
Wer häufiger auf Straßennamen achtet, merkt: Viele Straßen sind nach berühmten historischen Persönlichkeiten benannt. Das gilt auch für Marie Juchacz, der in Jülich ein Weg an der Promenade gewidmet ist. Doch wer ist diese Frau? Britta Dohmen, Vorsitzende der Awo-Ortsgruppe, hat es sich zum persönlichen Ziel gesetzt, mit einer lokalen Ausstellung für Aufklärung zu sorgen.
Mitten in der Jülicher Awo steht Britta Dohmen freudestrahlend im noch unfertigen Ausstellungsraum, der Marie Juchacz gewidmet werden soll. „Solche Frauen müssen gesehen werden“, ist Britta Dohmen überzeugt. Sie gesteht, dass sie damals ihre Ausbildung bei der Awo gemacht hat und selbst nichts über Marie Juchacz wusste. „Gerade junge Frauen sollten wissen, wem sie was zu verdanken haben“, erklärt die Ausstellerin. Daher möchte sie die Fragen beantworten: Wer war diese Frau und was hat sie Bedeutsames geleistet?
Was im Jahr 2026 zumindest in Deutschland als selbstverständlich gilt, musste im vergangenen Jahrhundert hart erkämpft werden. Während die meisten Frauen am Herd standen, Kinder erzogen und den Haushalt schmeißen mussten, betrat Marie Juchacz als erste Frau in einem deutschen Parlament die Rednerbühne. Marie Juchacz war die Begründerin der Arbeiterwohlfahrt – kurz Awo – und ist deshalb selbstverständlich von besonderer Bedeutung für den Jülicher Ortsverein. Sie gilt als bedeutende Kämpferin in der Geschichte der deutschen Frauenbewegung und für die Gleichberechtigung der Frauen.
Gerade in einem Jülicher Begegnungszentrum, in dem Männer und Frauen verschiedenster Generationen aufeinandertreffen, ist der Awo-Vorsitzenden die Lebensgeschichte der Gründerin besonders wichtig. Um sie sichtbar zu machen, soll der Flur des Awo-Heims zum „Marie-Juchacz-Foyer“ umgestaltet werden. „Wenn man etwas zum Angucken und Anfassen hat, ist es spannender als reiner Text“, erklärt Britta Dohmen das Konzept. In dem Ausstellungsraum steht ihr ganzer Stolz: ein Mikrofon. Denn „vor genauso einem Mikrofon hat sie damals gestanden!“, freut sich die Ausstellerin.
Der vorherige Besitzer des Mikrofons wollte seinen historischen Fund nicht einfach verkaufen. Doch die Geschichte der Awo in Verbindung mit dem Mikrofon berührte ihn, und so übergab er seine historische Rarität der Ausstellung in Jülich statt einem Museum. Ein weiteres Relikt aus derselben Zeit ist eine Nähmaschine. Sie ist von besonderer Bedeutung, weil Marie Juchacz und ihre Schwester im Osten Berlins von dem Geld lebten, das sie mit Näharbeiten in Heimarbeit verdienten.

Im Zeichen der Inklusion wird die Ausstellung möglichst barrierefrei gestaltet. So kann beispielsweise vorgelesen und erklärt werden, was in den Vitrinen gezeigt wird. Eine weitere Besonderheit der Ausstellung möchte Britta Dohmen noch nicht vorwegnehmen – das soll eine Überraschung bleiben.
Um die Geschichte hinter den gezeigten Gegenständen greifbarer zu machen, sind zwei Fotos besonders wichtig, die die Verbindung zu den Ausstellungsobjekten zeigen. Sie fehlen noch. Woran scheitert es? Ganz einfach: am Geld. Die Originalbilder sind unbezahlbar. Deshalb lautet das aktuelle Ziel, zwei Kopien anzuschaffen. Doch selbst hierfür liegen die Kosten für die Rechte zur Anfertigung eines einfachen Nachdrucks bei mindestens 400 Euro. Zusatzkosten, die der Verein nicht ohne Weiteres aufbringen kann. „Wir als Non-Profit-Organisation ohne Unterstützung oder Spendenanfrage bezahlen alles, was hier passiert, selber“, erklärt Britta Dohmen. Das gilt beispielsweise für eine Tapete im Stil der 30er-Jahre, die aus eigener Tasche bezahlt worden ist.
Ein genaues Datum für die Eröffnung kann Britta Dohmen folglich noch nicht nennen. Die Ausstellung hätte schon im vergangenen Jahr starten sollen, doch aktuell hofft sie noch auf einen „netten Spender“, der zumindest eines der Bilder finanziert.
Die gesamte Lebensgeschichte der Kämpferin kann mit ihren Höhen und Tiefen kann auf der Seite der AWO nachgelesen werden.


















