, es dort aber keinen gebratenen Schwan gibt, wo er doch unsere Leib- und Magenspeise ist.

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Wir wurden gebeten, eine Lobrede zu halten. Wir müssen zugeben, dass uns dieses Ansinnen etwas befremdet hat, sind wir es doch gewohnt, dass auf uns Lobreden gehalten werden – wir erinnern uns an manch kunstvoll gedrechselte Verse kluger Humanisten –, aber doch nicht umgekehrt! Wie dem auch sei, weil es um ein prächtiges Fest geht, schienen wir als Ausrichter der achttägigen Hochzeitfeierlichkeiten unseres Sohnes im Jahre 1585 in Düsseldorf wohl als besonders geeignet für diese Aufgabe. Während wir damals nach dem Fest in Schulden nahezu ertrunken sind, haben wir uns sagen lassen, dass das dreitägige Pasqualini Zeitsprung Festival hier zu Jülich anno 2025 ganz ohne Kosten für die Stadt und zudem finanziell auskömmlich stattgefunden hat.

Nicht nur dieser Punkt ist der ganzen Vorbereitungskumpanei zu verdanken, aus deren Kreis wir vier Personen heute besonders hervorzuheben gedenken: den zuständigen städtischen Hofrat Richard Schumacher und seinen treuen Begleiter Achim Maris sowie Armin Großek und Guido von Büren. Vor allem bei Schumacher und Maris liefen alle Fäden zu dem dreitägigen Spektakulum zusammen. Sie haben die drei Säulen des Festes – Kultur, Historie und Wissenschaft – von ihrem Feldherrnhügel aus überblickt, waren sich aber nicht zu fein, um sich, wo es notwendig erschien, beherzt in das Schlachtgetümmel der Vorbereitung und Durchführung hineinzustürzen. Das Zusammenwirken der verschiedensten Menschen, Institutionen und Vereine hat ein Programm möglich gemacht, das innerhalb und außerhalb der Mauern unserer altehrwürdigen Stadt Jülich Aufsehen erregt hat. Hier wurde begriffen, was uns schon vor mehr als 450 Jahren bewusst war: Macht und Einfluss gründen auf Sichtbarkeit von Pracht und Fülle. Sie sind Sinnbild des florierenden Staates, der sich um Wohlfahrt und gemeinen Nutzen seiner Untertanen kümmert.

Die Herren Schumacher und Maris haben sich nicht geschont und sind mutig vorangeschritten. Sie haben eine Vision Wirklichkeit werden lassen, die kühnste Träume übertroffen hat. Träume, die in den Denkstuben der Schreiberlinge des Kultur- und Stadtmagazins HERZOG sowie der Kreativlinge der LA MECHKY PLUS GmbH entstanden waren. Manches erinnerte an die Zitadellenfeste der 80er, 90er und 2000er Jahre – und doch waren die Akzentsetzungen ganz andere, so wie sich auch das Volk als Adressat verändert hat. Wir ziehen daher unsere Kopfbedeckung vor der Leistung aller Mitwirkenden, seien es das Forschungszentrum, die Brückenkopfpark Jülich gGmbH, das Kulturbüro der Stadt, das Stadtarchiv, die Stadtbücherei, der Geschichtsverein oder der Juliacum Entertainment Service, um nur eine Auswahl zu nennen. Selbst als der Gott des Wetters zeitweilig kein Einsehen hatte – der guten Stimmung aller vor, hinter oder auf den Bühnen hat das nicht geschadet.

Als wir beschlossen, die Hochzeit meines Erbsohnes Johann Wilhelm mit Jakobe von Baden zu einem der größten Feste der Renaissance im Westen des Reiches zu machen, gab es viele kritische Stimmen. Doch der Erfolg gab uns recht: Noch nach nahezu 450 Jahren spricht man von diesem Fest – und so wird es auch beim Pasqualini Zeitsprung Festival sein! Nur in einem Punkt sind wir, gelinde gesagt, irritiert: Sicher war Alessandro Pasqualini ein guter Architekt, sonst hätten wir ihn auch nicht für den Bau unserer neuen Festung, Stadt und Residenz Jülich ausgewählt, aber er war einer unserer Untergebenen, wenngleich ein fähiger. Schon damals hat es uns geärgert, dass sich Alessandro Pasqualini als Italiener für etwas Besseres hielt und sich gar herausnahm, selber von Stand zu sein. Immer dieses Großspurige „Iche binne von Adel ausse Bologna!“. Und ausgerechnet ihm setzt man ein Denkmal auf unserem Markt und nennt ein Fest nach ihm, dass doch besser uns huldigen sollte! Doch wollen wir unseren Eigensinn zügeln und viel Erfolg dabei wünschen, dass das Pasqualini Zeitsprung Festival 2027 wieder stattfinden kann – wir schauen dann gerne vorbei!

Arrivederci!


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