Kirchberg hat im 19. Jahrhundert durch die Ansiedlung papierverarbeitender Betriebe einen wirtschaftlichen Aufschwung erlebt. Sichtbare Zeichen hierfür sind die beiden Fabrikantenvillen an der Durchfahrtsstraße. Die nach dem Fabrikinhaber Emil Buth genannte Villa Buth ist ein bemerkenswertes Baudenkmal. Einerseits drückt sie als ehemals prachtvoller Repräsentativbau im Neorenaissance-Stil das Selbstverständnis der hiesigen Industriellen aus. Andererseits wurde sie von März 1941 bis Juli 1942 als „Sammellager“ der Jüdinnen und Juden des damaligen Kreises Jülich, später auch umliegender Kreise genutzt. Zeitweilig waren bis zu 80 Menschen unter lebensunwürdigen Umständen im Gebäude interniert.
Für ihre Insassen war die Villa Buth Zwischenstation vor der Deportation in Konzentrations- und Vernichtungslager. Entsprechend wird sich der Rundgang vor allem mit den Spuren der zwangsweisen Anwesenheit von Jüdinnen und Juden in Kirchberg beschäftigen und die Zeitschicht der Villa Buth als Zwangsort beleuchten, dessen bauliche Strukturen sich heute noch erkennen lassen. Wichtiger als die Informationen, die auf Zeitzeugenaussagen, Archivunterlagen und architektonischen Erkenntnissen basieren, ist jedoch die Erinnerung an die Insassen und ihr Schicksal.
Interessierte treffen sich am Samstag, 28. Februar, um 14.30 Uhr auf dem Dorfplatz in Kirchberg (Ecke Wymarstraße / Zur Rur). Geführt wird der Rundgang von Timo Ohrndorf.



















