Start Magazin Musik Unser Dorf soll Disko werden – Als ich in ein Loch fiel.

Unser Dorf soll Disko werden – Als ich in ein Loch fiel.

Fortsetzungsroman Teil 7

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Foto: HERZOG
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Die Maniacs spielen inzwischen ihre zweite Zugabe. Wir haben es uns derweil mit dem Roadie am Merchstand bequem gemacht, stehen hier mit einem Bier und inzwischen ist auch der CD-Bestand unserer Band wieder gesichert. Nur der Verkauf lässt langsam nach. Aber trotzdem sind wir überglücklich, denn immer wieder kommen Leute vorbei, die ein Shirt mit unserem Logo anhaben, auch wenn es immer wieder die selben sind. Natürlich gehen die paar Leute aber in der Masse der Maniacfans unter. Macht Nichts. Es ist still bei uns geworden. Wir teilen uns den Verkauf auf, verfallen immer wieder in Gespräche mit Fans. Teilweise sogar mit unseren Fans. Morgen früh werde ich wohl eine Maulsperre haben, wenn das Grinsen nicht langsam aufhört. Dann verabschiedet sich unser Roadie, weil er beim Abbau helfen muss. Und wir stehen weiter hier am Stand und reden, verkaufen – inzwischen nur noch Maniacskram – und trinken genüsslich unser Bier. Sonst passiert eigentlich gar nichts. Es ist entspannend. Obwohl die Halle noch immer einen lauten Geräuschpegel hat, ist es so, als wäre Stille. Ob das vielleicht auch an dem steigenden Alkoholpegel liegt? Alles kommt mir schon so bekannt vor. Komischerweise so, als wäre das hier alles eine große Wiederholung. Wie nennt man das noch, wenn für eine gewisse Zeit nur Sachen auf einen einströmen, die man vorher irgendwann schon mal gesehen hat? Irgendwann kommt wie aus heiterem Himmel Dan um die Ecke, nimmt sich ein Bier, setzt sich und schweigt. „Dan..? Alles klar?“ Er setzt seine Schweigerei fort. Dafür gibt es mächtig Krach, als auf der Bühne drei Feuerwerkskörper für den krönenden und lauten Abschluss des Maniacskonzertes sorgen. Juhu. Kaum sind die vier Rocker, welche von mir inzwischen auch keine große Ehrfurcht mehr erwarten können, von der Bühne gegangen, beginnt die Masse kollektiv damit sich gegenseitig aus der großen Halle zu drücken und jetzt beginnt erst der richtige Ansturm. Auf einmal steht die erste Schlange vor unserem Tisch und wir müssen aufpassen, dass wir das Wechselgeld wechseln, die Shirts in den richtigen Größen rausgeben und trotzdem immer noch hier und da ein Autogramm geben. Wo sind eigentlich die Leute, die dafür da sind, den Merch zu machen? Oder sind wir die Leute? Das war es also mit der schönen Stille. Ich benehme mich für meinen Teil, aber erstmals an diesem Tag, wirklich klug und fordere Dan auf nun auch endlich mal was zu machen, woraufhin er aufsteht und in den Verkaufsalgorythmus einsteigt. Still und leise mache ich mich aus dem Staub, verschwinde hinter einer schwarzen Tür und kann kaum durchatmen. „Hast du euren Sänger gesehen?“ Mein linkes Auge beginnt zu zucken. „Der ist am Merchstand.“ Schwups, huscht das Mädchen, das wohl bis gerade mit Dan im Tourbus lag, an mir vorbei. Nur noch ein paar Schritte, dann bin ich  im Backstage, setze mich wie selbstverständlich zu den schwitzenden Maniacs, mache ein Bier auf und rufe laut durch den Raum: „Finally Summer Slump!“

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