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Klassik unplugged

Das Wettbewerbskonzert um den Musikförderpreis des Lions Club Jülich bot ein eindrucksvolles Konzerterlebnis.

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Aufmerksames Publikum, begeisternde Vorträge. Foto: André von der Gracht
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Die Schlosskapelle der Zitadelle Jülich wurde einmal mehr vom Klang klassischer Musik erfüllt. Die Qualität des alle zwei Jahre ausgerichteten Musikförderpreiskonzertes des Lions Club Jülich scheint sich inzwischen herumgesprochen zu haben, freut sich der ausrichtende Club. Der aktuelle Präsident, Dr. Dieter Schnabel, begrüßte die Gäste in einer nahezu vollbesetzten Schlosskappelle.

Neun junge Talente zwischen 8 und 20 Jahren hatten sich eingefunden, um in einem musikalischen Wettstreit um die Förderpreise des Lions Club Jülich zu konkurrieren. Sie alle hatten sich gut vorbereitet mit einem selbst ausgesuchten Stück bereits fünf Wochen zuvor einer Vorauswahl gestellt und wurden dort von einer Fachjury ausgewählt, am Wettbewerb teilnehmen zu dürfen. Ab diesem Zeitpunkt begann für sie eine sicherlich anstrengende Zeit, in der es hieß: üben, üben, üben. Die technischen Fähigkeiten zu trainieren und verbessern, sind dabei nur eine Seite der Medaille. Noch viel schwieriger ist es, sich auf den nervenaufreibenden Abend vorzubereiten, wissen die Veranstalter. Anmoderation, Auftritt in einem vollbesetzten Raum, Applaus, erwartungsvolle Stille. Kloß im Hals. Der erste Ton des Orchesters. Der Einsatz. Die Nervosität und Anspannung war greifbar. Aber spätestens dann waren alle in ihrem Element. Getragen von ihrer Begeisterung für die klassische Musik meisterten alle ihre
Auftritte.

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Schon vor dem Konzert spürte man diese besondere Atmosphäre aus Anspannung, Vorfreude und hektischem Hin und Her zwischen den Einspielräumen und der Bühne. Bereits am Nachmittag probten alle Talente einzeln ihre Stücke mit dem Orchester, um sich den letzten Feinschliff und die nötige Sicherheit vor dem großen Auftritt zu holen. Für das Streichensemble engagierte Professor Stefan Palm Iva Brockmann (Violine), Aki Sakamoto (Violine), Andreas Illgner (Viola), Rainer Bartz (Violoncello) und Georg Klinkenberg (Kontrabass).

Miyabi Sanefuji verzauberte mit ihrem Geigenspiel. Foto: André von der Gracht

Die achtjährige Miyabi Sanefuji eröffnete das Konzert und entlockte dem Publikum so manches Oh und Ah. Hinter dem großen Notenständer war sie kaum zu sehen. Hochkonzentriert und ruhig spielte sie auf der Violine den 1. Satz des Conzertes h-Moll op. 35 von Oskar Friedrich Rieding. So klein, zart und zerbrechlich sie wirken mochte, auf der Bühne zeigte sich Miyabi ruhig und abgeklärt.

Elisaveta Bondareva (11 Jahre) versetzte alle Gäste in das Zeitalter des Barock. Auf der eher selten gespielten Mandoline präsentierte sie den 2. und 3. Satz des Konzertes C-Dur RV 425 von Antonio Lucio Vivaldi. Dieses Instrument zeichnet sich vor allem durch seine Doppelsaiten aus, bei denen jeweils zwei Saiten paarweise auf denselben Ton gestimmt werden. Durch das schnelle Auf- und Abschlagen der Doppelsaiten mit einem Plektrum entsteht der typische, „schwirrende“ Klang, der kurze Töne künstlich verlängert. Begleitet durch das Streichorchester und Stefan Palm am Cembalo zauberte sie eine ganz besondere Atmosphäre auf die Bühne. Sie überzeugte die Jury mit ihrer zarten und ausdrucksstarken Spielweise so sehr, dass sie in der jüngeren Altersklasse (8 bis 16 Jahre) den 2. Platz belegte.

Elisa Rasty gewann den Publikumspreis. Foto: André von der Gracht

Die ebenfalls 11 Jahre alte Elisa Rasty spielte das Concertino in ungarischer Weise a-moll op. 21 von Oskar Rieding auf der Violine. Das Publikum war sofort gefesselt von der Art und Weise, wie sie ihre Leidenschaft für die Musik und ihr Instrument zum Ausdruck brachte. War sie meist sehr konzentriert und ernst, huschte dann doch ab und zu ein kurzes kleines Lächeln über ihr Gesicht. Wahrscheinlich gefielen ihr diese Passagen besonders gut. Oder sie freute sich, dass ihr schwierige Passagen besonders gut gelungen waren. Sie faszinierte die Zuhörer mit ihrem Auftritt so sehr, dass sie am Ende den Publikumspreis gewann.

Clemens Corban, 12 Jahre alt, hatte den 1. Satz des Klarinettenkonzertes Nr. 3 B-Dur von Carl Philipp Stamitz ausgewählt. Mit viel Spielfreude brachte er dem Publikum den besonderen Klang seines Instrumentes näher. Dieses erreicht durch seine spezielle Bauweise einen Tonumfang von fast vier Oktaven. Kein anderes Blasinstrument deckt ein so breites Spektrum von extrem tiefen bis zu sehr hohen Tönen ab. Zum ersten Mal stand die Klarinette im Mittelpunkt eines Auftrittes beim Musikförderpreis.

