Ende letzten Jahres teilte der Kreis Düren mit, dass die Förderung für die Hortgruppe in der Kindertageseinrichtung „Kleine Füchse“ auf dem Gelände des Forschungszentrums nicht weiter gewährt wird. Soweit die nüchterne Feststellung in der Sitzungsvorlage des Ausschuss für Jugend, Familie, Integration, Soziales, Schule und Sport (Jufisss).
Der Beschluss des Jugendhilfeausschuss des Kreises zieht diverse Konsequenzen nach sich – für die Kinder und ihre Eltern, für die „Kleinen Füchse“, für die Stadt und für die Offenen Ganztagsgrundschulen, OGS. Aktuell werden noch 17 Kinder in der Hortgruppe der Kita betreut, ab dem kommenden Schuljahr benötigen sie nun einen Platz in einer OGS. Für sechs Kinder, so die Sitzungsvorlage, gibt es Plätze. Den elf Jungen und Mädchen, die zur Promenadenschule gehen, konnte bisher kein Platz angeboten werden. Schriftliche Zusagen gibt es noch keine. Florian Hallensleben, zuständiger Amtsleiter bei der Stadt, erläuterte in der jüngsten Sitzung des Jufisss den sachlichen Grund: „Die genaue Zahlen der Schulanfänger wissen wir erst nach den Schuleingangsuntersuchungen.“ Folglich könnten auch erst dann, meist im Mai, verbindliche Verträge geschlossen werden.
In der Jufisss-Sitzung stand nun der Bericht über die Schließung der Hortgruppe auf der Tagesordnung. Das Publikumsinteresse war groß: Kinder, Eltern und Vorstand der „Kleinen Füchse“ verfolgten die Sitzung aufmerksam. Stefanie Gossen vom Elternbeirat der Hortgruppe bekam als Gast ausnahmsweise Rederecht zugestanden. Sie berichtete von „schwerwiegenden Sorgen der Eltern“ aufgrund der noch unklaren Situation und appellierte abschließend noch einmal an Ausschuss und Verwaltung, den Familien die Sicherheit zu geben, die sie brauchen würden.
Eine schwierige Aufgabe für die Verantwortlichen, denn aufgrund des Rechtsanspruchs auf einen OGS-Platz für Erstklässler, der ab dem kommenden Schuljahr greift, und der Tatsache, dass zu wenige Plätze frei werden, wird es eng, unter anderem an der OGS der Promenadenschule. Eng ist hier in zweierlei Hinsicht zu verstehen: „Aus städtischer Sicht ist die räumliche Unterbringung zur Zeit das Schlüsselproblem, da die Schule durch den derzeitigen Umbau in ihren räumlichen Möglichkeiten stark begrenzt ist“, heißt es im Vorlagentext. Hinzu kommt, dass weiteres Personal für die zu gründende, neue Gruppe benötigt wird – eine Herausforderung, der sich der Sozialdienst katholischer Frauen SkF als Träger der Promenaden-OGS stellen muss.
Der Vorstand der „Kleinen Füchse“ fühlte sich mindestens überrumpelt von der Entscheidung aus Düren. „Wir wurden vor vollendete Tatsachen gestellt“, formuliert es Anne Mutschler, pädagogische Leitung der Einrichtung. Die Eltern ihrer Hortkinder hätten sich bewusst für einen Platz bei den „Kleinen Füchsen“ entschieden, erläutert sie und zählt die Vorteile auf, die das Füchse-Angebot aus ihrer Sicht hat: die tägliche Betreuungszeit bis 17 Uhr und die deutlich umfangreichere Ferienbetreuung gehören dazu. Die Kita schließt drei Wochen in den Sommerferien und in den Weihnachtsferien, die übrigen Ferien hindurch ist komplett geöffnet. Ein Angebot, das die OGS bisher so nicht machen würde. Auch könnte die Kita kurzfristigen Betreuungsbedarf etwa durch Unterrichtsausfälle aufgrund der „dickeren“ Personaldecke besser abfangen. Zudem verweist das Führungsduo der „Kleinen Füchse“, Anne Mutschler und Eileen Aslan, auf die gute pädagogische Ausbildung des Fachpersonals in ihrer Einrichtung.
Ein Betreuungsvertrag für einen Hortplatz bei den „Kleinen Füchsen“ gilt bis zum Ende der Grundschulzeit. Ein Vertrag, den die Einrichtung trotz der geänderten Umstände gerne erfüllen möchte. Zwar gibt es die Möglichkeit der Kündigung aufgrund besonderer Umstände, wie eben auslaufender Finanzierung, aber: „Wir wollen alles dafür tun, dass die Kinder weiter hier betreut werden können.“ Wie genau dieser Wunsch umgesetzt werden könnte, steht allerdings nicht fest – ausreichende finanzielle Mittel sind jedenfalls die Voraussetzung. Eine Voraussetzung, die der Kreis Düren nun nicht mehr gewährleistet. Die Entscheidung des Jugendhilfeausschusses betrifft neben den „Kleinen Füchsen“ auch noch das Aldenhovener Schulkinderhaus, wie die „Füchse“ eine Elterninitiative.
Einigkeit herrschte unter Ausschussmitgliedern und Vertretern der Verwaltung: Sie seien der falsche Ansprechpartner. Seitens der Stadt würde alles getan, um ausreichend Betreuungsplätze anzubieten. Hierfür zollten die Vertreter der Fraktionen der Verwaltung denn auch ausdrücklichen Respekt. Ausschussvorsitzende Nicole Bataille (SPD) fasste zusammen: „Die Stadt hat früh angefangen zu bauen, der Fehler liegt nicht hier und nicht bei der Verwaltung. Wir tun alles dafür, die Familien und ihre Kinder nicht im Regen stehen zu lassen.“
Für den Jugendhilfeausschuss des Kreises Düren, der als zuständiges Gremien die Entscheidung über die Schließung überhaupt erst gefällt hat, erläutert dessen Vorsitzender Heinz-Peter Braumüller (CDU), dass „schon länger klar war, dass der Kreis die Förderung einstellen würde, wenn der Rechtsanspruch kommt.“ Bisher sei die Finanzierung „trotz knapper Kassen“ als „freiwillige Leistung“ weitergelaufen, das habe man auch so kommuniziert.
Zurückführen lässt sich die Situation, mit der sich die Stadt Jülich, die Eltern und der Hort nun konfrontiert sehen, auf die Einführung des Rechtsanspruchs auf Ganztagsbetreuung. Beschlossen hat diesen die Bundesregierung im Oktober 2021 mit dem sogenannten Ganztagsförderungsgesetz. Der Rechtsanspruch gilt zunächst für Erstklässler und wird mit den kommenden Schuljahren sukzessive auf alle Grundschulkinder ausgeweitet. Umgesetzt wird der Anspruch in den einzelnen Bundesländern unterschiedlich. Für Nordrhein-Westfalen war bereits im Jahr 2004 von der damaligen Landesregierung verkündet worden, dass Horte abgeschafft und stattdessen Ganztagsschulen gefördert werden sollten. In Jülich machte damals die Stadtelternschaft mit der Organisation einer Demonstration mobil gegen diese Entscheidung.



















