„Lösungsorientiert und einfallsreich sein“, antwortet Caro Schlemminger wie aus der Pistole geschossen auf die Frage, welche Fähigkeiten man als Glasapparatebauerin unbedingt haben sollte. Fingerspitzengefühl sei ebenfalls wichtig, fügt sie hinzu. Die „ruhige Hand“ käme im Laufe der Jahre durch viel Übung und Geduld, ergänzt ihr Ausbilder Andreas Schwaitzer. „Auch Angst vor Feuer sollte man besser nicht haben“, schmunzelt Schwaitzer, Teamleiter in der Glas- und Keramik-Bearbeitung am Institute of Technology and Engineering (ITE).
Gemeinsam mit fünf Männern arbeitet Caro Schlemminger in der Glaswerkstatt des Forschungszentrums. Hier fertigt das Team meist Laborgeräte „nach Wunsch“. Die Anfragen kommen aus den verschiedenen Instituten, Laboren und Werkstätten auf dem gesamten Campus. Meist sieht das so aus, dass ein Mitarbeiter mit einer Idee zu den Glasfachleuten kommt und erklärt, was das fertige Stück können soll. Schwaitzer und seine Kollegen haben Papier und Stift für eine erste Entwurfszeichnung immer griffbereit. Die detaillierte Ausarbeitung wird mit spitzem Bleistift und exakten Maßen gezeichnet und dann genauso umgesetzt. Sorgfältiges Arbeiten ist ein Muss für Glasapparatebauer, schließlich soll „eine Kugel auch eine Kugel sein“. Irgendwann mache man vieles nach Augenmaß, meint der Chef, „aber am Anfang misst man nach“. Und am Anfang geht auch einiges schief. Deshalb sei eine gewisse „Sturköpfigkeit“ im Job auch nicht schlecht, meint Caro Schlemminger. „Frustrationstoleranz“ nennt das ihr Ausbilder und findet, das Glasapparatebauen sei ein wenig, wie ein Instrument zu lernen.
Die Ausbildung für Glasapparatebauer dauert drei Jahre und schließt mit einer mehrteiligen Prüfung. Neben einem Gesellenstück, das – unter bestimmten Vorgaben – selbst gewählt werden darf, müssen verschiedene Glasteile im Beisein der Prüfer gefertigt werden. Eine theoretische Prüfung gehört ebenfalls dazu. Vor der Theorie müsse man definitiv keine Angst haben, ist sich Azubi Caro Schlemminger sicher. „Ich war auch kein Mathe-Genie in der Schule“, meint sie grinsend. Das gleiche gilt für die Chemie. Ein gewisses Grundverständnis sollte man schon mitbringen; die praktische Anwendung mache die Theorie dahinter aber sehr viel leichter nachvollziehbar als der Schulunterricht. Wer dann noch technisches Interesse mitbringt und Spaß daran hat, mit den Händen zu arbeiten, für den könnte der anspruchsvolle Beruf das Passende sein. Besondere körperliche Voraussetzungen braucht es dagegen eher nicht, nur ein gutes Sehvermögen – ob mit oder ohne Brille – sollte gegeben sein. „Man braucht keine Lunge wie ein Pferd“, wirft ein Kollege im Vorbeigehen lachend ein.
Wer ausprobieren möchte, ob die Arbeit mit Glas und Feuer der Traumjob werden könnte, kann bei Andreas Schwaitzer und seinem Team ein Praktikum absolvieren. „Wir nehmen immer gerne Praktikanten“, erklärt der Werkstatt-Chef, „dann wissen beide Seiten, worauf sie sich einlassen.“ Die nächste Ausbildungsstelle wird voraussichtlich für den Sommer 2027 ausgeschrieben, Zeit genug also, um sich jetzt schon für ein vorheriges Praktikum zu bewerben. Die Aussichten in dem eher exotischen Beruf – pro Jahr gibt es meist nur zwei Azubis in ganz Nordrhein-Westfalen – sind übrigens gut, weiß Andreas Schwaitzer, vorausgesetzt man ist räumlich flexibel sprich auch bereit, für die nächste Stelle vielleicht umzuziehen.



















