Frauen helfen seit genau 39 Jahren anderen Frauen in Jülich – Zeit für einen Rückblick, oder wie Dagmar Ahrens es formuliert: „Machen wir mal die Kiste auf.“ Der Impuls zur Gründung der Frauenberatungsstelle kam von Kirsten Müller-Lehnen, in den 1980er Jahren die erste Gleichstellungsbeauftragte Jülichs. Flankiert wurde die Idee von Brigitte Habig, die das Prinzip „Frauen helfen Frauen“ aus ihrer Heimat kannte.
Gemeinsam mit einer großen Gruppe engagierter Frauen riefen sie eine solche Initiative für Jülich ins Leben. Und da beide „Frauen der Tat“ sind respektive waren (Brigitte Habig starb im April 2025), fackelten sie nicht lange und riefen einen dazugehörigen Verein ins Leben. Im „Hinterstübchen“ eines Friseursalons fanden die ersten Treffen und Beratungen statt, alles auf ehrenamtlicher Basis zweimal in der Woche. Professionalisiert wurden zunächst die Räumlichkeiten mit einem Umzug in eine Wohnung am Wallgraben. Die erste Hauptamtlerin in den Reihen des Vereins war Dagmar Ahrens. „Ich war die Erste. Das war alles neu“, erinnert sie sich gerne vor allem an die „große Wertschätzung“, die ihr als Berufsanfängerin von allen Seiten entgegengebracht wurde.
Heute arbeitet ein Team von sechs Frauen mit unterschiedlichen Schwerpunkten, Aus- und Weiterbildungen gemeinsam in der Frauenberatungsstelle an der Römerstraße. Die Themen sind die gleichen wie vor knapp 40 Jahren, aber die Spielarten haben sich geändert, stellt Maria Brenner fest. „Digitale Gewalt, Stalking, ständige Überwachung mittels Peilsendern“, die Liste der Sozialarbeiterin ist lang. Häusliche Gewalt und Essstörungen zählen damals wie heute zu den häufigsten Problemen, mit denen sich Ratsuchende an die Beratungsstelle wenden. Besonders Mädchen und junge Frauen kämpfen häufig mit unguten Körperbildern, sehen sich Mobbing und „Körperkommentaren“ ausgesetzt. Da fällt schnell das Stichwort „soziale Medien“. Auch das ein Beispiel für den veränderten Beratungsbedarf.
„Social Media“ generell zu verteufeln, hält Sozialarbeiterin Lisa Heizmann dennoch für falsch, denn auf diversen Kanälen könnten und würden die Frauen auch viel Unterstützung erfahren und Hilfe finden. Gleichwohl bieten TikTok und Co natürlich eine Menge Raum für ungute Rollenbilder und hässliche Kommentare. Unter anderem hier setzen präventive Angebote wie etwa die Workshops an, zum Beispiel in Kooperation mit dem Mädchengymnasium. Auch vor K.O.-Tropfen warnen die Beraterinnen in vorbeugenden Kursen und Vorträgen.
„Mädchen und Frauen mit Behinderung sind deutlich häufiger von Gewalt betroffen“, spricht Heizmann einen weiteren Aspekt ihrer Arbeit an. Diese zu erreichen, sei jedoch häufig besonders schwierig. Ein Flyer in einfacher Sprache ist einer der Schritte. Auch die Vernetzung mit anderen Beratungsstellen und Einrichtungen gehört dazu. Zusammengearbeitet wird auch mit dem kreisweiten Arbeitskreis „Beratung für Frauen mit Zuwanderungsgeschichte“, dem Frauenhaus in Düren und den Krankenhäusern in der Region. Hier geht es um die sogenannte anonyme Spurensicherung, die es betroffenen Frauen ermöglichen soll, eine Sexualstraftat nicht nur anzeigen, sondern auch beweisen zu können.
„Es ist unrealistisch, dass das Thema Gewalt gegen Frauen verschwindet“, konstatiert Dagmar Ahrens nüchtern, verweist aber darauf, dass sich das gesellschaftliche Bewusstsein glücklicherweise verändert habe. Zu Gründungszeiten habe es noch geheißen, „so etwas“ bräuchte Jülich nicht; Gewalt gegen Frauen sei doch kein Thema hier. Doch, das ist es, auch hier und bis heute. Umso wichtiger, dass sich das Team von „Frauen helfen Frauen e.V.“ auf eine gesicherte Finanzierung verlassen kann. Bisher muss alle vier Jahre ein neuer Antrag gestellt werden. Wird dieser geprüft und bewilligt, steht am Ende eine Förderung von maximal 85 Prozent der nötigen Summe. Auch Stadt und Kreis gehören von Anfang an zu den Geldgebern, wofür das Team sehr dankbar ist, gehört ihr Angebot doch zu den freiwilligen Leistungen. Ohne die Spendenbereitschaft ihrer Unterstützer und Mitglieder ginge es dennoch nicht – auch dafür sei ein großes Dankeschön angebracht, sind sich die sechs Mitarbeiterinnen einig.
Zu erreichen ist das Team telefonisch unter der Rufnummer 02461 / 58282 oder per Email an info@frauenberatungsstelle-juelich.de.
















