Start Magazin Rat & Recht Was und wer ist gerecht, in der Fabel und in echt?!

Was und wer ist gerecht, in der Fabel und in echt?!

Das moralische Prinzip Gerechtigkeit versteht man „fabelhaftig“ manches mal besser. In Fabeln sprechen und agieren bekanntlich Tiere mit menschlichen Eigenschaften. Und jede Fabel hat eine Moral.

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Rat & Recht in und um Jülich Foto: ©Andrey Burmakin - stock.adobe.com / Bearbeitung: la mechky
Rat & Recht in und um Jülich Foto: ©Andrey Burmakin - stock.adobe.com / Bearbeitung: la mechky
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Wollen wir uns hier auf der herzoglichen Rechtsseite zwei Fabeln widmen, die der urmenschlichen Frage nach Gerechtigkeit nachgehen und dem altgriechischen Dichter Äsop (621 – 565 v. Chr.) zugeordnet werden.

Zunächst in Kurzform die Fabel vom Löwen, vom Esel und vom Fuchs:
Der Löwe, der Esel und der Fuchs schlossen einen Bund und gingen zusammen auf die Jagd.
Als sie große Beute gemacht hatten, befahl der Löwe dem Esel, er solle diese teilen.
Der Esel machte darauf drei gleiche Teile und sagte dem Löwen, er möge sich seinen Teil selbst wählen.
Der Löwe geriet darüber in Zorn und zerriss den Esel.

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Sodann verlangte der Löwe vom Fuchs, nun solle er teilen. Da schob der Fuchs fast de ganze Beute auf einen Haufen zusammen und ließ für sich selbst nur ein paar Stücke übrig.
Der Löwe lächelte zufrieden und fragte den Fuchs: “Nun sage, was hat dich gelehrt, so richtig zu teilen?“
Der Fuchs antwortete: „Das Schicksal des Esels!“

Dieser Fabel wohnen gleich mehrere moralisch durchaus anfechtbare Lehren inne, die auch etwas mit dem (mangelnden) Verständnis für Gerechtigkeit zu tun haben:
Diese Fabel will uns sagen,
… dass Überleben mehr wert ist, als sein Recht zu behaupten!
… dass man nicht auf sein Recht pochen sollte, wenn man es nicht
verwirklichen kann!
… dass der Stärkere immer sein Recht durchsetzen will!
… dass Feigheit die Durchsetzung des Rechts verhindern kann!
… dass es besser ist, ein Esel zu sein, als ungerecht zu handeln!
… dass man vor allem aus fremdem Unglück lernen kann!

Insbesondere wissen wir aber seit Niederlegung dieser Fabel, was im Leben der berühmte Löwenanteil bedeutet.

Und noch eine zweite Fabel von Äsop, die uns so einfach wie eindrucksvoll das Spannungsfeld zwischen Gerechtigkeit und Ungerechtigkeit näherbringt:

Einer Störchin bereits im höheren Alter oblag die schwere Aufgabe, als Lehrerin eine Klasse wilder junger Frösche zu unterweisen.
Die kleinen Frösche benahmen sich so, wie Kinderfrösche nun einmal
sind: Sie waren unruhig, frech, eigensinnig und quakten bei jeder Gelegenheit, um den Unterricht zu stören.
Sie hatten an der armen, gütigen Störchin immer etwas auszusetzen.
Dann gingen die Froschschüler sogar so weit, dass sie der Störchin das Bein festbanden, das diese nach Storchenart beim Stehen eingezogen hatte, als sie einmal völlig erschöpft in einer Unterrichtspause eingenickt war.
Jedenfalls konnte die Storchlehrerin ihr Bein nicht mehr ausfahren.
Wegen dieses üblen Streichs so erschüttert wie verzweifelt und erbost flatterte die Störchin mit den Flügeln, klapperte mit dem Schnabel und rief nach dem Schuldigen dieser Untat.
Natürlich meldete sich niemand, auch wenn alle Frösche kicherten und vermutlich sogar wussten, wer sich die Schandtat erlaubt hat. Aber Petzen tut man nicht – das ist Ehrensache, auch unter Froschkindern.
Damit konnte sich aber die Störchin nicht zufriedengeben.

Solch‘ eine Blamage für sie, solch‘ eine Gemeinheit…und die sollte ohne Strafe bleiben?
Aber wie betraft man jemanden, den man nicht kennt? Bestraft man einfach alle, die ganze Frosch-Rasselbande?
„Absolutes Wasserverbot für den heutigen Tag und für die ganze Gruppe“, verkündete die Störchin streng. „Niemand von euch darf heute in den See! Ihr bleibt auf dem Land und denkt über euer Verhalten nach!“
Die Empörung der jungen Frösche war groß. Vor allem beklagten sie sich über die bittere Ungerechtigkeit, dass sie nun alle auf dem Trockenen sitzen sollten, obwohl doch nur einer von ihnen etwas angestellt hatte.

Während sie sich so erregten, schaute aus dem Wasser des Teiches, in den sie nun nicht hereinspringen durften, ein alter Frosch heraus und quakte:
„Ihr klagt, Ihr Jungvolk, über Ungerechtigkeit? Dann seid selbst gerecht, denn das ist es, was ihr auch selbst entscheiden könnt. Ob man euch dann auch gerecht behandelt, müsst ihr wohl den anderen überlassen.“
Sprach’s…und schnappte sich mit einer raschen Bewegung seiner Zunge eine vorbeisurrende Fliege.
Die Fliege fand das ungerecht!

Fabelmoral:
Jeder sollte darauf achten, nicht selbst ungerecht zu sein.


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