Kaiser, König, Edelmann, Bürger, Bauer, Bettelmann – die Reihenfolge ist laut altem Kinderspiel ganz klar, und ein Blick in die Geschichtsbücher lehrt, dass es in der feudalen Ständegesellschaft früherer Zeit nicht mal so eben möglich war, in den Adelsrang aufzusteigen. Einer, der das geschafft hat – zugegeben Jahrhunderte später – ist Andreas Steinbusch.
Ursprünglich Bauer im Dreigestirn der GKG Fidele Brüder der Session 2003/04 wurde aus dem Koslarer Jung qua Urkunde der „Baron von Rothensteyn“. „Eigentlich war ich immer der ‚Blücher‘“, grinst Steinbusch, „auch schon mal mit dem Zusatz Generalfeldmarschall.“ Wie sein Vater und der Opa hörten die Steinbusch-Männer der Reihe nach auf den Spitznamen des Napoleon-Bezwingers. Der Grund dafür ist simpel: Das Haus der Familie lag am Blücher-Platz in Koslar.
Mit dem Vater teilt sich „Andy“ Steinbusch nicht nur die Bezeichnung, auch das Talent fürs „Quatschen“ liegt wohl in den Genen. „Jung, du musst in die Bütt“, habe der Vater gesagt. Für Klein-Andy offenbar eine genauso klare Sache. Er zögerte nicht lange und bestritt mit der von Papa geschriebenen Rede seine erste Session auf der Karnevalsbühne. Der nächste karnevalistische „Karriereschritt“ folgte prompt: Der spätere Baron von Rothensteyn nahm Platz im erlauchten Kreis des Kinderelferrats. „Da gab es alles, was es zuhause nicht gab: Cola, Chips…“ Steinbusch freut sich noch rückblickend über die kleinen Extras, die das Amt so mit sich brachte.
Inzwischen schwingt der Baron das Zepter in der Prinzengarde, deren Kommandant er seit Gründung im Jahr 2008 ist. Und auch das Mikro hat Andy Steinbusch seit Jahren fest in der Hand: Er moderiert als Sitzungspräsident der Fidelen Brüder die Veranstaltungen der violett-gelben Karnevalisten.
„Emol Prinz ze sin“, ist für viele Jecken der große Traum – da macht auch der Herr von Rothensteyn keine Ausnahme: „Prinz werden steht bestimmt irgendwann mal zur Debatte.“ Dafür braucht es dann auch keine offizielle Ernennungsurkunde, wie sie den Adelstitel „Baron“ begleitet. Diese gab es übrigens von einem Kegelbruder als Weihnachtswichtelgeschenk vor einigen Jahren. Warum genau sein Wichtel dieses Präsent wählte, weiß Steinbusch selbst nicht genau. Fakt ist, dass er den schmucken Titel mit gewisser Freude trägt und sein Wackelkopf-Pendant mit Baronschriftzug einen Ehrenplatz im „FC-Fankeller“ hat. Denn neben dem Karneval schlägt sein Herz für den rot-weißen Fußballclub vom Rhein. Wenn es der vollgepackte Terminkalender erlaubt, fährt der Dauerkartenbesitzer regelmäßig zum Heimspiel nach Köln.
Apropos Termine – wer sich entscheidet, im Karneval aktiv zu sein, hat eine Menge zu tun. Glücklicherweise ist die Dame an der Seite des Barons nicht minder jeck und ebenfalls im KG-Vorstand aktiv. „Es ist stressig, aber wenn es keinen Spaß machen würde…“, meint der Baron-Kommandant-Sitzungspräsident dazu, zuckt schmunzelnd die Schultern und weiß genau, welch‘ Glück er hat, denn „ohne das Verständnis wäre das sicher nicht möglich“.
Da mit dem Adelstitel kein plötzliches Vermögen oder großer Landbesitz einhergingen, tauscht Andy Steinbusch im normalen Leben die schmucke Uniform – die einem Generalfeldmarschall Blücher wohl auch zur Ehre gereicht hätte – gegen sehr bürgerliche Jeans und Shirts und den Säbel gegen Hammer, Schraubendreher, und was sonst ein Hausmeister so braucht. Seit acht Jahren sorgt der gelernte Elektroinstallateur an der Gesamtschule in Aldenhoven dafür, dass alles repariert wird und funktioniert, was eine Schule so braucht. Ob er dafür den klassischen grauen Kittel überstreift, den sein Amtskollege „Huusmeister Kaczmarek“ (besungen von den Bläck Fööss) meist überwirft, soll hier aber nicht verraten werden. Fest steht allerdings, dass das Narrenvolk dem kamellewerfenden Baron auf dem Gardewagen spätestens beim Umzug der GKG durch Koslar am Nelkensamstag huldigen wird.






















