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Nachgemessen

Andreas Petzold, Martina Krämer und Inge Appuhn von der Bürgerinitiative Stadtbäume sind während der besonders heißen Tage Ende Juni mit dem Thermometer in der Innenstadt unterwegs gewesen. Wie sie vorgegangen sind, was dabei herausgekommen ist und welche Schlüsse daraus gezogen werden können, haben sie selbst beschrieben.

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Ein Team von der Bürgerinitiative war mit dem Thermometer in der Stadt unterwegs. Foto: Martina Krämer
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Rund zehn Tage lang überzog eine extrem lange und stark ausgeprägte Hitzewelle West- und Mitteleuropa. Der Deutsche Wetterdienst registrierte seit seinem Bestehen noch nie so früh im Jahr eine Hitzewarn-Periode dieser Länge. Der damit verbundene Hitzestress der Bevölkerung wird häufig auch als „stiller Killer“ beschrieben, da hitzebedingten Todesfälle nicht so augenfällig sind wie bei anderen Extremereignissen wie Erdbeben oder Überschwemmungen. Angesichts der ungewöhnlich hohen Temperaturen entschloss sich die Bürgerinitiative Stadtbäume innerhalb des Jülicher Klimabündnisses spontan dazu, die exakten Werte rund um den Schlossplatz und in der Innenstadt nachzumessen.

Die Ausrüstung umfasste ein analoges Thermometer – das zuvor im heimischen Kühlschrank gegen zwei weitere Thermometer abgeglichen wurde – zwei UV-Strahlung blockierende Sonnenschirme und Luftfächer sowie ein Fotostativ. Und natürlich genügend Wasser für das Mess-Team, bestehend aus den
Atmosphärenwissenschaftlern Dr. Martina Krämer und Dr. Andreas Petzold und der Architektin Inge Appuhn.

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Für die Messungen wurde das Thermometer mit dem Stativ auf 150 Zentimeter Höhe angebracht und mit den Sonnenschirmen „abgeschattet“, erläutert das Team. Ein leichter Wind während der Messungen sorgte für Kühlung, falls der zu schwach war, wurde mit Fächern nachgeholfen, um das Thermometer gut zu belüften. An jedem neuen Messort hatte das Thermometer etwa 10 Minuten Zeit, um sich auf die aktuelle Temperatur zu bringen. Die gemessene Temperatur wurde mit einem schnelleren zweiten Thermometer abgeglichen. Zwischen den Messorten wurde das Thermometer in einer
Kühltasche jeweils wieder auf 25 Grad Celsius abgekühlt, um Verfälschungen der Messungen zu vermeiden. Mit diesem improvisierten Aufbau konnten die wichtigsten Vorgaben für realistische Temperaturmessungen umgesetzt werden, so die Wissenschaftler.

Das Thermometer zeigt eine Spitzentemperatur von 44,5 Grad. Foto: Martina Krämer

Die erste Messtation war unter der großen Platane am Kirchplatz. Dort registrierte das Mess-Team um kurz vor fünf Uhr am Nachmittag eine Temperatur von 34,5 Grad Celsius. Auf dem Marktplatz im Schatten der neu gepflanzten Bäume vor dem Bauernhofcafé lag die Temperatur wenige Minuten später ein Grad darüber. Vor dem Klettergerüst direkt auf dem Marktplatz wurden um 17.16 Uhr im Schatten der mitgebrachten Sonnenschirme 38 Grad gemessen. Am gleichen Messort in der prallen Sonne registrierte das Team noch einmal zehn Minuten später den Spitzenwert des Tages von 44,5 Grad. Eine Viertelstunde später waren es auf dem Schlossplatz unter den großen Bäumen nahe des Kaiser-Wilhelm-Denkmals deutlich „angenehmere“ 33 Grad Celsius. Am Forschungszentrum wurde, wie üblich, ebenfalls gemessen. Dort registrierten die Thermometer zwischen 16.45 und 17.30 Uhr ebenfalls Temperaturen zwischen 33 und 32 Grad Celsius. Die Bewölkung veränderte sich in der Messzeit nur unwesentlich.

Das Temperaturgefälle entlang der Kölnstraße zwischen dem Schlossplatz unter Bäumen über einer Grasfläche und dem Markplatz in der vollen Nachmittagssonne lag bei satten 11,5 Grad Celsius, konstatiert das Mess-Team am Ende. Zwischen dem Schlossplatz und dem Marktplatz im Schatten lagen immer noch 5 Grad Unterschied. Damit fallen die in Jülich gemessenen Temperaturunterschiede zwischen einem Park und der
Innenstadt genau in den Bereich, der vom Deutschen Wetterdienst für städtische „Wärmeinseln“ beschrieben wird.

Diese hohen Temperaturunterschiede zwischen einem Plätzchen unter einem Baum und auf der Bank in der prallen Sonne auf dem Marktplatz beschreiben mehr als eindeutig die Notwendigkeit, die alten Stadtbäume in Jülich zu hegen und zu pflegen und, wo immer es geht, folgert die BI. Auch im
Innenstadtbereich Bäume anzupflanzen, die dann später große Kronen ausbilden und Schatten spenden können, sei ebenfalls sinnvoll. Eine großangelegte internationale Studie regt daher auch an, angesichts des Klimawandels zur Verbesserung oder zumindest Aufrechterhaltung der Lebensqualität in den Innenstädten eine Baumbedeckung von 30 Prozent anzustreben, teilt die BI mit. Auf dem Weg hin zu diesem Ziel
können in Jülich etwa der Markplatz oder der umgestaltete Schlossplatz mit Sonnensegeln oder Schatten spendenden Kübelbäumen ausgestattet werden.


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