Start Nachrichten Brauchtum Orden, Reden und ein „Alter Bäcker“

Orden, Reden und ein „Alter Bäcker“

Wer 9x11 Jahre alt wird, der hat ordentlich was zu feiern – und reichlich Gäste, die dabei sein wollen. Das war auch in Koslar nicht anders, als die GKG Fidele Brüder zum Festkommers einlud. In weiser Voraussicht hatten die meisten Gäste ihr Kommen angekündigt und damit einen festen Platz in der rappelvollen Bürgerhalle sicher.

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Foto: Nicola Wenzl
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Nicht minder voll wurde es auch auf der Bühne als die violett-gelbe KG inklusive Tanzgruppen, Dreigestirn und Prinzengarde dort aufmarschierte. Mehr als 300 Mitglieder zählen die Fidelen Brüder, darunter rund 100 Kinder und Jugendliche – eine Tatsache, die gleich mehrfach mit Stolz erwähnt wurde. Apropos erwähnen: Zu erzählen gab es ebenfalls reichlich, schließlich kommen in knapp hundert Jahren Existenz so einige Ereignisse zusammen, die Stoff für gleich mehrere Reden boten. In erstaunlicher Ruhe angesichts der vielen Menschen warfen die Festredner ihre Blicke in die Vergangenheit, zur „Belohnung“ gab es dann den schwungvollen Auftritt von Tambour Axé und augenzwinkerndes Verständnis von Sitzungspräsident Andreas Steinbusch: „Die Leute haben gelitten, wir haben vorgelesen.“

Schwungvoll war auch die gemeinsame Choreographie sämtlicher fideler Tanzgruppen, angefangen bei den Mini bis hin zu den Magic Diamonds, die gemeinsam mit der Prinzengarde das Tanzbein schwangen – eine logistische Meisterleistung, die mit vielen lobenden Worten bedacht wurde. Am besten auf den Punkt brachte es wohl der neue Landrat des Kreises Düren, Dr. Ralf Nolten, der feststellte: „Dat wor kene Flashmob, dat wor e Drömche.“ Mit seiner knackig-kurzen Ansprache in rheinischer Mundart traf der frischgewählte Chef der Kreisverwaltung zudem den Nerv des Publikums. Neben Nolten gab es zahlreichen weiteren, prominenten und freundschaftlichen Besuch auf der Bühne. Angefangen bei einer langen Liste befreundeter Gesellschaften von den Frenzer Burgnarren über die gelb-grünen Papageien „us Eere“ hin zur CCKG oder den Broicher Jecken von „Stopp dä Mutz“ gaben sich auch sämtliche Vereine des größten Jülicher Stadtteils die Ehre, genauso wie die Ortsvorsteher von Koslar und Aldenhoven, Heribert Braun und Ralf Claßen, sowie Jülichs stellvertretender Bürgermeister Karl-Philipp Gawel. Bevor es vor lauter Festlichkeit zu förmlich werden konnte, ergriff Frank Kutsch – seines Zeichens Präsident der KG Rurblümchen – die heruntergefallene Neun aus der Bühnendeko und stolzierte als „Nummerngirl“ über die Bühne. Spätestens jetzt wurde es wohl Zeit, der Aufforderung von Andreas „Andi“ Steinbusch Folge zu leisten: „Der Hahn muss glühen.“ Schließlich mussten Ehrengäste und Gratulanten mit mindestens einem kühlen Getränk bewirtet werden. Hübsch auch der Auftritt des diesjährigen Schirmherren: Der Koslarer Landwirt Mark Flatten übernahm den „Job“ und kam mitsamt „Gefolge“ mit rot-weißen Schirmchen auf dem Kopf passend gewandet. Als Geschenke hatte er tütenweise Kartoffeln dabei, elf Stück pro Nase, zum Mitnehmen für alle, die wollten.

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Ein Dreigestirn gehört zur Session wie Konfetti und Kamelle? Weit gefehlt, als sich das erste Koslarer Dreigestirn zusammenfand, hatte die GKG schon mehrere Jahrzehnte auf dem Buckel. Als sie in der Session 2002/03 ins festliche Gewand schlüpften, begründeten Marco Mundt, Mario Schumacher und Achim Maris eine neue Tradition, die inzwischen fester Bestandteil im Koslarer Karneval ist. Zum 99jährigen Jubiläum gaben sich sämtliche ehemalige Bauern, Jungfrauen und Prinzen die Ehre und sorgten abermals für eine volle Bühne – da machte es auch nichts, dass Präsident Andi ein wenig länger auf „seine Jungfrau“ warten musste.
Ordensverleihungen, und davon eine ganze Menge, gehörten zu späterer Stunde auch noch ins Programm, beschlossen dann aber den ernsthafteren Teil des Abends. Fast schon ausgelassen gefeiert wurde die Premiere des ersten KG-eigenen Herrenballetts, das mit seiner charmanten Vorstellung den „Alten Bäcker“ wieder aufleben ließ, einst als Koslarer Traditionskneipe unter anderem Treffpunkt der „Maigesellen“. Nach dem Herrenballett enterten „Herrengedeck“ die Bühne und versuchten die Geburtstagsgäste mit kölschen Klassikern von den Stühlen zu locken und das Tanzbein zu schwingen.

Den bronzenen Verdienstorden des Regionalverbands Düren RVD im Bund Deutscher Karneval gab es für:
Jugendleiterin Pia Drößer, den diesjährigen Bauern Bernd Dreßen, Senator Sigfried Becker, das ehemalige Tanzmariechen Mara Dreßen, Ex-Jungfrau und Gardist Hans-Georg Fischer, den ehemaligen Schriftführer Jürgen Psotta, den hauseigenen DJ Hans-Peter Steinbusch und Kassiererin Christiane Pelzer. Einen silbernen Verdienstorden bekamen die erste Geschäftsführerin Daniela Nowatzki, der aktuelle Prinz Heinz-Theo Meurer, der langjährige Fahrer Dieter Wilhelmi, Mario Schumacher und Andreas Steinbusch. Einen ganz besonderer Orden, nämlich den Verdienstorden in Gold mit Edelsteinen, gab es für 75jährige Mitgliedschaft für Josef Prömpers, was mit stehenden Ovationen im Saal gewürdigt wurde.

Fotos: Volker Goebels, Nicola Wenzl, Dorothée Schenk

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Britta Sylvester
Klönschnacktee mit der Muttermilch aufgesogen und inzwischen beim rheinische Kölsch angekommen. Übt sich in der schreibenden Zunft seit Studententagen zwischen Tagespresse und Fachpublikationen und… wichtig: ließ das JüLicht mit leuchten.

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