
Ein Tag für Neues und Neugier: Vertreterinnen und Vertreter des Stadtarchivs, Museums Zitadelle, der Stadt Jülich, Jülicher Ratsfraktionen und des Kreises Düren hatten zusammengefunden, um gemeinsam die neuen Anlagen zu feiern und dem Landschaftsverband Rheinland (LVR), vertreten durch die Stellvertretende Vorsitzende der Landschaftsversammlung Rheinland Elfie Scho-Antwerpes sowie Gebietsreferenten Matthias Senk, für das Möglichmachen zu danken. In der anschließenden Führung sollte es – so Archiv-Leiterin Susanne Richter – nicht nur um die neue Anlage gehen. Sondern auch darum, die eine oder andere Geschichte dahinter zu entdecken. Neben Erkenntnissen wie der, dass die Schränke einfacher rollen, wenn sie voll sind und dass eine Minute mit sieben Menschen in der Kühlkammer die Temperatur von acht auf zwölf Grad steigen lässt, gab es darum auch einen Einblick in die Bestände: Einige historische Bücher und Kataloge waren vor dem Magazin ausgelegt.
Dass das Stadtarchiv so ausgebaut werden konnte, ist der Regionalen Kulturförderung vom Landschaftsverband Rheinland (LVR) zu verdanken. Das betonte in der Eröffnungsveranstaltung auch Dezernent Richard Schumacher, der kurzfristig für den Bürgermeister eingesprungen war. Die Förderung in Höhe von 71.000 Euro habe die umfassende Maßnahme ermöglicht und Jülichs Archiv „im wahrsten Sinne des Wortes ‚Fit für die Zukunft‘“ gemacht – passend zur Devise des Projekts. Dabei beliefen sich die Investitionskosten auf etwa 160.000 Euro. Ohne die Förderung hätte man, so Schumacher, vermutlich das Vorhaben in „abgespeckter Form“ oder mit weniger Qualität umgesetzt. Gedauert habe das Vorhaben außerdem: Im Mai 2024 seien die ersten Beschaffungsmaßnahmen gestartet, die letzte Maßnahme habe im Frühjahr 2026 stattgefunden. Wie man später erfahren würde: Die Idee für die Tiefkühlkammer entstand im Rahmen einer Projektteilnahme, in der es um modellhafte Konservierungsstrategien zum Erhalt von fotografischem Kulturgut in Archiven ging. Kurz: Wie lagert man Fotos und Filme am Besten? Dabei sei der Wunsch nach einer fachgerechten Aufbewahrung entstanden. Begeistert zeigte sich auch der stellvertretende Landrat Achim Maris. Er dankte im Namen des Kreises Düren für die Förderung und betonte, dass er aus eigener Erfahrung wisse, wie viel Neues es im Stadtarchiv zu entdecken gebe. Er freue sich darauf, dass man das Archiv für die Zukunft etwas besser ausstatten könne.
Elfie Scho-Antwerpes, Stellvertretende Vorsitzende der Landschaftsversammlung Rheinland, erzählte anekdotisch: Man müsse es mögen, in einem Archiv zu arbeiten. So sei es ihr auch dereinst gegangen. Um Dinge erhalten zu können, müssten auch die Bedingungen stimmen. Dabei gehe es nicht nur beispielsweise um das Regale abholen und aufbauen, sondern auch um die Vorarbeit und das Erkennen, was wie wichtig ist und wie man an das Geld kommt. Das „fitmachen“ des Jülicher Archivs sei auch dringend notwendig, betonte sie und verwies auf das 2009 eingestürzte Kölner Archiv, bei dessen Unglück viele Unterlagen verloren gingen. Um zu erkennen, wie wichtig die Stadtgeschichte ist, brauche es die entsprechenden Bedingungen, wie das Trockenlegen und die Kühlmöglichkeiten. Das Projekt „Fit für die Zukunft“ sei, so Scho-Antwerpes, deutlich spürbar eine Herzensangelegenheit für das Jülicher Archivteam. Es steckten erkennbar Engagement und Liebe darin, daher sei es wichtig, dass der LVR dieses Projekt unterstütze. Archive seien mehr als nur Lagerungsstätten. Sie seien lebendige Orte der Erinnerung. Auch für die Forschung und die Identität einer Stadt und der Region seien sie relevant.
Schließlich ordnete sie noch historisch ein: Die Kooperation zwischen Stadt Jülich und LVR in Sachen Archivpflege habe eine fast hundertjährige Tradition. 1929 sei man als Stadtarchiv Jülich bereits mit der neu gegründeten Archivberatungsstelle des Provinzialverbandes des Rheinlands – dem Vorläufer des heutigen Landschaftsverbands Rheinland – zusammengetreten. Damals seien neue Archivräume nach damaligem Standard in zwei gewölbten Kellerräumen des Rathauses eingerichtet worden. Von der Vergangenheit in die Zukunft versprach sie, dass man das Jülicher Stadtarchiv beim LVR weiterhin intensiv und beispielhaft unterstützen wolle, um fruchtbar zusammenzuarbeiten. „Das wünschen wir uns jedenfalls und ich glaube, das ist auch in Ihrem Sinne.“ Wichtig sei, dass die „Schätze gehoben“ werden können und die Geschichte erlebbar gemacht werde. Damit war der Zugang für die Öffentlichkeit gemeint. Zur Erinnerung an die Veranstaltung erhielt Scho-Antwerpes von der Jülicher Archivarin das Buch „Jülich zwischen den Kriegen“, dessen Inhalt Richter selbst zusammengetragen hat.
