Start Magazin Festival Heiße Höschen, Beats und viel „WauWau“

Heiße Höschen, Beats und viel „WauWau“

Der Zeltboden am Sandweg in Güsten bebte – und das ist durchaus wörtlich gemeint. Zur 21. Männerballettmeisterschaft der KG Schnapskännchen präsentierten sich zehn Mannschaften auf der Bühne und ernteten frenetische Begeisterung.

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Standfest und tänzerisch auf Platz 1: Die Horny Hornets aus Gangelt. Foto: Dorothée Schenk
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Die Bässe wummern, die Frauen kreischen, der Boden bebt und schließlich bellt das ganze Publikum: Es ist Männerballettmeisterschaft im Festzelt am Sandweg in Güsten, oder wie Thomas Beys, Moderator und Sitzungspräsident der KG, grinsend meint, „quasi die Weltmeisterschaft des Männerballetts“. Schon zwei Wochen vor dem Wettstreit war die Veranstaltung ausverkauft, verriet Beys. Närrische elf Mannschaften waren gemeldet. Die Lokalmathadore Funky Boys von der TSG Rot-Weiße Funken Güsten, die ihren Premierenauftritt gehabt hätten, mussten krankheitsbedingt passen. Da waren es „nur noch“ zehn. Nach dem Auftakt mit Penelope Crew zeigten die weiblichen Gegenparts der Rot-Weißen als Eisbrecher was Funky Vibes sind. Grandios setzten die Frauen tänzerisch herausragend und athletisch gekonnt die Diskografie von Michael Jackson in Szene.

Allen gemeinsam bei diesen Wettbewerben ist die Lust am Geschichtenerzählen: Die Götterwelt um Herkules wurde von den Dancing Donkey beschworen, die beste Zeit des Lebens aus den 90ern von den Rurblümchen, als Feuerlöscher und Katzenretter legten die Wild Boys eine heiße Nummer hin, während die KG beim Almabtrieb zu beobachten waren. Die Ahle Hoot Stepper luden zum Männerabend, die Hopfendancer nach Las Vegas, die Rurhöpper zum Tag der Toten nach Mexiko und die Horny Hornets zur Kreuzfahrt auf die gleichnamige MS. Zwischen Vergangenheit und Zukunft liegt der Tanz, wie eindrucksvoll zwischen KI zur Menschlichkeit das Herrenballett Hellenthal zeigte.

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Bei der tänzerischen Erzählfreude enden aber die Gemeinsamkeiten zu den Damen. Nach dem Auftritt der sportlich geprägten Frauenmannschaften war schnell klar, wo die großen Unterschiede zum Herrenballett liegen. Der Akzent der Männer liegt auf Kraft, auf den Beats und Bässen, und vor allem ist bei den Herren auch der Mut zur Hässlichkeit ein Teil des Auftritts. Das gilt natürlich vor allem dann, wenn Rock-Rollen gefragt sind: In abstruser Kleidung und schrägen Perücken werden Frauen eher als Lach- denn als Lustobjekt in Szene gesetzt. Den Vogel abgeschossen haben an dem Abend die Ahle Hoot Stepper: Frau in Blau im Gymnastikdress mit Bart und viel Holz vor der Hütt’n – hätte man beim Almabtrieb gesagt. Natürlich betreffen die Unterschiede vor allem auch die Outfits: Körperbetont ist bei Frauen Standard – wenn es bei Männern ums Körperbetonte geht, ist da schnell eine Uniform, das Unterhemd oder Muskelshirt am Start. Und natürlich reicht es auch schon, wenn Hemd oder Jacke nackte Haut entblößend kurz über die Schulter gezogen werden. Das veranlasst die Damenwelt sofort zu johlender Zustimmung. Zuweilen war an diesem Abend das Testosteron fast schnittfest in der Luft des Wettbewerbszeltes zu greifen. Zur sichtbaren Verblüffung der Tänzer flogen schon beim Auftritt von Startplatz 1 rote Spitzenhöschen und rote Rosen auf die Bühne. Das aber war die Ausnahme. Allgemein präsentierte sich das Publikum vor allem ausgesprochen sangesfest: Kein Gassenhauer, kein Hit, der nicht einen begeisterten Backing-Chor in der Gästeschar fand. Aber das macht die Stimmung eben aus, und so wünschen sich Publikum und Veranstalter das natürlich.

Die schwerste Aufgabe hatte die neunköpfige Jury, die bei den wirklich sehens- und (siehe oben) hörenswerten Beiträgen die Sieger küren musste. Jede Teilnehmer-Mannschaft entsendete ein Mitglied in die Jury. Bewertet wurden Aufmarsch, Choreografie, Synchronität, Schwierigkeitsgrad, Kostüme, Kostümwechsel sowie Gesamteindruck und Publikumsbegeisterung. Wie zwischen Stufe 1 bis 3 unter der Anleitung von Moderator Tom Beys die Nuancen der Bell-Geräusche zu hören waren, dürfte das Jury-Geheimnis bleiben. Der Publikumsreaktion nach waren alle Mannschaften pokalverdächtig.

Und, so hieß es: Es sei auch wirklich knapp gewesen. Auf dem Siegertreppchen wurde es eng, lagen die Mannschaften so eng wie noch nie beieinander. Auf Platz 3 landete das Herrenballett Hellenthal. Die KG Lot de Jung in Ruh erreichte den Vizemeistertitel. Der Siegerpokal ging an die Titelverteidiger aus dem Heinsberger Land, an die Horny Hornets aus Gangelt. Platz vier erreichten die Wild Boys, die in diesem Jahr bereits zum 20. Mal dabei waren, 15-mal unter den besten fünf (inklusive 2026) landeten und bereits sechsmal den Titel geholt haben. Knapp dahinter auf Platz 5 kamen die Hopfendancer. Den Sonderpreis, den Schnapskännchen-Pokal, holten die Ahle Hoot Stepper, die eine unfassbare Fan-Meile mit Pompons in Vereinsfarben an den Start gebracht hatten und für einen Riesenspaß im Saal sorgten.

Die Sieger wurden gebührend auf der Bühne gefeiert, ehe es lückenlos bis weit nach 2 Uhr mit der Aftershowparty weiterging.

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Dorothée Schenk
HERZOGin mit Leib und Seele. Mein HERZ schlägt Muttkrat, Redakteurin gelernt bei der Westdeutschen Zeitung in Neuss, Krefeld, Mönchengladbach und Magistra Artium der Kunstgeschichte mit Abschluss in Würzburg. Versehen mit sauerländer Dickkopf und rheinischem Frohsinn.

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