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Weit gereist, in Overbach angekommen

Oblaten, das sind doch die kleinen runden „Kekse“, die der Pfarrer beim Abendmahl überreicht, oder? Angesichts dieser Frage schmunzeln die zwei Männer, die einträchtig nebeneinander am Tisch sitzen, ein wenig. „Schon“, meint Pater Konrad Eßer, ergänzt dann aber lächelnd die zweite Bedeutung: „Ein Oblate ist jemand, der sich Gott schenkt.“

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Seit 60 Jahre Brüder im Glauben: Die Patres Manfred Karduck (links) und Konrad Eßer. Foto: Britta Sylvester
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Sich „Gott schenken“, dafür haben sich Manfred Karduck und Konrad Eßer bereits vor Jahrzehnten entschieden. Jetzt feiern die beiden Patres vom Orden der „Oblaten des Heiligen Franz von Sales“ ihr 60-jähriges Ordensjubiläum.

Eigens angereist für die sonntägliche Feier ist Pater Josef Költringer, der zwölf Jahre lang als Oberer die Geschicke der kleinen Ordensgemeinschaft im Haus Overbach leitete. Ein Haus, das für die Jubilare seit langem ihr Zuhause ist.

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„Schauen Sie mal raus. Haben wir es nicht schön hier?“, weist Pater Karduck auf den Blick vom Balkon ins Grüne hinaus. Als er nach Barmen kam, sei dort draußen noch ein großer Nutzgarten gewesen, erinnert sich der Pater. Praktisch „sein ganzes Leben“ hätte er hier verbracht, so Karduck, der schon als Junge am Barmener Gymnasium die Schulbank drückte.

Dann allerdings wechselte er nach Schleiden in die Eifel. Einer seiner Klassenkameraden dort war Konrad Eßer. „Wir haben zusammen Abitur gemacht, sind in den Orden eingetreten und haben gemeinsam studiert“, erzählen die zwei Gottesmänner von ihrem langen Weg.

Nur die gemeinsame Priesterweihe am Ausbildungsort Paderborn hat dann nicht ganz geklappt. Eine Krankheit bremste Pater Karduck kurzzeitig aus. Seine Weihe musste um acht Tage verschoben werden.

Patronatstag in Overbach. Foto: tee
Der Heilige Franz von Sales im Innenhof. Foto: Archiv

Aus Westfalen ging es für die zwei Rheinländer dann, immer noch gemeinsam, nach Overbach. Während die Wege des Herrn Konrad Eßer nach einem halben Jahr zunächst als Pfarrer zurück in seine Heimatstadt Köln, von dort wieder nach Schleiden und schließlich kreuz und quer durch die Welt führten, übernahm Manfred Karduck als Präfekt der Oberstufe am Gymnasium Haus Overbach Verantwortung.

Der leidenschaftliche Musikfreund etablierte die reiche musikalische Landschaft in Barmen. Das erste Adventssingen 1968 war der Startschuss, dem die Gründung von Kinderchor und schließlich das Blasorchester folgten. „Aus dem kleinen Saatkorn ist ein richtiger Baum geworden“, findet ein zufrieden lächelnder Pater Karduck einen biblischen Vergleich. Für seine Verdienste um die Musik wurde Manfred Karduck mit dem Ehrenring der Stadt Jülich ausgezeichnet.

Die ebenso beliebte wie traditionsreiche Overbacher Kirmes am letzten Septembersonntag ist ebenfalls eine Idee des einstigen Lehrers gewesen. Mit „seinen Musikern“ ist Karduck viel gereist, einmal sogar bis nach Island. Auch neun Schallplatten sind unter seiner Ägide entstanden. „Das war eine schöne Zeit“, blickt er zurück und verweist quasi am Rande auf seine Überzeugung, dass Musik für menschliche Harmonie sorge.

„Die Flötentöne hat er mir beigebracht“, lächelt Mitbruder Konrad Eßer verschmitzt und erzählt, dass sein Schulfreund tatsächlich schon als Schüler im Klerikat ein kleines Blockflötenensemble leitete. Frei nach dem Motto „das größte Instrument für den kleinsten Musiker“ spielte Konrad Eßer die beinahe bodenlange Bassflöte.

Statt einer musikalischen Karriere schlug er jedoch eine Laufbahn in der Ordensverwaltung ein. Von 1972 bis 78 bekleidete er das Amt des Pater Provinzials für die deutsche Ordensprovinz.

Neben der Leitungsverantwortung bedeutete dieses Amt auch zahlreiche Reisen. Von Amerika nach Brasilien und Indien bis hin nach Afrika habe er die Provinz „ein bisschen gestützt“, übt sich der ehemalige Ordensobere in Bescheidenheit.

Später sei er noch in die Generalleitung des Ordens berufen worden. Ein Amt, das unter anderem engen Kontakt mit Rom mit sich brachte. Ja, dort sei es schon schön, befindet der vielgereiste Pater, der seit 30 Jahren wieder in Barmen lebt, und ein kleines Aber schwingt mit. Sie seien an vielen schönen Orten dieser Welt gewesen, stellen die langjährigen Weggefährten daraufhin einstimmig fest.

Auf die Frage, wo es am schönsten war, kommt dann auch schnell ein überzeugtes „In Overbach.“ „Und wenn es nach uns geht, bleiben wir auch einfach hier“, schiebt Pater Karduck „zuversichtlich und optimistisch wie Franz von Sales“ hinterher.

Am Sonntag wird in der Klosterkirche Overbach um 11.15 Uhr eine Festmesse mit anschließendem Empfang im Innenhof gefeiert. „Das Wetter soll gut werden. Unser Freund Professor Albert Richenhagen spielt Orgel, und der Kammerchor wird singen. Wir freuen uns“, fasst Pater Manfred Karduck für sich und seinen Weggefährten die vergangenen 60 Jahre zusammen.


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