Schließlich kam die Archiv-Leiterin selbst zu Wort. Sie freute sich über den aktiven Blick auf und die Würdigung des Archivs und der Herzblut-Arbeit, die ihre Mitarbeiterinnen hineinsteckten. Es sei eine starke Motivation, wenn man merke, dass diese Arbeit gesehen werde. Als Archivarin stehe sie oft zwischen der Vergangenheit, die sie bewahrte, und die Zukunft, für die sie arbeite. An diesem Eröffnungstag allerdings lägen diese zwei Welten besonders nah bei einander: Mit den neuen Anlagen würde nicht nur ein Stück Archivgeschichte geschrieben, sondern auch die Geschichte der Stadt für kommende Generationen gesichert. In den vergangenen Jahrzehnten sei das Archiv eine „gut gefüllte, aber aus allen Nähten platzende Schatzkiste“ gewesen. Launig ergänzte sie um eine Anekdote: 2021 sei das Archiv ins heutige „Zentrum für Stadtgeschichte“ umgezogen, wobei es auch mit der Zusammenlegung der Bestände aus Kulturhaus und altem Rathaus mehr Platz gegeben habe. Das war die letzte „Erweiterung“. Im Anschluss hätten sich aber so viele Menschen mit neuem Material gemeldet, dass die Magazine schnell wieder voll gewesen seien. „Ihr habt ja jetzt Platz!“ Darum sei die Erhöhung der Kapazitäten durch die Rollregalanlage die passende Lösung gewesen.
Außerdem, betonte Richter, sei wichtig gewesen, das Raumklima zu verbessern. Hier sei es vor allem um Raumluftfilterung und Temperatur gegangen. Letztere sei zwar auch im Sommer noch gerade so im passenden Bereich gewesen, aber die Filterung habe gefehlt. Bei den Planungen sei es – wie so oft bei Altbauten – immer wieder zu Überraschungen gekommen, aber gemeinsam habe man alle Schwierigkeiten lösen können. Ihr Dank galt hier dem Technischen Immobilienmanagement mit seinen vielen Ideen. Geschaffen worden sei letztlich nicht nur Platz, sondern auch Qualität: Fast 800 zusätzliche Laufmeter – ein Laufmeter entspricht neun Archiv-Kisten – und damit insgesamt über 1500 Laufmeter Magazinfläche im Keller, also eine Steigerung um 110 Prozent. Das Archiv verfüge mit allen anderen Räumen über etwa zwei Kilometer Laufmeter, von denen ungefähr ein guter Kilometer schon belegt sei. Das nun existierende Klima durch die raumlufttechnischen Systeme schütze die Bestände auf nachhaltige Weise. Damit seien auch die alten Heizkörper, die ein Risiko für Wasserschäden gewesen seien, ersetzt worden, denn die Systeme fungieren im Winter auch als Heizung. Ein weiterer Schutz für die Bestände sei das nun mögliche Tiefkühlen alles neuen Papiermaterials – inklusive Toilettenpapier. Das sei wichtig, damit ein Schädlingsbefall von vorne herein ausgeschlossen werde. Die neue Kühlkammer umfasse 19 Quadratmeter speziell für die Fotobestände und das Filmmaterial. Dort sollen künftig nicht nur die Bestände des Stadtarchivs, sondern auch des Museums Zitadelle aufbewahrt werden.
Vor der Führung dankte Richter noch einmal allen Beteiligten. Darunter neben dem LVR als Wegebner den Handwerkerinnen und Handwerkern der Firma Zambelli Metalltechnik, die für den Aufbau der Rollregale verantwortlich zeichnet, der Firma Franken sowie Meyer Umzüge fürs Regal aufbauen und tragen. Dem Team des Museums Zitadelle dankte sie fürs Aushalten des Staubes, Lärms und der „strengen Gerüche“, die manchmal durch das Gebäude gewabert seien, und ihrem eigenen Team für Leidenschaft und tatkräftige Unterstützung. Und neben Bürgermeister Axel Fuchs, dem Jülicher Kämmerer und dem Stadtrat fürs Bereitstellen des finanziellen Eigenanteils auch dem Bauhof Jülich: „Wenn es gleich schön ist, dann liegt das am Bauhof. Das Schöne kommt vom Bauhof.“ Man feiere bei der Eröffnung nicht nur die Einweihung der neuen Anlagen, sondern auch „die Möglichkeit unsere Arbeit noch besser zu machen, wir feiern die Sicherheit, dass unsere Bestände für die nächsten Jahrzehnte geschützt sind und wir feiern die Gemeinschaft, die dieses Projekt möglich gemacht hat.“
Fotos: Ariane Schenk

























