Start Stadtteile Koslar Trefflich besetzt, reichlich beklatscht

Trefflich besetzt, reichlich beklatscht

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Manchmal muss ein Klarer her... Foto: Britta Sylvester
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Wenn die eine Nachbarin der anderen das ohnehin nicht mehr ganz taufrische Gulasch in voller Absicht gehörig versalzt, selbige leicht biestig feststellt, dass man „das Sparen doch am besten bei den Reichen lernt“ und der berühmte Schlagersänger Rosso Rossini (Bernd Stauch) zu Gast ist, dann ist eines klar: In Koslar wird Theater gespielt.

Und das bedeutete in diesem Fall – der Titel „Verliebt, verlobt, verlogen“ deutete es doch zumindest an – eine Menge Irrungen und Wirrungen, Gezicke und Herzschmerz. Mit ihrem komödiantischen Blick hinter die Kulissen der glitzernden Schlagerwelt, die irgendwie doch nicht ganz so heile ist, wie gedacht, unterhielten die Theaterfreunde Koslar runde zweieinhalb Stunden lang aufs Feinste. Dass das Musikantenleben offenbar kein Zuckerschlecken ist, muss am Ende auch Wirtin Karin Fuchs (Helene Wagner) nach laut belachtem und beklatschten Hin und Her seufzend feststellen: „Also irgendwie hab‘ ich mich das alles anders vorgestellt.“ Das Publikum im vollbesetzten „Theatersaal“ des Pfarrheims Koslar hingegen hatte sich das wohl genauso vorgestellt.

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Ob Helene Wagner in der Rolle der Wirtin und Bürgermeistergattin singend dahinschmolz, Peter Brendel als ihr Gatte den selbstverliebten Bürgermeister mit mehr Sinn für die eigene Frisur als fürs Amt zum Leben erweckte oder Manuela Röhring als nach Quote geifernde Regisseurin ihr Darsteller herumkommandierte – das aktuelle Stück von Koslars Theatertruppe geizte nicht mit Klischees gepaart mit Anspielungen aufs dörfliche Leben.

Die Theaterfreunde im Geschichtsverein Koslar bewiesen ein hervorragendes Händchen für die Rollenbesetzung. So zog Bernd Stauch als abgehalfterter Schlagersänger, der so gerne ein Star wäre, mit Toupet auf dem Kopf und vor der Brust die Sympathien der Zuschauer im Handumdrehen auf seine Seite. „Et Else“ (Waltraud Krahe) musste kaum mehr den Mund aufmachen, geschweige denn die nächste Tupperdose auspacken und das Publikum bog sich vor Lachen. Als Nachwuchsstar in Reihen der Theaterfreunde ertrug Kameramann Felix Frechen tapfer die Eskapaden seiner Regisseurin und rettete ganz nebenbei noch die etwas naive Beinahe-Braut Conny (Melanie Schmitz) vor den Machenschaften des Goldkettchen tragenden Hochstaplers Charly (Jan Staffel). Schließlich stolzierte noch Marie Sroka im Glitzergewand mit Plüschhündchen Chanel über die Bühne und bediente so ganz nebenbei so ziemlich jedes Klischee des Sternchens am Modehimmel.

In Szene gesetzt hat das diesjährige Stück wiederum Christoph Frechen, als Souffleuse sorgte Ingrid Stauch für die sichere Rückendeckung, auch wenn „immer alle hoffen, dass wir sie nicht brauchen“, wie Peter Brendel in abschließenden Dankesworten zugab. Ein dickes Danke richtete die Schauspieltruppe an die vielen fleißigen Hände im Hintergrund, ohne die es weder „Theaterbar“ noch Bühnenbild gäbe. Denn schließlich „machen wir alles selbst“.

Die ersten Proben beginnen meist nach den Sommerferien, verteilt werden die Texte schon ein wenig vorher. Spätestens im Herbst beginnt dann die „heiße Phase“, in der sich die Theaterfreunde zweimal pro Woche treffen. Eine Menge Mühe, Zeit und Arbeit für die Hobby-Mimen, die sich – bemessen im Applaus, der bekanntermaßen das Brot des Künstlers ist – lohnt. Auch die fünf in kürzester Zeit ausverkauften Vorstellungen sprechen für Koslars Hobby-Bühne. Am kommenden Wochenende hebt sich der Vorhand noch dreimal: Freitag, 13. März, und Samstag, 14. März, jeweils um 19 Uhr und am Sonntag, 15. März, um 17 Uhr.

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Britta Sylvester
Klönschnacktee mit der Muttermilch aufgesogen und inzwischen beim rheinische Kölsch angekommen. Übt sich in der schreibenden Zunft seit Studententagen zwischen Tagespresse und Fachpublikationen und… wichtig: ließ das JüLicht mit leuchten.

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