Zehn Menschen aus zehn verschiedenen Nationen gemeinsam in einem Raum und das tagtäglich – ist das eine gute Idee? Und wie, findet das Team von René van Endern. Babylonisches Sprachgewirr herrscht jedenfalls nicht in den gemütlich eingerichteten Räumen an der Kleinen Rurstraße.
„Amtssprache“ ist Deutsch, grinst HDI-Niederlassungsleiter van Endern. Zusammengefasst kommen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auf 20 Sprachen, von denen 10 fließend und die anderen zumindest ansatzweise gesprochen werden, berichtet die auszubildende Kauffrau für Büromanagement Dilara Alyürük, deren Muttersprache türkisch ist.
„Ich finde das faszinierend“, stellt der Geschäftsführer immer noch leicht verwundert fest. Geplant war die bunte Nationalitäten-Mischung nicht. Das habe sich so ergeben. „Ein Aushang im Fenster war der Gamechanger“, lacht der Versicherungskaufmann.
Per Zettel hatte er nach Unterstützung für die wachsende Geschäftsstelle gesucht, nachdem klassische Anzeigen und eine Kooperation mit der Arbeitsagentur nicht so gut funktioniert hätten.
Auch der gebürtige Albaner Marko Gjini fühlte sich angesprochen und betrat kurz entschlossen das Ladenlokal. Man beschnupperte sich, fand sich nett und wurde handelseinig.
Die damals noch wackeligen Deutschkenntnisse waren kein Hindernis. „Die ersten zwei Minuten entscheiden“, ist für René van Endern klar. Gegenseitige Sympathie hält der Kaufmann für deutlich wichtiger als Herkunft oder Schulnoten.
Leider, stellt van Endern bedauernd fest, sehe er sich immer wieder mit bürokratischen Hindernissen konfrontiert. In Markos Fall sei etwa die Arbeitserlaubnis auf ein bestimmtes Berufsfeld beschränkt gewesen. Der junge Mann hatte seinen Chef offenbar derart beeindruckt, dass der sich erfolgreich mit den Behörden auseinandersetzte und schließlich seinen neuen Mitarbeiter einstellen durfte.
Der Rest ist Geschichte, Markos Deutschkenntnisse inzwischen sehr gut. „Jeder lernt hier vom anderen“, erzählt Nour Hussain, die – gemeinsam mit ihrer Cousine – ihre syrische Familiensprache zum bunten Portfolio beisteuert. Diego Gonzalez ist nicht nur für den besten Bürokaffee zuständig, sondern bereichert die Sprachenvielfalt um Spanisch – die gute Laune gibt es gratis dazu.
„Jeder darf hier so sein, wie er ist“, ergänzt Chakir Berkal und weist strahlend auf die Gitarren an der Wand. „Die habe ich hier aufgehängt“, freut sich der gebürtige Marokkaner, das er seinem Arbeitsplatz zudem eine persönliche Note verleihen darf.
Und was sagen die Kunden? Die profitieren von den Sprachkenntnissen, befindet der Chef, denn schließlich seien Versicherungen keine ganz einfache Materie.
Da helfe es schon einmal, wenn die Beraterin in der eigenen Sprache die Details erläutern könne, wenn es mit der schwierigen deutschen Sprache auf Kundenseite noch ein bisschen hapert. Eine Wunschsprache hat van Endern aber doch noch: „Mandarin fehlt noch“, stellt er lachend fest.
„Wenn die ganze Welt so wäre, wie es hier bei uns ist, dann hätten wir viele Probleme nicht“, ist sich Chakir Berkal sicher. Überall gibt es kopfnickende Zustimmung: „Wir verstehen uns super.“ „Nur die WM gucken wir lieber nicht zusammen“, schiebt ein Kollege schmunzelnd hinterher.



















