Wer sich für Sprachen interessiert, denkt vielleicht an eine Ausbildung oder ein Studium mit dem Ziel, als Übersetzer zu arbeiten. Doch Künstliche Intelligenz verändert den Beruf: Viele Texte können inzwischen automatisch übersetzt werden. Lohnt sich dieser Weg also noch?
Welche Wege gibt es?
Ein möglicher Einstieg ist die Ausbildung zum Fremdsprachenkorrespondent. Dabei geht es nicht nur ums Übersetzen: Man bearbeitet Geschäftskorrespondenz, führt fremdsprachige Telefonate, erstellt Dokumente und betreut internationale Geschäftspartner. Die schulische Ausbildung dauert zwei bis drei Jahre und endet mit einer staatlichen Abschlussprüfung.
Eine weitere Möglichkeit ist ein Studium. Der Bachelor Mehrsprachige Kommunikation an der TH Köln (6 Semester, Fokus auf Sprachen, Wirtschaft, Medien) bietet ein Auslandssemester und ab Semester 3 die Richtung Translation. Er bereitet auf internationale Bürokommunikation vor, führt aber – wie die Ausbildung zur Fremdsprachenkorrespondenz – nicht direkt zum klassischen Übersetzerberuf.
Ein Beispiel aus der Praxis
Christine Klein studierte in den 1980er Jahren an der damaligen FH Köln Sprachen mit Schwerpunkt Recht. Heute ist Klein vom OLG Köln ermächtigte Übersetzerin für Französisch und Spanisch. Sie übersetzt juristische und technische Texte etwa aus Bau und Logistik.
Ihr Beispiel zeigt: Sprachkenntnisse allein reichen nicht aus. Fachwissen und Spezialisierung können ein eigenes berufliches Profil schaffen. Auch der Bundesverband der Dolmetscher und Übersetzer nennt fundierte Fachkenntnisse und die Fähigkeit, sich in neue Sachgebiete und Fachterminologie einzuarbeiten, als wichtige Anforderungen. Klein sagt: „Was man nicht versteht, kann man nicht übersetzen.“
Was verändert KI?
In der professionellen Übersetzungsarbeit werden Übersetzungsprogramme und maschinelle Übersetzungen eingesetzt. Vorübersetzte Texte können anschließend von Menschen überarbeitet werden. Dieses sogenannte Post-Editing ist laut Bundeswirtschaftsministerium weit verbreitet.
Fachübersetzer müssen daher die Möglichkeiten und Grenzen solcher Systeme kennen. KI kann besonders bei standardisierten Texten Arbeit abnehmen. Dadurch können Aufträge wegfallen oder sich verändern, wenn keine individuelle sprachliche Gestaltung nötig ist.
Eine Studie von 2025 verglich menschliche Übersetzungen, maschinelle Übersetzungen mit Post-Editing und weitere Verfahren. Die maschinellen Übersetzungen mit Post-Editing waren tendenziell wörtlicher, während Menschen häufiger nicht-wörtliche und kreativere Lösungen verwendeten. Die Aussagekraft ist begrenzt, da nur drei englisch-niederländische Kurzgeschichten untersucht wurden.
Auch Klein sieht Grenzen der KI. Besonders komplizierte juristische Texte können wegen möglicher schwerwiegender Fehler problematisch sein. Eine ausgebildete Übersetzerin müsse die Ergebnisse fachlich überprüfen. Klein betont: „Es geht hier keine Übersetzung raus, die nicht hundertprozentig kontrolliert wurde.“
Gleichzeitig verändert KI ihre Arbeit: Nach ihrer Erfahrung gehen bestimmte Aufträge zurück, weil Standardtexte maschinell bearbeitet werden. Übersetzungen, die früher bei freien Übersetzern landeten, erreichen diese teilweise gar nicht mehr.
Hat der Beruf noch Zukunft?
Eine eindeutige Antwort gibt es nicht. Wer hauptsächlich allgemeine und einfache Texte übersetzen möchte, muss damit rechnen, dass KI einen Teil dieser Aufgaben übernimmt. Wer Sprache dagegen mit Fachwissen verbindet, hat andere Möglichkeiten. Recht, Technik, Medizin oder Wirtschaft erfordern vertiefte Kenntnisse und spezielle Fachterminologie.
Das Bundeswirtschaftsministerium betont, dass Fachübersetzer neben Sprachkenntnissen umfangreiches fachliches und technisches Wissen sowie einen sicheren Umgang mit Übersetzungstools und KI-Software benötigen.
Der Beruf verschwindet nicht, verändert sich aber. Übersetzer müssen zunehmend recherchieren, Fachbegriffe verstehen, technische Werkzeuge einsetzen und maschinelle Übersetzungen beurteilen und kontrollieren.
Ob sie jungen Menschen den Beruf heute noch empfehlen würde, kann Christine Klein nicht eindeutig sagen. Ihren eigenen Weg könne sie nicht einfach übertragen: „Bei mir hat es so funktioniert, aber ob und wie es heute funktionieren würde, weiß ich nicht.“
Eine Ausbildung zur Fremdsprachenkorrespondentin ist zum Beispiel an der Kölner Dolmetscherschule (www.dolmetscherschule-koeln.de/ausbildungen/fremdsprachenkorrespondent) möglich.
Weitere Informationen zum Studium an der TH Köln.



















