Start Magazin Musik Unser Dorf soll Disko werden – Als die Nacht am tiefsten war.

Unser Dorf soll Disko werden – Als die Nacht am tiefsten war.

Fortsetzungsroman Teil 8

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Foto: HERZOG
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Der Staub knirscht zwischen meinen Zähnen. Die Weintrauben schmecken wie frisch gepflückt. Nicht nur, weil sie echt knackig und trotzdem saftig sind, sondern eben auch weil der Staub zwischen den Zähnen knirscht. Auch meine Gehörgänge sind voller Dreck. Ich kann ihn heraus pulen, wenn ich den Finger nur ganz einfach hineinstecke. Ich habe mich noch nicht getraut einen Finger in meine Nase zu stecken. Es sind keine Trauben mehr in meinem Müsli, dabei mag ich die Trauben am liebsten. Traurig schaue ich auf. Helmi schaut mich böse an. Ich schaue wieder in mein Müsli. Es sind keine Trauben dazu gekommen. Ich schaue wieder auf. Helmi schmiert sich sein Brötchen und atmet tief durch. Torben gibt ihm endlich Antwort auf die Frage, die Helmi in den Raum stellte, bevor ich meine letzte Traube aß. „Nein. Ist klar.“ „Ich geh jetzt erst mal duschen“, sage ich schnell und verziehe mich von unserem Frühstückstisch im Frühstücksraum der Pension, in der wir heute Nacht hätten schlafen sollen. Ja Ja, hätte, wäre, könnte… und wenn das Wörtchen wenn nicht wär, wär mein Vater Millionär. Hat früher mein Vater zumindest immer zu mir gesagt. Und hätte ich gestern nicht so viel getrunken, wäre ich wahrscheinlich nicht durch Ehrenfeld getourt und würde wahrscheinlich jetzt auch nicht von oben bis unten mit Dreck und Staub bedeckt sein, den ich am Rheinufer abgeholt haben könnte. Wenn das alles anders gewesen wäre, bestünde sogar die Chance, dass ich jetzt ausgeschlafen hätte sein können. Aber ist mein Vater Millionär? Ich habe ihn nie danach gefragt. Sollte ich mal tun. Aber erst mal duschen. Die Ironie der Geschichte ist, dass ich mir das Zimmer mit Helmi geteilt hätte, wäre ich… und so weiter… Ich verstehe gerade auch nicht, warum ich ganz alleine durch Köln getourt bin. Kaum bin ich in die Dusche eingestiegen und habe den Hahn aufgedreht, verfärbt sich das Wasser in ein leichtes Braun. Ich rubbel mal hier und kratze mal da und schon wird das Wasser wieder klar. Am Ende ersetzen die zehn Minuten unter der Dusche ca. eine Stunde Schlaf. Ich fühle mich zumindest fitter, trotzdem werde ich wohl nicht drum herum kommen auf der Busfahrt Schlaf nachzuholen. Als ich mir das Handtuch um meine Hüften knote, öffnet sich die Tür des Zimmers und Helmi kommt rein. „Bist du nackt?“ „Nein, ich trage ein Handtuch.“ Helmi betritt das Bad. „Los wir müssen fertig werden“, sagt er ganz ruhig und tut so als wäre nichts gewesen. Schnell putzt er sich die Zähne und nuschelt dabei. „Ih musch glei au noh hi Arechung achen.“  „Wird es denn teuer?“ „Oh iele Edesch ie ir ergauf aben..?“ „Also nicht?“ Er spuckt aus. „Bisher sind wir im Plus.“ Helmi verlässt das Zimmer mit der grünen Tourkasse in der Hand. „In einer halben Stunde unten im Foyer“, höre ich noch. Ich greife nach meiner Zahnbürste. Der Staub in meinem Mund wird zu Matsch und ich kann ihn endlich ausspucken. Na toll. Ich habe Zahnfleischbluten. Ach ja. Kopfschmerzen habe ich auch schon den ganzen Morgen über, beziehungsweise seitdem ich aufgehört habe zu trinken. So lange ich nicht geschlafen habe, gibt es auch keinen Morgen.

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