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Baby Keem: Ca$ino in Köln

Baby Keem bringt Las-Vegas-Feeling nach NRW: Mit viel Vorfreude warten die Fans auf den Grammy-Gewinner, der mit seiner Ca$ino Tour Halt im ausverkauften Palladium in Köln macht. Der 25-Jährige steht dabei zum ersten Mal als Headliner in Köln auf der Bühne und performt die Songs seines zweiten Albums Ca$ino, das im Februar erschienen ist.

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Baby Keem. Foto: Live Nation UK
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Mit dem ruhigen Intro des Albums No Security wurde das Konzert eröffnet. Ein kurzer Teil lief vom Band, bevor Baby Keem mit dem Titelsong des Albums, „Cas$ino“, die Bühne betrat. Der Song folgt auch auf dem Album direkt auf das Intro. Mit viel Energie und Action startete Keem in den Abend.
Schon früh zeigte sich, dass Keem live stimmlich einiges aus seinen Aufnahmen übernimmt. Besonders auffällig ist der extreme Kontrast zwischen seiner tiefen Stimme und der markanten, hohen „Baby Voice“, bei der es sich um eine hochgepitchte Stimme handelt. Die Wechsel zwischen hoher und tiefer Stimme wirken auf der Bühne noch eindrucksvoller als auf der Platte.

Wenn Baby Keem seine „Baby Voice“ einsetzt, wird er dabei vom Band unterstützt. Vor allem gedoppelte Vocals verstärken den Effekt. Eine derart hochgepitchte Stimme live ohne technische Effekte zu reproduzieren, ist schwierig. Die Unterstützung durch das Band sorgt deshalb dafür, dass der charakteristische Sound auch live erhalten bleibt. Abgesehen davon rappte Keem seine Parts live. Dabei wechselte er zwischen schnellen und langsamen Rap-Passagen sowie zwischen tiefer und hoher Stimme, wobei jeder einzelne Zeile saß. Gerade diese Präzision zeigt noch einmal deutlich sein Talent als Rapper und seine Fähigkeit, auch anspruchsvolle Passagen live sicher zu performen.

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Auch das Publikum ist von Beginn an mit dabei. Immer wieder werden „Baby Keem“-Rufe angestimmt, während Keem zwischen den Songs bewusst etwas Zeit verstreichen lässt. Beim Song „I’m Not a Lyricist“ bedankt sich Baby Keem außerdem bei dessen Produzenten Rascal, der aus Aachen kommt. Eine Verbindung zur Region besteht also nicht nur über den Auftritt in Köln: Rascal produzierte bereits Keems Song „Highway 95“ von seinem ersten Studioalbum The Melodic Blue. Auch wenn die Tour im Zeichen des Albums Ca$ino steht, spielt Keem im Laufe des Abends viele Songs aus seiner bisherigen Diskografie. Neben Songs von The Melodic Blue sind auch Stücke aus seinem zweiten Mixtape Die for My Bitch dabei. So spielt er unter anderem „Moshpit“ sowie „Orange Soda“ – den Song, mit dem er erstmals größere Aufmerksamkeit bekam.

Auch optisch setzt die Show immer wieder Akzente. Denn das Bühnendesign erinnert an Las Vegas: Eine riesige, leuchtende Box dominiert die Bühne, versehen mit einem großen „Casino“-Schriftzug. Dazu wechseln Casino-Sounds, Spielautomaten-Symbole und persönliche Familienaufnahmen mit grellem Stroboskoplicht und dichtem Nebel. Keem ist in Las Vegas aufgewachsen, wodurch die Inszenierung eine persönliche Note bekommt. Die Bühne wird so selbst zum Spiegel der Themen der Ca$ino Tour – zwischen Erfolg, Verlust und persönlicher Geschichte. Bei mehreren Songs erscheint außerdem eine Tänzerin im Stil einer klassischen Las-Vegas-Show: großer Hut, weißes, knappes Outfit und lange, auffällige Federn. Sie ergänzt die ohnehin auffällige Inszenierung und verstärkt das Casino-Thema der Show.

Zwischendurch nimmt sich Keem außerdem Zeit, Vinyls zu unterschreiben, die ihm aus dem Publikum gereicht werden. Dadurch entstehen immer wieder persönliche Momente zwischen Künstler und Fans.

Wie textsicher die Menge an diesem Abend ist, wird besonders beim Fanliebling „Family Ties“ deutlich. Sobald die ersten Blassinstrumente des Beats zu hören sind, ist das Publikum im Feiermodus. Nach der ersten Performance des Songs fordert die Menge lautstark: „One more time“. Keem kommt der Aufforderung nach und spielt den Song ein zweites Mal. Als die zweite Strophe beginnt, übernimmt die Halle komplett und rappt den Part a cappella mit. Ein Moment, der ziemlich eindeutig zeigt, wie textsicher das Kölner Publikum an diesem Abend ist – und welchen Stellenwert „Family Ties“ und Baby Keem für die Fans haben.

Die Energie der Menge hat allerdings auch ihre Schattenseiten. Gerade bei den Moshpits zeigt sich ein bekanntes Problem, das man bei Konzerten immer wieder beobachten kann: Viele wissen genau, wie ein Moshpit funktioniert, achten aufeinander, helfen Gefallenen wieder hoch und gehen verantwortungsvoll miteinander um. Andere scheinen dagegen vor allem möglichst hemmungslos „ragen“ zu wollen und vergessen dabei, dass neben ihnen ebenfalls Menschen stehen. Der Unterschied ist an diesem Abend deutlich spürbar. Hinzu kommt die Hitze in der Halle. Immer wieder müssen Besucher von Sanitätern aus der Menge gebracht werden. Nicht jeder dieser Fälle dürfte dabei zwangsläufig mit den Moshpits zusammengehangen haben. Die hohen Temperaturen und die dicht gedrängte Menge machen den Abend zusätzlich anstrengend.

Umso stärker fällt der Kontrast zum Ende des Konzerts aus. Nachdem die Show zuvor von Moshpits, lauten Chören und maximaler Energie geprägt war, wird es noch einmal persönlich. Als letzten Song spielt Baby Keem „No Blame“, den berührenden Abschlusstrack des Albums. Darin thematisiert er die von Sucht geprägte Beziehung zu seiner Mutter, der er trotz seiner schwierigen Kindheit ohne Vorwürfe begegnet. Der deutlich ruhigere Song setzt einen persönlichen Schlusspunkt. Zum Ende des Songs erinnert Baby Keem außerdem an seine im Februar verstorbene Großmutter, bei der er aufwuchs und die ihm mit einem Keyboard den Weg in die Musikwelt eröffnete. Ein letztes persönliches Andenken, bevor die Lichter auf der Bühne ausgehen.

Das war also Baby Keems erste Headliner-Show in Köln. Er zeigt an diesem Abend, dass er nicht nur als Rapper, sondern auch live einiges zu bieten hat: präzise Performances, maximale Energie und eine konsequent auf das Casino-Thema abgestimmte Inszenierung. Gleichzeitig gibt er immer wieder persönliche Einblicke und schafft damit einen Kontrast zur sonst so energiegeladenen Show. Am Ende bleibt ein Konzert, das vor allem durch seine Mischung aus Energie, Inszenierung und persönlichen Momenten in Erinnerung bleibt.


Hinweis an die Leserschaft: Es gab an dem Abend ein Fotoverbot vom Management, deswegen gibt es ausnahmsweise keine Fotos vom Konzert.


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