Bevor es jedoch mit der musikalischen Unterhaltung losging, stand zunächst ein ganz besonderer Programmpunkt auf dem Plan: die Vorführung des Dokumentarfilms „We Built This City“ von Tristan Pionke. Der Filmemacher, der ursprünglich aus Jülich stammt, widmete sich darin der Musikszene des KuBas. Anschließend übernahmen Bands und Sänger die Bühne, die alle auf die eine oder andere Weise mit der Geschichte des Kulturbahnhofs verbunden sind.
Ursprünglich hatte Tristan geplant, zwei Fassungen des Films zu erstellen: eine längere Version und eine etwa 15-minütige Kurzfassung für den Jubiläumsabend. Letztendlich entschied er sich jedoch dafür, die vollständige 37-minütige Version zu zeigen.
Eine Entscheidung, die sich als richtig herausstellte. Denn die Zuschauer verfolgten den Film aufmerksam und waren sichtlich bewegt. Bei einigen flossen nach der Vorführung sogar Tränen. Viele hätten sich sogar noch eine längere Fassung des Films gewünscht.
Die Dokumentation nahm die Zuschauer mit auf eine Reise durch die Geschichte des KuBas. Sie erzählte von dessen Gründung, den anfänglichen Schwierigkeiten, Live-Shows aufgrund behördlicher Auflagen auf die Beine zu stellen, bis hin zur heutigen Situation des Kulturbahnhofs.
Besonders lebendig wurde der Film durch zahlreiche Einspieler von langjährigen Weggefährten des KuBas sowie durch historisches Videomaterial aus mehr als 30 Jahren Kulturbahnhof. So entstand ein bewegender Rückblick auf drei Jahrzehnte voller Musik, Begegnungen und gemeinsamer Erlebnisse.
Damit kommen wir zum musikalischen Teil des Abends. Und was hat den KuBa musikalisch über all die Jahre besonders geprägt? Natürlich die Punkmusik! Kein Wunder also, dass an diesem Jubiläumsabend Punkrock den Ton angab. Ganz im Sinne der musikalischen Wurzeln des Kulturbahnhofs.
Den Auftakt machte die Band Flügge. Aus echten KuBa-Originalen besteht die Band: Tobi, Fiffi und Matt, der erst kürzlich als neuer Schlagzeuger dazugekommen ist. Mit dem Kulturbahnhof verbindet Flügge insbesondere die Klare-Kante-Konzerte, die mittlerweile fest zum Programm gehören und im kommenden Jahr sogar in die vierte Runde gehen sollen. Gleichzeitig steht Flügge für frischen Wind in der Bandszene des KuBas und zeigt, dass hier auch eine neue Generation von Musikern ihren Platz findet.
Musikalisch setzt Flügge auf deutschsprachigen melodischen Punkrock, der neben ordentlich Energie auch nachdenkliche Texte mitbringt. Eine besondere Überraschung hatten die Musiker ebenfalls im Gepäck: Sie präsentierten ihren neuen Song „Inventar“, der gemeinsam mit Uli Sailor aufgenommen wurde. So kam es an diesem Abend auch musikalisch zu einer schönen Verbindung zwischen den verschiedenen KuBa-Generationen.
Als Nächster betrat Uli Sailor mit seinem Punkrock-Piano die Bühne – wohl eines der bekanntesten musikalischen Kinder des KuBas. Der gebürtige Bourheimer blickt auf eine lange Geschichte mit dem Kulturbahnhof zurück.
Seine musikalischen Anfänge reichen bis 1992 und zur Gründung der D-Sailors zurück. Damit gehörte er zu denen, die die Anfangszeit des KuBas hautnah miterlebten – lange bevor es für Uli auf die großen Bühnen ging.
An diesem Abend präsentierte Uli Sailor unter anderem Songs aus seinem aktuellen Album „Besser anders“. Sein besonderer Stil verbindet kraftvollen Punkgesang mit dem akustischen Klang seines Pianos. Dass der Auftritt für ihn mehr als ein gewöhnliches Konzert war, zeigte sich in seinen mehrfachen Dankesworten ans Publikum.
Dabei betonte er, sich stets als Teil der KuBa-Gemeinschaft gesehen zu haben. Auch das Publikum war von Anfang an mittendrin: Es wurde mitgesungen, mitgefeiert und gemeinsam zelebriert. Nach einer Zugabe mit drei weiteren Songs beendete Uli schließlich sein Set.
Als dritte und letzte Band des Abends betraten The Go Faster Nuns aus Bamberg die Bühne und drehten noch einmal richtig auf – inklusive einiger Stage-Dive-Momente. Die 1999 gegründete Band beschreibt ihren Sound selbst als Punkrock, ohne dabei das Genre-Rad neu erfinden zu wollen.
Auch die Go Faster Nuns verbindet eine längere Geschichte mit dem KuBa: Bereits in den 2000er Jahren stand die Band auf dessen Bühne. Nach ihrer Auflösung 2009 fanden sie 2018 wieder zusammen. Umso mehr freuten sie sich über die Rückkehr zum 30-jährigen Jubiläum.
„Deswegen finden wir es super cool, zum 30-Jährigen hier sein zu können“, sagte Gitarrist T. van Guzyfer. Neben älteren Songs präsentierte die Band auch neues Material. Im Januar wollen sich die Musiker im Studio einschließen, um an ihrem neuen Album zu arbeiten.
Doch das Jubiläum zeigte nicht nur, wie eng Musik und Geschichte mit dem KuBa verbunden sind, sondern auch, wie vielfältig sich der Kulturbahnhof über die Jahre entwickelt hat.
Für Geschäftsführer Cornel Cremer sind 30 Jahre KuBa vor allem ein Zeichen dafür, wie vielfältig Kultur in Jülich sein kann. Was einst als Zentrum für Jugendkultur begann, ist heute ein Veranstaltungsort für alle Generationen und unterschiedlichste Kultursparten – von Punkrock über Jazz bis hin zu Kino und Kinderkultur.
„Ein Haus zu schaffen, in dem sich alle zu Hause fühlen und alle Vergnügen haben können und sich wohlfühlen“, beschreibt Cremer als eines der wichtigsten Ziele. Der Jubiläumsabend mit Film und drei Bands war für ihn zugleich ein besonderes Wiedersehen fast wie ein Klassentreffen.
Der Jubiläumsabend hat einmal mehr gezeigt, was den Kulturbahnhof ausmacht: Menschen und Generationen zusammenzubringen, Raum für Kultur zu schaffen und dabei vor allem eines nicht zu verlieren – die Leidenschaft für Musik. Und wenn es nach diesem Abend geht, darf es auch in den nächsten 30 Jahren gerne laut bleiben!
Mehr dazu:
KiB trägt KuBa
Zum Podcast KuBa-Talk zum 30.
Fotos von Ariane Schenk, Arne Schenk und Oliver Garitz
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