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Berlinale als Winterurlaub

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Peer Kling. Foto: Volker Goebels
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„In Cannes kann keiner Karten kaufen.“ ist so ein Spruch, der besagt, dass man tatsächlich für das größte Filmfestival der Welt keine Eintrittskarten für die Vorstellungen der gezeigten Filme kaufen kann. Unglaublich, schließlich wimmelt es nur so von Festivalbesuchern und es gibt sehr lange Schlangen vor den Kinosälen. Es ist aber tatsächlich wahr. Wie das? „Nur Branche.“

Das ist in Berlin anders. Cannes, Venedig, Berlin, das ist der wichtige Dreiklang der bedeutendsten Filmfestivals in Europa und die Berlinale ist zugleich das größte Publikumsfestival der Welt. Da kommt auch der „Normalo“ zum Zug. Ich frage meinen früheren Kollegen Thomas Arndt. Er wohnt in Jülich, aber die Berlinale ist für ihn ein Heimspiel. Seine Eltern wohnen nah an Berlin. Er verwendet jedes Jahr ein Drittel seines Jahresurlaubes für die Berlinale, so auch dieses Jahr, „was sonst?“ lächelt er durch´s Telefon. Ich sehe sein verschmitztes Gesicht vor meinem inneren Auge.

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Bis 1977 fand die Berlinale im Juni statt, seitdem ist es ein „Winterurlaub“, ich habe sie schon bei minus 18 Grad C erlebt. Damals war ich mit meiner Frau dort und mit dem Wohnwagen. Immerhin war die Eingangstür nicht eingefroren und auch nicht der Schlüssel abgebrochen, dennoch verzweifelt der Hilferuf: „Peer! Tu doch was!“ Dann kam nix mehr, Kältestarre. Ich habe bei dieser Gelegenheit zum ersten Mal in meinem Leben „Glühbier“ getrunken. Also man muss die Berlinale schon sehr mögen und als Karnevalsjeck zudem wegen der zeitlichen Überschneidung meist auf die tollen Tage verzichten, aber auch in dieser Hinsicht ist Thomas schmerzfrei. Zudem besitzt er eine warme Pudelmütze, grau. „Wann geht’s los, Thomas?“ „Also das „Zehntagerennen“ startet am 12. Februar und ich möchte auch noch den sogenannten Kino-Sonntag, den 22. Februar nutzen. Ich reise vorher an, um mich in Ruhe vor Ort schlau zu machen, wann es was wo zu sehen gibt.“ „Wie gehst Du vor?“ „Ich besorge mir zunächst das sogenannte Berlinale Journal, das überall gratis ausliegt. Da stehen alle Filme mit den Terminen und die über ganz Berlin verteilten Spielorte drin. Sich einen Plan zu machen ist schon eine mittelschwere Managementaufgabe.“

„Wieso?“ „Na, ja, man muss halt die Fahrzeiten von Kino zu Kino im Griff haben, wenn man hin und her pendelt wie vom Zoo zum Potsdamer Platz oder zum Vorzeigekino der früheren DDR, dem International. Und ich muss flexibel sein.“ „Was meinst Du damit?“ „Es geht ums Besorgen der Tickets. Bis auf wenige Ausnahmen, gibt es sie nur noch Online. Der Vorverkauf beginnt erst drei Tage vor Beginn der Filmfestspiele und ich kann mir immer nur für drei Tage im Voraus Karten kaufen. Manche Vorstellungen sind schon nach einer Minute ausverkauft. Ich muss jeden Morgen um 10:00 am Start sein, um mir für den neu freigeschalteten Tag Karten zu besorgen. Sie kosten zwischen 9 und 18 Euro. Um 10 Uhr möchte ich schon im Kino sitzen. Also wähle ich ein Kino mit Internetempfang und arbeite mit meinem Handy „unter der Bank“.“ „Was sind Deine Auswahlkriterien? Was ist Dir wichtig an der Berlinale?“ „Ich suche Filme nach bestimmten Regionen der Welt aus. Mich interessieren Filme aus China, Lateinamerika und aus dem südlichen Afrika. Meine Lieblingssektionen sind: Generation, Panorama und das Forum. Da gibt es direkt an den Film anschließend Gesprächsmöglichkeiten mit den Filmemachern und Schauspielern. Zudem sitze ich gerne in meinen Lieblingskinos, früher im Colosseum und heute vor allem im Delphi Filmpalast und aus Tradition im Zoo Palast und ich liebe die Kiezkinos. Mir geht es bei der Berlinale vor allem auch um den Erlebnischarakter.“ – „Vielen Dank!“

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Peer Kling
Peer Kling, typisches "KFA-Kind", nicht aus der Retorte, aber in der zweiten Volksschulklasse nach Jülich zugezogen, weil der Vater die Stelle als der erste Öffentlichkeitsarbeiter "auf dem Atom" bekam. Peer interessiert sich für fast alles, insbesondere für Kunst, Kino, Katzen, Küche, Komik, Chemie, Chor und Theater. Jährlich eine kleine Urlaubsreise mit M & M, mit Motorrad und Martin.

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