Dass er mal so hoch hinaus wollen würde, hat Adrian Gase selbst nicht geahnt, gibt er lachend zu. Jetzt treibt er sich tagtäglich in luftiger Höhe herum: Der Jugendliche macht gerade seine Ausbildung zum Dachdecker.
„Den Beruf hatte ich eigentlich gar nicht auf dem Schirm“, erzählt Adrian. Nur eines war schon zu Schulzeiten klar, so der ehemalige Sekundarschüler, der schon als Zehnjähriger in die Jugendfeuerwehr eintrat: „Ich wollte immer Berufsfeuerwehrmann werden.“ Schuld war übrigens die Kindergeschichte rund um „Feuerwehrmann Sam“, schmunzelt der angehende Geselle.
Wer jetzt aber denkt, die Dachdecker-Ausbildung und der Traumberuf passten nicht so ganz zusammen, wird im Gespräch mit dem jungen Mann eines Besseren belehrt. „Man braucht eine handwerkliche Ausbildung, wenn man zur Berufsfeuerwehr möchte“, weiß Adrian. Eine „für den feuerwehrtechnischen Dienst geeignete Gesellenprüfung“ besagt die entsprechende Landesverordnung.
Warum es ausgerechnet die Dachdeckerei wurde? Auch das ist für Adrian Gase ganz einfach zu beantworten. Sein Onkel habe am eigenen Haus das Dach neu gedeckt und in der Familie um Hilfe gebeten. Und dann ging alles ganz schnell. „Da hab‘ ich den Spaß an dem Beruf entdeckt“, lächelt der angehende Geselle schulterzuckend.
Vermeintlich wackelige Leitern und hohe Gerüste seien zwar am Anfang etwas gewöhnungsbedürftig gewesen, aber „man wird schnell sicherer“. Höhenangst sollte man besser nicht haben, meint Adrian folgerichtig, berichtet aber von Mitschülern an der Berufsschule in Eschweiler, die ihren anfangs reichlich großen Respekt vor der Höhe erfolgreich bekämpft hätten.
Ein bisschen handwerkliches Vorwissen sei auch ganz nützlich, findet Adrian. Und fügt noch schnell hinzu, dass man „in Mathe ganz gut sein sollte“, gibt anderen Interessierten aber mit auf den Weg, dass man keine Angst vor den Formeln haben müsse. Schließlich hat man „alles ganz praktisch vor Augen“, und digitale Hilfsmittel gebe es auch.
„Wir machen hauptsächlich Steildächer“, erläutert der Jung-Profi. Manchmal sei auch ein Flachdach dabei. Neben der kompletten Neu-Eindeckung des vom Zimmerer aufgebauten Dachstuhls bei Neubauten gehören auch Reparaturen oder Renovierungsarbeiten zum Alltag.
Gearbeitet wird „eigentlich bei jedem Wetter“, es sei denn, es regnet Bindfäden, oder die Dächer sind gefroren. In dem Fall gibt es in der überdachten Werkstatt genug zu tun.
Das Arbeitsmaterial wie Latten und Dachziegel wird in Adrians Ausbildungsbetrieb von Dachdeckermeister André Tiede in Barmen per Kran oder Aufzug aufs Dach gebracht. „Da hab‘ ich Glück gehabt“, lacht Adrian, gibt potentiellen neuen Kollegen aber gleich mit auf den Weg, dass ein bisschen körperliche Fitness nicht schaden könne.
„Am besten macht man erst mal ein Praktikum“, empfiehlt er dann noch, auch wenn er selbst darauf verzichtet hat. Der familiäre Einblick in die Dachdeckerei reichte ihm aus.
Monate vor dem Schulabschluss hat er angefangen, Bewerbungen an Betriebe im Umkreis zu schicken – ausgesprochen erfolgreich, resümiert der Azubi zufrieden, dass er mehrere Gespräche hatte und nur eine einzige Absage kassiert habe. Und die gab es auch nur, weil der Betrieb keine freie Lehrstelle mehr hatte.
Und was ist jetzt mit der Feuerwehr? „Das ist schon noch der Plan, aber die Ausbildung macht viel Spaß. Vielleicht bleib‘ ich noch länger“, grinst Adrian vielsagend.
Die Ausbildung zum Dachdecker dauert drei Jahre. Bei guten Leistungen ist auf Antrag eine Verkürzung möglich. Voraussetzung ist mindestens der Hauptschulabschluss.





















