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Fest in der Großfamilie

Die Geschenke sind eingekauft, der Baum steht in vielen Wohnzimmern bereits beleuchtet und geschmückt und die letzten Planungen für das festliche Menü sind auch meist schon abgeschlossen. So weit, so normal.

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Weihnachten im Königshof in Bourheim. Fotocollage: privat
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In diesem Jahr ist dennoch alles anders. Das gilt wohl für jeden von uns, um ein vielfaches komplizierter werden die weihnachtlichen Vorbereitungen in diesem besonderen Jahr aber, wenn man nicht nur für die eigene sondern für eine um vieles größere Familie planen muss. So wie Oliver Odenthal und seine Frau Patricia Bernardo das seit Jahren tun. Gemeinsam leitet das Ehepaar die Jugendhilfeeinrichtung Königshof im Jülicher Ortsteil Bourheim.

In zwei Wohngruppen leben dort rund 20 junge Menschen, die aus unterschiedlichsten Gründen in ihrer eigenen, der sogenannten Herkunftsfamilie nicht bleiben können. Da gibt es zum einen die altersgemischte Familienwohngruppe mit derzeit neun Jungen und Mädchen sowie die Mutter (oder auch Vater) und Kind-Gruppe, in der zur Zeit fünf junge Frauen und ein Mann mit jeweils einem Kleinkind leben.

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Seit März jongliert das Team um Odenthal die besonderen Herausforderungen und versucht, eine gangbare Balance zwischen möglichst viel Normalität auf der einen und größtmöglicher Sicherheit für alle Beteiligten, Mitarbeiter wie Schutzbefohlene, zu finden. Dienstbesprechungen etwa werden mit Maske und Abstand abgehalten, aber im Gruppenalltag ist das so nicht immer umsetzbar. „Wir arbeiten mit teilweise hoch traumatisierten Kindern“, weist Oliver Odenthal auf einen wichtigen Punkt hin. Wenn dann auf einmal alle bekannten Gesichter hinter Masken verschwinden und Bezugspersonen auf Abstand gehen, ist das für ein ohnehin besonders belastetes Kind eine zusätzliche Schwierigkeit.

„Wir versuchen im Kern immer noch, Familie bestmöglich zu leben“, formuliert Oliver Odenthal die pädagogische Prämisse. Heiligabend auf dem Königshof wird auch in diesem Jahr das Fest der Familie sein und als solches gemeinsam gefeiert werden. Und zu dieser Familie gehört natürlich auch das Team, auf das Odenthal große Stücke hält: „Das sind im positiven Sinne betrachtet alles Wahnsinnige!“ Die Freude über das große Engagement ist ihm auch durchs Telefon deutlich anzuhören. So haben mehrere Mitarbeiter angesichts drohender Quarantäne beispielsweise die Bereitschaft geäußert, diese Maßnahme am Arbeitsplatz anstatt in den eigenen vier Wänden zu erleben, um ihre Schützlinge nicht alleine zu lassen.

Ein paar Tage vor dem Weihnachtsfest haben die Bewohner des Königshofes bereits ihren eigenen kleinen Weihnachtsmarkt gefeiert und auch das traditionelle gemeinsame Weihnachtskino hat wie in jedem Jahr stattgefunden – ein Stück Normalität in einer besonderen Zeit eben. Andere, teils lange geplante Feierlichkeiten wie etwa das 25jährige Jubiläum der Jugendhilfeeinrichtung im Frühjahr sind den Corona geschuldeten Beschränkungen zum Opfer gefallen. Um so mehr hofft Odenthal auf das kommende Jahr, denn im Sommer steht – wie in jedem Jahr – das Sommerfest inklusive Ehemaligentreffen auf dem Kalender des Königshofs, ein fester Termin für die ganze Großfamilie.


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