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Segensspender sein

Sterben gehört zum Leben dazu – das mag etwas abgedroschen klingen. Doch für Michael Kagermeier und Gemeindereferent Michael Loogen führt diese simple Wahrheit dazu, dass sie sich für Sterbende und ihre Angehörigen engagieren.

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Foto: Thomas Haefner, fotodesign-mainz.de
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Als ehrenamtliche Mitarbeiter der Pfarrei Heilig Geist spenden sie, wenn gewünscht, einen sogenannten Sterbesegen. Ein Novum in der katholischen Kirche, wo die Krankensalbung – im Volksmund meist „letzte Ölung“ genannt – den geweihten Priestern vorbehalten ist. Daran hat sich nichts geändert, daran wollen weder Loogen noch Kagermeier rütteln. Ihr Angebot ist denn auch als eine Art Erweiterung der priesterlichen Begleitung zu verstehen.
Die in Düren ansässige Lebens- und Trauerhilfe e.V. unterstützt Menschen wie sie dabei, ihrer „Berufung“ die richtige Grundlage zu geben. Gemeinsam mit weiteren Ehrenamtlern haben die beiden Männer dort einen Kurs belegt, geleitet von Pfarrer Toni Straeten. Kein ganz einfaches Unterfangen: Spätestens als sie im Rollenspiel zum ersten Mal den Sterbesegen auch wirklich aussprechen sollten, fühlte es sich plötzlich ernst an, erinnert sich Dieter Kagermeier. Einen Rückzieher machte dennoch niemand. Inzwischen können ihre Dienste seit etwa einem Jahr in Anspruch genommen werden. In Jülich gibt es ein Team, bestehend aus sechs Ehrenamtlern, zwei Diakonen und Pastoralreferentin Barbara Biel, das diesen besonderen Dienst anbietet.

Manchmal werden die ehrenamtlichen Helfer privat angesprochen. Der „offizielle Weg“ zu ihnen führt über das Pfarrbüro. Dort rufen Menschen an, die für sich, meist aber für einen Angehörigen, geistlichen Beistand wünschen. „Dort wird konkret gefragt, was der Anrufer möchte“, erläutert Dieter Kagermeier. Manche möchten lieber einen Priester. Viele nehmen jedoch das Angebot des Sterbesegens aus Laienhand gerne an. „Geistlicher Beistand kann von jedem Christen, jeder Christin geleistet werden“, betont der Gemeindereferent in diesem Zusammenhang.

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Diesen Beistand anzubieten, für Sterbende da zu sein, ist nicht immer einfach. Wie fängt man an? Wie gestaltet man eine solche Situation? Das seien die Fragen gewesen, die sie vor allem am Anfang beschäftigt hätten, bestätigen Loogen und Kagermeier. Hilfe bot und bietet neben dem einführenden Kurs ein schmales Handbuch. Das Büchlein hält eine umfangreiche Textsammlung bereit: Psalmen, Gebete, aber auch Gedichte. Der Sterbesegen folgt einer ritualisierten Form. Auch diese haben die ehrenamtlichen Seelsorger in gedruckter Form dabei. „Wenn es jemand möchte, lasse ich das Kärtchen gerne da“, berichtet Dieter Kagermeier in der Überlegung, dass es manchem Angehörigen Hilfe sein könnte. Auch ein hölzernes Kreuz bringen sie mit. Manchem könne es Trost spenden, wenn er es in die Hand nimmt, ist sich Loogen sicher.

Trost und Unterstützung bieten, die Menschen „tragen und halten“ sei der Sinn ihres Angebotes, formuliert es Loogen und ergänzt: „Der Segen soll Hilfe und Stärkung bieten.“ Dabei ginge es natürlich in erster Linie um den Sterbenden, aber immer auch um die Angehörigen, die „Bestärkung der eigenen Hoffnung“, drückt es Kagermeier aus und meint damit durchaus auch sich selbst. Und wenn ihnen ein solcher Besuch selbst sehr nahegeht? „Dann haben wir hier alle offene Türen und offene Ohren“, verspricht der Gemeindereferent und weiß, dass er und alle seine Mitstreiter diese Gewissheit in ihrem schwierigen, für viele so wichtigen Ehrenamt benötigen.

Kontakt über das Pfarramt Heilig Geist, Stiftsherrenstraße 15, Telefonnummer 02461 / 2323, oder per Email [email protected].

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Britta Sylvester
Klönschnacktee mit der Muttermilch aufgesogen und inzwischen beim rheinische Kölsch angekommen. Übt sich in der schreibenden Zunft seit Studententagen zwischen Tagespresse und Fachpublikationen und… wichtig: ließ das JüLicht mit leuchten.

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