
Es gibt kaum ein Instrument, das Menschen so unmittelbar berührt wie die Harfe. Egal wie Moll das Stück ist – es wird nie traurig. Die Töne einer Harfe beruhigen, wärmen, bringen Menschen zum Innehalten. „Die Harfe streichelt den Bauch“, sagt Silke Aichhorn. Und wer der Harfenistin zuhört, versteht schnell, was sie damit meint.
Eine Chance zum Zuhören gibt es im Kreis Düren zwei Mal: Am Freitag, 30. Oktober, 18 Uhr, gestaltet die Hospizbotschafterin ein Konzert in der Franz-Sales-Kirche Jülich. Am Samstag, 31. Oktober, spielt sie ab 15 Uhr in der Dürener Marienkirche. Begleitet wird sie von Dejan Gavric (Flöte), Professor für Flöte und Kammermusik an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz. Der Erlös ist für die Arbeit der Hospizbewegung und des Vereins Lebens- und Trauerhilfe Düren bestimmt.
Seit vielen Jahren spielt Silke Aichhorn nicht nur auf großen Konzertbühnen, sondern auch dort, wo Menschen mit Krankheit, Alter, Einschränkungen oder Tod konfrontiert sind. Sie war in Krankenhäusern und Palliativ-Einrichtungen zu Gast, hat für Menschen mit Demenz gespielt, auf Kinderkrebsstationen, in Blindenschulen und psychiatrischen Einrichtungen.
Manchmal geht es dabei nur um eine kurze Auszeit, wenige Minuten Musik. Und doch können diese Minuten viel bedeuten. „Ein Zuhörer in einem Hospiz hat mir nach einem Stück von Debussy einmal gesagt: Jetzt steht die Tür offen“, schildert die Harfenistin eine berührende Begegnung.
Silke Aichhorn empfindet solche Reaktionen als großes Privileg. „Ich kann Menschen mit meiner Musik unmittelbar erreichen“, sagt sie. Gerade in der Hospizarbeit bekommt diese Fähigkeit eine besondere Bedeutung. Dort, wo Worte fehlen oder vielleicht nicht mehr das Wichtigste sind, kann Musik einen anderen Zugang schaffen.
Sie kann einen Menschen für einen Augenblick aus einer belastenden Situation herausholen, kann begleiten und Ruhe geben. Manche Menschen sterben auch mit ihrer Musik. Die Musikerin möchte ihre Harfe keineswegs „verkitschen“ oder romantisieren. „Der Klang hat etwas Archaisches“, sagt sie. Ein Klang, der Menschen in der Tiefe erreicht – ohne dass es immer mit dem Verstand erfasst werden müsste.
Silke Aichhorn hat keine Berührungsängste. Sie hat auf Beerdigungen gespielt und für Menschen musiziert, die aufgrund ihrer Lebenssituation nicht mehr in ein Konzert gehen konnten. Sie erzählt von einem Mann, der während eines Auftritts seinen Holzfuß abschraubte, und von einem Kind, das während der Musik in einen Eimer urinierte. Für die Musikerin sind das keine kuriosen Geschichten, sondern Begegnungen mit Menschen: „Es war wirklich sehr bunt. Ich habe wahnsinnig viel gelernt.“
Auch Dr. Detlef Struck, Vorsitzender der Hospizbewegung Düren-Jülich, kennt die besondere Wirkung von Aichhorns Musik. Rund 1500 Kinder konnten im Rahmen von „Hospiz macht Schule“ selbst einmal an ihrer Harfe Platz nehmen. In Selgersdorf spielte Silke Aichhorn für Menschen mit Handicap. „Es ist immer toll zu sehen, wie die Menschen auf die Harfe reagieren“, ist Detlef Struck begeistert.
Dass die in Oberbayern lebende Harfenistin seit fünf Jahren Botschafterin der Hospizbewegung an der Rur ist, hat mit einer ungewöhnlichen Begegnung zu tun. Detlef Struck lernte die Musikerin bei einem Notfall in einem Strandbad am Chiemsee kennen. Aichhorn gibt dort jedes Jahr ein Konzert.
Struck, beruflich unter anderem als Notarzt tätig, war dort im Urlaub, als ein Mensch wiederbelebt werden musste. Die Reanimation gelang zunächst, doch der Patient starb später im Krankenhaus. Aus dieser Begegnung entstand ein Kontakt, der schließlich zur Zusammenarbeit führte.
Seit 2021 setzt Silke Aichhorn ihre Bekanntheit und ihre Musik für die Hospizbewegung Düren-Jülich ein. Für den Vorsitzenden ist das mehr als eine willkommene Unterstützung.
Viele Menschen wüssten noch immer wenig über die Arbeit und die Angebote der Hospizbewegung und die Unterstützungsmöglichkeiten auch für pflegende Angehörige. Die Benefizkonzerte schaffen einen ungewöhnlichen Zugang: Menschen kommen wegen der Musik und lernen dabei die Hospizarbeit sowie die Arbeit der Lebens- und Trauerhilfe kennen.
Für Silke Aichhorn wiederum ist genau das ein wichtiger Teil ihres Engagements. Sie möchte über Leben und Tod sprechen und die Auseinandersetzung damit wieder stärker in die Öffentlichkeit bringen. Gleichzeitig will sie den Menschen etwas geben, das ganz unmittelbar wirkt: einen schönen Abend, einen Moment zum Durchatmen, vielleicht ein wenig Ruhe in einer allzu hektisch gewordenen Welt.
Karten zum Preis von 25 Euro gibt es für beide Konzerte bei der Hospizbewegung Düren-Jülich in Düren, Roonstraße 30, entweder telefonisch unter der Rufnummer 02421 / 393220 oder per Email an info@hospizbewegung-dueren.de. Für das Konzert in der Jülicher Franz-Sales-Kirche sind Karten auch mittwochs von 10 bis 12 Uhr im Jülicher Rochusheim, An der Lünette 11, erhältlich. Einlass zu den Benefizkonzerten ist jeweils eine halbe Stunde vor Beginn.


















