Start Nachrichten Brauchtum Spontan und beweglich im 327. Jahr

Spontan und beweglich im 327. Jahr

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Senatspräsident Linus Wiederholt verlieh Jörg Bücher (l) den Hexenturmorden. Foto: Dorothée Schenk
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„Tach Jörsch“, begrüßte Präsident David Ningelchen den von Willi Romes zeremoniell hereingetragenen „Mann“ bei der traditionellen Jahreshauptversammlung der Historischen Gesellschaft Lazarus Strohmanus, „Du hast bestimmt mehr geschlafen als ich.“ Dessen Pate Jörg Bücher nahm es mit dem ihm eigenen Schmunzeln zur Kenntnis. Überhaupt schien der Hexenturmordensträger 2026 geehrt, aber in seiner Ehrung ohne Worte. Er ließ sprechen: zunächst Senatspräsident Linus Wiederholt, der ritusgemäß den Orden mit warmen Worten überreichte. In diesem Jahr ein besonderes Ereignis, denn erstmals erhielt der Spross eines Ordensträgers zu dessen Lebzeiten dieselbe Ehrung. Zweite Besonderheit: Wiederholt hatte dereinst die Laudatio auf Jörg Büchers Vater Heino bei dessen Auszeichnung gehalten. Diesmal ging es daher sehr familiär zu.

Vorjahres-Ordensträger Uwe Groteklaes stellte den Paten mit Familiensinn vor, den Fußballfreund und Mann mit Fahndungserfahrung (nur weil es so gut in der Alliteration „F“ passt; eigentlich benannte der Laudator ihn als Mitarbeiter des Landeskriminalamtes). Vor allem aber ging es natürlich um die Qualifikation für den Hexenturmorden. Einmal mehr wurde Jörg Bücher als Fackelträger und vor allem Grundsteinleger für die Zukunft „seiner“ KG Ulk gewürdigt. Eben weil er vorbildlich für die Perspektive des Brauchtums sorgte und schließlich auch in der Lage war, ein gut aufgestelltes Haus an die nächste Generation weiterzureichen – oder wörtlich laut Groteklaes: „Platz für neue Köpfe machen“.

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Dem Lazarus verbunden ist Jörg Bücher schon lange, nicht nur als Sohn eines Ordensträgers. Als Ehrenkappenträger und Brauchtumswärter wurde Jörg Bücher nun in den Stand der Hexenturmordensträger aufgenommen. Die perfekten Worte fand Laudator Uwe Groteklaes: „Mein lieber Jörg, ich sage es mit den Worten von Fürst Rainier, wie er die Sieger des Monaco Grand Prix beglückwünscht hat: ,I’m happy it’s you‘.“

Die Freude über das Ereignis war offenbar auch bei Präsident Ningelchen so groß, dass er prompt vergaß, satzungsgemäß den Jahresbericht vortragen zu lassen. Stattdessen hatte er eigens lediglich gemeint, statt Fakten und Zahlen würde er es zu dieser Jahreshauptversammlung kurz machen: „Bis jetzt sind wir gut durchgekommen.“ Lachen. Spontan ließ er das Versäumnis protokollieren und den Tagesordnungspunkt durch Peter Sußmann nachholen.

Außerdem zeigte sich der Präsident, der selbst einmal in der Besengruppe angefangen hat, dass er immer noch beweglich ist. Weil die einzige Neuaufnahme aus nachvollziehbaren familiären Gründen verhindert war, sprang David Ningelchen ein. Schließlich sollten auch die neuen Besengruppenführer, die Kalle Stier nach 25 Jahren ablösten, Frank Ritzal und Marcel Berwix-Maas, schon mal ihre Stimme für den Dienstag erproben. Und tatsächlich absolvierte der Präsident „ein Kleines“ und „Ganzes“ wie angesagt. „Ich glaube, Du darfst am Dienstag mitgehen“, meinte Kalle Stier daraufhin ausgesprochen launig zu seinem etwas atemlos gewordenen Präsidenten.

Neben der außerordentlichen Ehrung nutzt die Historische Gesellschaft Lazarus Strohmanus die Jahreshauptversammlung stets auch für Auszeichnungen anlässlich von Vereinsjubiläen: In diesem Jahr galt es lediglich einmal 25 Jahre zu ehren: Reinhard Bröcking blickt auf sein Silberjubiläum als Lazarusbruder.

Ebenso traditionell vergibt die Gesellschaft Ehrenkappen – als Überraschungen. Diesmal wurde Jürgen Hennes gewürdigt, der als Personalratsvorsitzender alljährlich für den Rathaussturm zu Weiberfastnacht mitverantwortlich zeichnet. Damit würde er vielen Gesellschaften eine Bühne bieten, meinte David Ningelchen bei der Ehrenkappenverleihung. Die zweite Kappe erhielt Museumsleiter Marcell Perse, den die Beschäftigung mit der Historie mit dem Verein verbindet. Der Archäologe gräbt in der Vergangenheit, um sie zu bewahren. Ebenso sei es mit dem Brauchtum, das die Lazarusbrüder bewahren würden. Das Trio vervollständigte Ulrich Backhausen, der für sein jahrzehntelanges Engagement für Jülich ausgezeichnet wurde.

Als besondere Überraschungsgäste erschienen zur Jahreshauptversammlung die närrischen Majestäten: Zum ersten Mal stellte sich nicht nur Page Ben, sondern auch sein Bruder Felix selbst vor. „Ich freue mich sehr“, so Präsident Ningelchen, „dass Du Dich bei uns so wohlfühlst, dass Du Dich das getraut hast.“ Als absolute Profis zum Ende der Session erwiesen sich Prinz Philipp und Prinzessin Anastasia, die Ningelchen ausdrücklich dafür lobte; war er doch selbst vor einigen Jahrzehnten als Page im Kinderdreigestirn im Einsatz gewesen und kennt die Verfahren aus eigenem Erleben.

Die Majestäten wie auch fast alle übrigen Anwesenden kamen im anschließenden Kengerzoch zum Einsatz und hatten sich noch passend umzuziehen. In der Sitzung erfuhren die Anwesenden auch, was denn so ein Präsident zum diesjährigen, frostigen Umzug „untenrum“ trägt. Die Diskretion verbietet eine nähere Beschreibung – das Gelächter der Mitglieder war ihm jedenfalls sicher. Anlass der Indiskretion war der Vortrag von Heino Bücher, der statt der erwarteten Dankesrede des Hexenturmordensträgers das Wort ergriff. Er trug am Rednerpult seine Anekdote vom „Jülicher Kengerzoch“ vor und erntete damit reichlich wiedererkennendes Nicken und entsprechend Applaus.

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Dorothée Schenk
HERZOGin mit Leib und Seele. Mein HERZ schlägt Muttkrat, Redakteurin gelernt bei der Westdeutschen Zeitung in Neuss, Krefeld, Mönchengladbach und Magistra Artium der Kunstgeschichte mit Abschluss in Würzburg. Versehen mit sauerländer Dickkopf und rheinischem Frohsinn.

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