Im Rahmen ihrer „Not That Kind Tour“ nahm Anastacia ihr Publikum mit auf eine musikalische Reise durch ihre Karriere – und zeigte dabei, dass sie auch 26 Jahre nach der Veröffentlichung ihres Debütalbums noch immer für ordentlich Stimmung sorgen kann. Eine Einschränkung gab es bei der journalistischen Berichterstattung allerdings: Für Pressevertreter war das Fotografieren während des Konzerts nicht gestattet.
Gerade bei einer Konzertberichterstattung ist das bedauerlich, da eigene Bilder die Eindrücke eines Abends ergänzen und die Atmosphäre sowie das Geschehen auf der Bühne visuell dokumentieren können. Text und Bild sind dabei wichtige Bestandteile einer umfassenden Kultur- und Musikberichterstattung. Wenn akkreditierte Journalisten auf eigene Konzertfotos verzichten müssen, wird die unabhängige und authentische Berichterstattung dadurch unnötig eingeschränkt.
Musikalisch begann der Abend mit dem Auftritt der 2022 gegründeten britischen Popband Acrobvt. Mit ihrem energiegeladenen Sound sorgte die Band von Beginn an für Bewegung im Saal, offenbarte dabei jedoch Schwächen im Songwriting: Strukturell ähnelten sich die einzelnen Tracks stark und boten dadurch nur wenig Abwechslung. Das Publikum störte sich daran allerdings kaum. Es ließ sich von der Energie der Band mitreißen und feierte die Songs ausgelassen.
Als Anastacia schließlich die Bühne betrat, wurde es schlagartig laut im Publikum. Mit einem gut gelaunten „Hallo Düsseldorf, alles klar?“ begrüßte sie die Zuschauer und sorgte damit sofort für ausgelassene Stimmung. In einer silbernen Jacke, High Heels und blauer Jeans erschien sie im Rampenlicht. Dazu trug sie auffällige Ohrringe und natürlich ihr Markenzeichen: die charakteristische Sonnenbrille.
Hinter der Brille steckt allerdings mehr als nur ein Markenzeichen. Anastacia trug die farbige Sonnenbrille bereits zu Beginn ihrer Karriere – inspiriert von Elton John –, um ihre Sehschwäche zu kaschieren. Seit ihrem sechsten Lebensjahr leidet sie unter Kurzsichtigkeit. Mittlerweile hat sie ihre Augen jedoch lasern lassen. Die Brille erfüllt daher heute nicht mehr nur einen praktischen Zweck, sondern gehört als unverkennbares Accessoire fest zu ihrem Look.
Die „Not That Kind Tour“ – kurz #NTK26 Tour – steht ganz im Zeichen ihres Debütalbums „Not That Kind“, das im Jahr 2000 erschienen ist. Ursprünglich war die Tour anlässlich des 25-jährigen Jubiläums des Albums für 2025 geplant. Aufgrund des Erfolgs wurde sie jedoch bis ins Jahr 2026 verlängert.
Gleichzeitig holt Anastacia damit etwas nach, das es zu ihrem Debütalbum bislang nie gegeben hatte: eine eigene Tournee. Die aktuelle Tour ist somit nicht nur eine Jubiläumstour, sondern gewissermaßen auch die nachträgliche Tournee zum Album „Not That Kind“.
Musikalisch war der Abend allerdings weniger eine Reise durch das erste Album als vielmehr ein Streifzug durch Anastacias gesamte Karriere. Statt den Fokus ausschließlich auf „Not That Kind“ zu legen, präsentierte sie einen Querschnitt durch ihre größten Hits und verschiedene Coverversionen. Eröffnet wurde das Konzert mit „One Day in Your Life“, einem ihrer bekanntesten Songs aus dem zweiten Album „Freak of Nature“.
Direkt im Anschluss folgte mit „Now or Never“ eine englischsprachige Neuinterpretation von Johannes Oerdings „An guten Tagen“. Auch später griff Anastacia mit „Best Days“ erneut auf einen deutschsprachigen Song zurück – diesmal auf „An Tagen wie diesen“ von Die Toten Hosen.
Im Vergleich zu ihren eigenen Balladen wirkten die Interpretationen der deutschen Songs allerdings etwas blass. Gerade hier hätte man sich weniger Mainstream-Radio und stattdessen etwas mehr Mut zu musikalischem Tiefgang gewünscht. Anastacia zeigte zwar eindrucksvoll, dass sie sich auch abseits ihrer eigenen Hits bewegen kann – wirklich nachhaltig waren diese Momente jedoch nicht.
Beim souligen „Paid My Dues“, ebenfalls vom zweiten Album „Freak of Nature“, erhoben sich die Zuschauer erstmals von ihren Plätzen, um mitzutanzen und mitzuklatschen. Es sollte nicht das letzte Mal an diesem Abend bleiben, dass Anastacia das Publikum von den Sitzen riss.
