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BGirl Anni: Von Jülich in den Bundeskader

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Nach der Medaille kam der Bundeskader: Annika Verhees, kurz BGirl Anni, tanzt jetzt im bundesdeutschen Nachwuchskader. Foto: @fabviews_official
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„Also ich bin jetzt so 5 Prozent berühmt von 100, aber so langsam geht das schon.“ Mit dem Satz beschrieb Annika Verhees im Oktober 2025 ihren Bekanntheitsgrad. Nur zehn Monate später ist die Elfjährige, die als B-Girl Anni in der Breaking-Szene Furore macht, nicht nur um einige erste Plätze und Erfahrungen reicher, die Jülicherin wurde jetzt in den Bundeskader aufgenommen – als jüngstes und als einziges B-Girl aus NRW.

Gerade kommt Anni frisch vom ersten Bundeskaderlehrgang mit dem Team Germany im Olympischen und Paralympischen Trainingszentrum in Kienbaum. Was sie schon sichtbar stolz macht, ist auch eine große Herausforderung. Morgens um 7 Uhr beginnt der Tag mit Schwimmen. Das lockert die Muskeln und löst Verspannungen, weiß der elfjährige Profi aus Erfahrung. Erst abends endete der lange Tag nach Training, Leistungsdiagnostik, Workshops, Turnen, Workout, Physiotherapie, Eisbad und Sauna. Bei Letzterem grinst Anni breit. Ziemlich stolz ist auch Vater Christian Verhees, der immer an der Seite seiner Tochter ist – na ja, zumindest in Rufweite. Denn natürlich konnte er nicht mit ins Trainingslager, blieb aber im eine Stunde entfernten Berlin. Also musste seine Tochter alles selber managen – und das hat sie mit Bravour gelöst.

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Dass Anni erst 11 Jahre alt ist und ab nächster Woche mit einem Notendurchschnitt von 1,1 in Klasse 6 des Gymnasiums Zitadelle Jülich startet, wird nur unterschwellig klar. Dann, wenn sie begeistert von ihrem Kuscheltier und Maskottchen „Rüssli“ erzählt, das natürlich überallhin mitgehen muss. Kann Rüssli auch, denn er besitzt nicht nur einen eigenen Koffer, sondern auch einen Reisepass. Sicher ist sicher. Da ist schon fast klar, wohin die Reise gehen soll: mit dem Bundeskader ins internationale Ausland. Bis dahin ist aber noch reichlich zu tun, wie die Tänzerin erklärt.

Finalistin bei den Finales. Foto: @fabviews_official

Die Aufnahme in den Kader sieht sie selbst als großen Schritt nach vorne. Viel habe sie in den fünf Tagen gelernt. Und das nicht nur sportlich. Ihre Mitstreiterinnen sind im Wettbewerb, der im Breaking „Battle“ heißt, Gegnerinnen. „Und plötzlich teilt man Zimmer, Bad und Alltag miteinander.“ Da müssen sich Konkurrentinnen als Team Deutschland verstehen. Gar nicht so einfach soll man meinen, „aber ganz wichtig und sehr schön, da uns alle die Liebe zum Tanzen verbindet und man sich gegenseitig unterstützt“, so Anni. Sicherheit gibt hier in allen Fragen B-Girl Jilou, Annis Trainerin und Mentorin. „Ich bin überglücklich, dass ich sie, wenn ich irgendwas nicht weiß, in allen Dingen direkt fragen kann“, sagt Anni.

Was ist das nächste Ziel, nachdem sie – so der genaue Titel – Teil des Bundesnachwuchskaders 2 des Deutschen Tanzsportverbandes (DTV) für die Saison 2026/27 ist? Annis Antwort klingt wie eigentlich immer: durchdacht, strategisch, professionell und ohne hochtrabende Flausen. Ihr nächstes Ziel sei zunächst, die weiteren Kaderlehrgänge „durchzuziehen und durchzuhalten“. Vor allem aber möchte sie lernen. Es gibt eine technische Wunschliste: Neben gezieltem Muskelaufbau soll der Flickflack richtig sauber werden, außerdem arbeitet sie am Air Flare – einem anspruchsvollen Powermove, bei dem der Körper mit den Händen gestützt in der Luft rotiert. „Es klappt schon alles so einigermaßen“, urteilt sie über den derzeitigen Stand.

Anni ist eine Tänzerin zwischen zwei Welten: die eine mit dem großen Applaus auf den Bühnen zwischen Berlin, Dresden und im nächsten Jahr hoffentlich Stuttgart und die andere im Lebensort Jülich. Zwischen beiden Welten meistens eine lange Autofahrt. Anni erzählt von Wochenenden, an denen freitags acht Stunden Anreise anstanden, samstags das Battle folgte und anschließend noch in der Nacht zurückgefahren wurde. Einmal ging es gegen halb elf abends von Dresden Richtung Heimat – damit wenigstens der Sonntag noch zum Lernen blieb. Am Montag stand eine Mathearbeit an. Ihr Kommentar zu dieser Kombination aus Wettkampf, Autofahrten und Schule, den sie ziemlich erwachsen, aber breit grinsend zum Besten gibt: „Kann ich nicht empfehlen, aber …“

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Aktuelle Erfolge
Der entscheidende sportliche Erfolg 2026 gelang Anni bei den Finals in Hannover Ende Juli. Im Neuen Rathaus trat sie vor rund 800 Zuschauern in der Kategorie B-Girl Juniors U14 an – und wurde Deutsche Vizemeisterin 2026.

Beim DTV-Ranking-Battle in Dresden erreichte sie im April Platz zwei, beim DTV-Ranking-Battle auf dem Hessentag in Fulda im Juni Platz eins. Beim großen 1.-Mai-Battle in Berlin-Kreuzberg gewann sie die Juniors-Kategorie – als einziges Mädchen in den Finalrunden. Zu der Veranstaltung war sie zuvor persönlich als Special Guest eingeladen worden.

Dass Anni inzwischen nicht nur als Teilnehmerin wahrgenommen wird, zeigt ein weiterer Termin: Am 12. September soll sie beim großen 36Melody Dance Battle im Martin-Gropius-Bau in Berlin-Kreuzberg als Jurorin antreten – ebenfalls auf persönliche Einladung des Veranstalters.

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HERZOGin mit Leib und Seele. Mein HERZ schlägt Muttkrat, Redakteurin gelernt bei der Westdeutschen Zeitung in Neuss, Krefeld, Mönchengladbach und Magistra Artium der Kunstgeschichte mit Abschluss in Würzburg. Versehen mit sauerländer Dickkopf und rheinischem Frohsinn.

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