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Gesalbt für den Neuanfang

Die Pfarrei Heilig Geist ist Geschichte. Seit 1. Januar 2026 wacht über den großen pastoralen Raum Jülich-Aldenhoven mit seinen fusionierten 22 Gemeinden eine Frau: die Hl. Maria Magdalena. Sie ist nun Patronin von rund 24.000 Katholiken.

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Festlich, fröhlich und mit Aufbruchstimmung feierte die Pfarrei Maria Magdalena Aldenhoven-Jülich ihren gemeinsamen Neuanfang. Die Festmesse wurde in der größten Kirche der neuen Großpfarrei, St. Martinus Aldenhoven, begangen. Und das unter großer Beteiligung von Verbänden wie den Schützen und der Kolpingfamilie sowie vielen Vertretungen der 86 „Orte von Kirche“, einem gemeinsamen Chor und Gläubigen, die bis in die Bänke der Empore die Plätze besetzten.

Vieles war symbolisch an diesem Tag. Allem voran der Ort. Mit der Wahl wurde deutlich gemacht, dass zwar die Pfarrkirche in Jülich steht, aber die ehemalige Pfarrei Heilig Geist Jülich mit ihren 16 Gemeinden mit dem „kleineren“ Fusionspartner, den sechs Pfarreien aus Aldenhoven, auf Augenhöhe sein möchte. Schon am Eingang empfingen Mosaiksteine mit dem Logo die Gäste, die es nach der Messe gemeinsam „füllten“. Vor den Altarstufen waren 22 große Kerzen aufgestellt – für jede Gemeinde eine – und viele kleine Kerzen, die sich die Gäste mitnehmen konnten. Auch sie trugen das Logo, das Pfarrer Hans-Otto von Danwitz erläuterte: das Herz, das für die Liebe steht, die Maria Magdalena mit Jesus verband; das Kreuz, das an ihre Treue unter dem Kreuz erinnere; und das Blau, das den Blick zum Himmel öffne. Das sei Aufforderung, so Pfr. von Danwitz, „mit dafür Sorge zu tragen, dass gerade Menschen, die eher Hölle als Himmel erleben, etwas von der frohen Botschaft spüren und erleben, die uns aufgetragen ist.“

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Und den Auftrag sieht Pfarrer von Danwitz vor allem in der Gemeinschaft, die sich die Verantwortung teilt. Um das symbolisch für alle Anwesenden sichtbar zu machen, wurden das Leitungsteam, diejenigen, die zur Vermögensverwaltung gehören, der Pfarreirat sowie Vertretungen für die Kirchenmusik, der Jugendarbeit, aber auch der Küsterdienste und Reinigungskräfte mit dem Katechumenenöl gesalbt, „das wir brauchen, wenn ein neuer Weg beginnt“, wie der Pfarrer erläuterte. Die Botschaft war sichtbar: Jede und jeder in dieser neuen Pfarrei ist wichtig, gewollt und trägt Verantwortung fürs Gelingen.

An diese Seite stellte sich auch Aldenhovens Bürgermeister Ralph Claßen, der stellvertretend für seinen Jülicher Amtskollegen Axel Fuchs ans Rednerpult trat. Gerade in einer Zeit von Individualisierung und globaler Verunsicherung seien Glaube, Hoffnung und Zusammenhalt von unschätzbarem Wert. Kirche und Kommune stünden gemeinsam in Verantwortung – für Familien, Kinder, Jugendliche, Ältere.

Immer wieder Thema an diesem Tag: die Wahl der Patronin Maria Magdalena. Sie ist vermutlich vor allem für ältere Gläubige erst einmal irritierend und darum so erklärungsbedürftig. Maria Magdalena wird oft ein eher zweifelhafter Ruf unterstellt. Spätestens seit dem populären Roman „Sakrileg“ von Dan Brown manifestierte sich das Bild als Geliebte und Ehefrau Jesu. Tatsächlich hat Papst Franziskus sie vor zehn Jahren auf eine Stufe mit den Aposteln gestellt und ihren liturgischen Gedenktag am 22. Juli ausdrücklich zu einem Fest erhoben.

Aus heutiger Sicht, so wurde mehrfach betont, ist die Heilige vor allem erste Zeugin der Auferstehung, die erste Verkünderin – gesandt nicht durch Amt, sondern durch Begegnung. So erklärte es Ulrike Maqua, die im Bistum Aachen für die Abteilung Pastorale Räume zuständig ist und zur Gründungsmesse auch die offizielle Urkunde verlas. „Kirche lebt nicht zuerst von Strukturen, sondern von Menschen, die etwas erfahren haben und davon erzählen. Maria steht zwischen Karfreitag und Ostermorgen, zwischen Abschied und Hoffnung.“ So würdigt auch Pfarrer Hans-Otto von Danwitz Maria Magdalena als „eine, die begriffen hat, dass Jesu Heilung weitergeht – in der Zuwendung zu den Verwundeten, den Trauernden, den Sehnsüchtigen.“

Dass eine Frau Patronin ist, sei ein starkes Zeichen, betonte ebenso Pfarrerin Elke Wenzel, die stellvertretend für die evangelische Schwesterkirche sprach. Sie attestierte der neuen Pfarrei Mut und den Willen, patriarchale Pfade zu verlassen, verbunden mit weiblichen Tugenden: „Achtsamkeit, Hören aufeinander und Geduld.“ Natürlich wisse sie, dass Männer all diese Qualitäten haben könnten, aber Frauen würden sie traditionellerweise doch eher zugeschrieben. In diesem Geist wolle auch die evangelische Gemeinde weiter mitgehen – Bewährtes pflegen, Neues wagen.

Apropos Neues wagen: Der gemeinsame Weg findet Ausdruck im gemeinsamen Tun. Im April startet ein Projektchor, der das Weihnachtsoratorium von Johann Sebastian Bach einstudieren wird – mit rund hundert Sängerinnen und Sängern, Solisten und großem Orchester unter der Leitung von Kantor Christof Rück. Die Aufführung ist für den 10. Januar 2027 in Aldenhoven geplant. Die ersten Proben finden im Rochusheim, An der Lünette, am 15. und 29. April statt. Nähere Infos unter c.rueck@heilig-geist-juelich.de.

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Dorothée Schenk
HERZOGin mit Leib und Seele. Mein HERZ schlägt Muttkrat, Redakteurin gelernt bei der Westdeutschen Zeitung in Neuss, Krefeld, Mönchengladbach und Magistra Artium der Kunstgeschichte mit Abschluss in Würzburg. Versehen mit sauerländer Dickkopf und rheinischem Frohsinn.

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