Im Laufe des Konzerts standen immer mehr Zuschauer auf und feierten die Sängerin ausgelassen – und das, obwohl für alle eigentlich Sitzplätze vorgesehen waren. Einige hielten es schließlich kaum noch auf ihren Stühlen aus und standen nahezu das gesamte Konzert über.
Als Anastacia mit ihrer Band dann „Sick and Tired“ anstimmte, wurde es im Saal noch einmal deutlich lauter. Schon die ersten Töne des Hits sorgten für spürbaren Jubel im Publikum. Kein Wunder: Der Song gehört bis heute zu ihren bekanntesten und erfolgreichsten Stücken und war für viele Zuschauer offenbar einer der Höhepunkte des Abends.
Später am Abend stand mit Act 2 der ruhigere Teil der Show auf dem Programm. Dazu gehörte auch ein weiterer Kostümwechsel: Aus dem poppigen Look wurde ein eleganterer Auftritt, bei dem Anastacia in einer grünen Seidenrobe auf die Bühne zurückkehrte.
Auch in der Setlist wurde es nun deutlich gefühlvoller. Mit Songs wie „Heavy on My Heart“ und „You’ll Never Be Alone“ zeigte Anastacia ihre emotionale Seite und nahm etwas Tempo aus dem Konzert.
Dazu gab es ein sogenanntes Akustik-Set, das allerdings nicht ganz dem klassischen Verständnis eines solchen Sets entsprach: Statt vollständig auf akustische Instrumente zu setzen, kam unter anderem ein E-Bass zum Einsatz. Dadurch wirkte der Abschnitt musikalisch eher wie ein reduziertes Balladen-Set. Mit „How Come the World Won’t Stop“, „Welcome to My Truth“ und „Wishing Well“ rückten dabei vor allem Anastacias Stimme und die emotionaleren Seiten ihrer Songs in den Mittelpunkt.
Nach dem Akustik-Set ging es noch einmal zum Kostümwechsel – diesmal deutlich rockiger. Anastacia kehrte in einer schwarzen mit Pailletten besetzten Lederjacke auf die Bühne zurück und läutete damit den dritten Act der Show ein. Im Saal wurde es daraufhin wieder deutlich lauter.
Den dritten Teil des Konzerts eröffnete sie mit „Sweet Child o’ Mine“, dem Klassiker von Guns N’ Roses, den Anastacia einst für ihr Coveralbum „It’s a Man’s World“ aufgenommen hatte. Die Idee hinter dem Album war ungewöhnlich: Anastacia coverte ausschließlich Songs, die ursprünglich von männlichen Rockmusikern beziehungsweise Bands interpretiert wurden.
Ihre Live-Version von „Sweet Child o’ Mine“ erwies sich dabei als besonders gelungen. Musikalisch wirkte der Song auf der Bühne deutlich kraftvoller und dynamischer als die Studioaufnahme auf dem Album – und passte damit perfekt zum energiegeladenen dritten Act der Show.
Langsam näherte sich der Abend seinem Ende. Mit „Left Outside Alone“ steuerte Anastacia auf das Finale der regulären Setlist zu, bevor sie für die große Zugabe noch einmal zurück auf die Bühne kam. Natürlich durften dabei zwei ihrer größten Hits nicht fehlen: „Not That Kind“ und „I’m Outta Love“ sorgten noch einmal für ausgelassene Stimmung in der Halle.
Zum Abschluss wurde es schließlich noch einmal ganz besonders. Anastacia stimmte „Left Outside Alone“ erneut an, verzichtete dabei auf die Begleitung ihrer Band und sang den Song in einer A-cappella-Version. Stattdessen übernahm das Publikum kurzerhand den Part der musikalischen Begleitung und sang gemeinsam mit ihr. Ein stimmungsvoller und persönlicher Abschluss eines Abends, an dem Anastacia ihre Karriere noch einmal Revue passieren ließ und rund 5.000 Zuschauer zum Mitsingen, Mitklatschen und Feiern brachte.
Anastacia hat an diesem Abend eindrucksvoll bewiesen, dass ihre kraftvolle Stimme auch 26 Jahre nach der Veröffentlichung ihres Debütalbums nichts von ihrer Wirkung verloren hat. Gleichzeitig zeigte sie, dass man sich musikalisch nicht in Schubladen stecken lassen muss.
Das betonte sie auch an diesem Abend mehrfach: Sie möchte nicht auf ein einziges Genre festgelegt werden. Ihr Sound bewegt sich mühelos zwischen Pop, Rock, Soul und Funk – eine Mischung, die sie selbst einmal treffend als „Sprock“ bezeichnete, eine Wortschöpfung aus Soul, Pop und Rock.
Genau diese Mischung machte auch den Abend in Düsseldorf aus: Anastacia blickte auf ihre Karriere zurück, spielte große Hits, wagte sich an Coverversionen und ließ dabei immer wieder ihre ganz eigene musikalische Handschrift durchscheinen.



















