Gleich hinter dem Ortseingang weist ein eher unscheinbares Schild am Kreisverkehr die Richtung zum „Modellflugplatz“. Die Straße runter in Richtung Freialdenhoven zeigt der Wegweiser.
Die Einfahrt zum Platz ist allerdings schnell zu übersehen, so gut versteckt liegt er. Der Schotterweg führt in ein kleines Wäldchen. Und hier tut sich eine ganz eigene Welt auf. Auf den ersten Blick könnte dort auch ein Grillfest stattfinden: Menschen sitzen in kleinen Grüppchen an Tischen und Bänken, trinken etwas, unterhalten sich.
Was zu diesem Bild nicht ganz passen will, sind zwei lange graue „Tische“, auf denen Hubschrauber, Doppeldecker oder auch Segelflugzeuge auf ihren Start warten. Denn hier trifft sich der Modellflugclub SFG Jülich e.V. – und zwar täglich. Sofern es nicht regnet und der Wind nicht allzu heftig bläst, sei eigentlich immer jemand hier, stellen Alex Wirtz und Guido Schneiders übereinstimmend fest.
Seit 30 Jahren treffen sich die Modellflieger auf dem Merzenhausener Flugplatz. In den Anfangsjahren des 1964 gegründeten Clubs war die Start- und Landebahn der Modellsegler zwischen Kirchberg und Pattern. „Dann rückte der Tagebau immer näher“, erklärt Schneiders.
Sein jetziges 10.000 Quadratmeter großes Areal pachtet der Club für einen „kleinen Beitrag“ von der Stadt. Für die Platzpflege sind die Vereinsflieger selbst zuständig. Zäune müssen überprüft, Hecken geschnitten und Rasen gemäht werden. „Hier gibt es Hasen, Kaninchen, Rehe, und in dem Wäldchen da drüben scheint sogar ein Bussard zu wohnen.“ Guido Schneiders weist einmal in die Idylle rundherum. „Die Tiere stören uns nicht, und wir stören die Tiere nicht“, ergänzt der Vorsitzende schmunzelnd.

Sicherlich könne man einfach ein fertiges Modell nehmen und drauflos fliegen, aber das sei irgendwie nur der halbe Spaß. Für ihn sei der Winter Bauzeit, meint Guido Schneiders: „Dann nehme ich mir einen Plan, besorge Material und baue einen neuen Flieger.“ Für den Einstieg sei ein fertiges Modell aus fest zusammengepresstem Schaumstoff optimal, findet Vereinskollege Alex Wirtz. „Das verzeiht dann auch mal einen Absturz“, grinst der erfahrene Flieger, der gerade seinem sechsjährigen Sohn Flugstunden gibt. Denn wenn auch so manches Flugzeug abstürzt, Meister sind noch keine vom Himmel gefallen, und so gilt auch hier: Ohne Üben geht es nicht.
Neulinge starten ihre ersten Flugversuche am besten mit einem erfahrenen Lehrer quasi im Doppelpack. Die zugehörige Fernbedienung kann in den „Lehrer-Schüler-Betrieb“ geschaltet werden, so dass im Bedarfsfall der erfahrene Pilot übernehmen kann. Rund zehn Minuten Flugdauer gibt der inzwischen übliche akkubetriebene Motor der meisten Modelle her.
Manche wie Guido Schneiders setzen lieber auf Methanol als Treibstoff für den Verbrenner. „Ich mag das Geräusch, und es stinkt auch nicht“, widerspricht Schneiders den griemelnden Vereinskollegen, die alle gemeinsam die Flugzeuge begutachten. Denn auch das ist wichtiger Teil des Modellfliegens im Verein: das Gemeinsame. „Sicher kann ich mich alleine ins Feld stellen und losfliegen, aber das Gesellige ist es ja auch“, fasst Schneiders das Vereinsgefühl zusammen.
Wer sich selbst einmal als Pilot ausprobieren möchte, kann entweder einfach einen abendlichen Ausflug zum Flugplatz unternehmen – gutes sprich nicht regnerisches Wetter vorausgesetzt. Oder sich per Email an vorsitzender@sfg-juelich.de melden. Ein paar vereinseigene Flieger stehen für erste Runden zur Verfügung. Ein Lehrer findet sich immer.
