Florian Franz – auch er elf Jahre alt – brachte mit seiner Violine den 2. Satz des Israeli Concertino a-Moll von George Perlman auf die Bühne. Das Stück besteht aus drei kontrastierenden Sätzen, die traditionelle jüdische und israelische Motive verarbeiten. Mit großer Spielfreude zelebrierte er den langsameren lyrischen Mittelsatz und verzückte die Anwesenden mit seiner Interpretation. Ausdrucksstark und einfühlsam entlockte er seinem Instrument so schöne Klänge, dass er den 3. Platz in der AK 1 belegte.

Sophie Lian (13 Jahre) spielte auf ihrer Querflöte den 1. und 2. Satz des Concerto op. 10 Nr. 4 G-Dur von Antonio Vivaldi. Auch hier ergänzte der musikalische Leiter Stefan Palm mit seinem virtuosen Spiel auf dem Cembalo das Gesamterlebnis barocker Harmonien. Mit einer kontrollierten Atemführung, dem richtigen Blaswinkel und der richtigen Formung der Lippen demonstrierte sie die Brillanz und die Vielschichtigkeit ihres Instrumentes eindrucksvoll.

Emma Engelen, ebenfalls 13 Jahre alt, präsentierte das mit Abstand größte Musikinstrument des Abends: eine Konzertharfe. Alleine der logistische Aufwand, damit auf Reisen zu gehen, ist nicht zu unterschätzen. Sie ließ die Komposition Espérance (Hope) von Catherine McMichael erklingen. Der Klang der Harfe wird oft als „magisch, schwebend oder himmlisch“ beschrieben. Beim Zupfen einer Saite erklingt nicht nur ein einzelner Ton, sondern es schwingen gleichzeitig feine Obertöne mit. Da die Harfe offene Saiten ohne Dämpfung hat, entsteht ein natürliches Mitschwingen, das den charakteristischen „Klangschimmer“ erzeugt. Mit viel Gefühl ließ Emma ihre Finger über die Saiten gleiten. Genau so hat es wohl auch die Jury wahrgenommen. Für ihr leidenschaftliches Spiel wurde sie mit dem 1. Platz in der Altersklasse 1 ausgezeichnet.

Der 17jährige Julius Marx hat schon früher am Wettbewerb um den Musikförderpreis teilgenommen, damals am Klavier. Da es sein großer Traum sei, später in einem Sinfonieorchester zu spielen, und das Piano nicht zur Stardardbesetzung gehört, hat er sich für ein zusätzliches Instrument entschieden. Erst seit vier Jahren spielt Julius zusätzlich Oboe. In dem 1. und 2. Satz des Oboenkonzertes von Alessandro Ignazio Marcello konnte man erahnen, dass ihm das neue Instrument noch besser zu liegen scheint. Gefühlvoll und mit großer Ausdruckskraft entlockte er der Oboe mit ihrem
typischen nasalen, hellen und ausdrucksstarken Klang die schönsten Töne.

Oscar Morris-Spaeth, mit 20 Jahren der älteste Teilnehmer, präsentierte den 2. und 3. Satz des Violinkonzertes d-Moll von Ralph Vaughan Williams.
Mit großer Virtuosität und viel Gefühl zog er das Publikum in seinen Bann und demonstrierte eindrucksvoll, über welch große Erfahrung er in seinen jungen Jahren bereits verfügt. Er ist sowohl als ausführender Musiker als auch als Komponist aktiv. Bereits seit vielen Jahren nimmt er am Wettbewerb „Jugend komponiert“ teil. 2020 erhielt er dort den Sonderpreis Kammermusik der Versicherungskammer Kulturstiftung Bayern. In diesem Zusammenhang wurde er beauftragt, ein Werk für das Violin-Duo „ASAP“ zu schreiben. Zu seinen Kompositionen gehören die Stücke „Bilder einer Burgruine“ für Kammerensembles oder „Das Quarantäne Cello – Ich und mein Holz“ für Solo-Violoncello. Aktuell studiert er an der Robert Schumann Hochschule in Düsseldorf. Bei einer solchen Vita verwunderte es nicht, dass er auch an diesem Abend die Jury mit seinen musikalischen Fähigkeiten überzeugen konnte und den 1. Preis in der Altersklasse 2 (17 bis 21 Jahre) gewann. Es war eine Darbietung, die bereits professionellen Ansprüchen gerecht wurde, loben die Veranstalter rückblickend.

Mit ihm ging ein sehr anspruchsvolles Wettbewerbsprogramm zu Ende. Das Publikum erlebte viele interessante Kompositionen aus verschiedenen Epochen vom Barock bis in die Moderne auf den unterschiedlichsten Instrumenten. Es war ein musikalischer Wettstreit voller Spielfreude und Begeisterung für die klassische Musik auf sehr hohem Niveau. Die Jury, bestehend aus Stefan Palm, Christof Rück, Michael Schöning und Tabea van der Boeken hatte schwierige Entscheidungen zu treffen. Erst nach langer Diskussion haben sie sich auf die erwähnten Preisträger einigen können. Laut dem musikalischen Leiter und Juryvorsitzenden hätten eigentlich alle Talente einen Preis verdient gehabt. Aber abgesehen von der Auszeichnung mit Preisen sei es besonders wichtig, dass jungen Talente die seltene Gelegenheit geboten werde, mit einem kleinen professionellen Orchester vor einem großen Publikum öffentlich aufzutreten und dadurch eine Unterstützung auf dem weiteren Weg ihrer musikalischen Entwicklung zu erhalten. Das gemeinschaftliche Erlebnis eines solchen Konzertabends sei viel wichtiger als Preise und Platzierungen, fasste Stefan Palm zusammen.


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