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Halb acht am Zebrastreifen

Die Koslarer Schülerlotsen und -Lotsinnen suchen dringend Verstärkung.

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Für sicheren Übergang an der Kreisbahnstraße sorgt der Koslarer Lotsendienst. Foto: Britta Sylvester
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Dienstbeginn ist früh am Morgen, um kurz vor halb acht Uhr. Den Reißverschluss beider Jacken bis unters Kinn hochgezogen, die Kapuze tief im Gesicht – Tina Chorus und ihr Kollege Thorsten Dammers sind gut gewappnet gegen Kälte und Wind. Genau wie die Mutter von Marcel Schmitt, die für ihren Sohn eingesprungen ist, der sonst eigentlich hier am Zebrastreifen steht. Mit ihren leuchtend gelben Jacken, zusätzlich mit breiten Reflektorstreifen ausgestattet, sind die Schülerlotsen nicht zu übersehen. Und das ist auch gut so: Denn schließlich begleiten Tina Chorus und ihre Mitstreiterinnen hier jeden Morgen unzählige Koslarer Schul- und auch Kindergartenkinder sicher über die vielbefahrene Kreisbahnstraße.

Eigentlich hätten sie nur alle zwei Wochen einmal Dienst, berichtet Chorus, aktuell stünde sie aber meist häufiger hier. Denn auch die ehrenamtlichen Lotsen werden von Nachwuchssorgen geplagt. Aktuell würden zwei bis drei weitere Helfer den Dienstplan ausreichend entzerren, aber im kommenden Schuljahr wird es so richtig eng, zeichnet die engagierte Mutter eine recht düstere Zukunft. „Ab dem neuen Schuljahr fehlen dann sieben Leute, mindestens“, berichtet sie. Und wie diese Lücke gestopft werden soll, Tina Chorus ist ratlos. Drei Elternbriefe, ein Besuch auf jedem einzelnen Elternabend der neuen Erstklässler und sogar bei der Einschulung – die Resonanz auf die viele Werbung? Gleich null. Keine einzige positive Rückmeldung habe sie bekommen, resigniert zuckt die Frau im gelben Outfit mit den Schultern.

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Woran es liegt, kann sich keiner der drei Anwesenden an diesem Morgen erklären. Der Aufwand sei wirklich überschaubar. „Man ist doch sowieso wach, die Kinder müssen doch auch zur Schule.“ Eine halbe Stunde dauert der Dienst am Zebrastreifen, Jacken und Kellen werden von der Verkehrswacht gestellt und auch eine Schulung durch den Polizisten Norbert Herrmanns gibt es für Neulinge.

Foto: Britta Sylvester

Angst, etwas falsch zu machen, müsse man also wirklich nicht haben. Auch der eventuellen Sorge vor rechtlichen Konsequenzen, wenn doch mal etwas passiert, nimmt Tina Chorus sofort den Wind aus den Segeln: „Man ist nicht haftbar!“ Die Angst vor schlechtem Wetter ist aus ihrer Sicht übrigens auch kein wirklich stichhaltiges Argument: „Ich bin in einem Jahr vielleicht zweimal nass geworden, und durch die Jacken geht nichts durch!“

Sicher, viele Menschen müssen morgens schon früh zur Arbeit. Aber die drei Lotsen sind sich sicher, dass viele – genau wie sie – in ihren Arbeitszeiten etwas flexibler sind oder vielleicht nicht an jedem Tag arbeiten und dann eine halbe Stunde erübrigen können. „Das ist so wichtig, die Kinder gucken oft nicht richtig“, appelliert Thorsten Dammers an andere Eltern. Und auch die Autofahrer gucken oftmals nicht richtig hin, zu schnell gefahren wird obendrein. Leider könne die Polizei nicht so oft da sein, wie es nötig wäre, um den Verkehr zum langsamer fahren zu „animieren“. Umso wichtiger sei es, dass dann zwei leuchtend gelbe Verkehrshelfer mit ihren Kellen da stehen und den Kindern einen sicheren Schulweg ermöglichen. Sie  alle sind sich sicher und hoffen darauf, dass sich die Lücken in ihren Reihen doch noch schließen lassen und das auch in den kommenden Schuljahren so bleiben wird.

Wer die Schülerlotsen unterstützen möchte, kann sich per Email entweder an Tina Chorus unter [email protected] oder an die Grundschule in Koslar wenden [email protected].


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